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Das absolute Risiko für einen Schlaganfall lag bei einer B-Supplementierung um einen halben Prozentpunkt niedriger.
 
Neurologie 8. Jänner 2014

Doch ein wenig geringeres Risiko

14 Studien zeigen: zusätzliches Vitamin B senkt Schlaganfallgefahr.

Eine Nahrungsergänzung mit B-Vitaminen kann das Risiko für einen Schlaganfall etwas reduzieren - vor allem bei Risikopatienten, die nicht optimal medikamentös versorgt werden.

Ist zu viel Homocystein im Blut mit ein Grund für Herzinfarkt und Schlaganfall? Darüber wird seit Jahren heftig diskutiert. Epidemiologische Studien hatten zunächst Hinweise auf einen Zusammenhang geliefert, kontrollierte Interventionsstudien ergaben aber keine Reduktion des Herzinfarktrisikos bei einer Supplementierung mit B-Vitaminen.

Was das Schlaganfallrisiko betrifft, so sind die Daten sehr uneinheitlich. Etwas mehr Klarheit wollten nun chinesische Neurologen um Yan Ji aus Henan schaffen, indem sie 14 qualitativ hochwertige Interventionsstudien zur B-Vitamin-Supplementierung auswerteten. Sie verzichteten dabei auf sehr kleine Studien oder solche mit schlecht definierten Endpunkten (Neurology 2013;81:1298-1307).

Sieben Prozent weniger Schlaganfälle


An den 14 Studien hatten knapp 55.000 Personen vorwiegend aus westlichen Industrieländern teilgenommen. Fast alle Gruppen bestanden aus älteren Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Die Studiendauer lag zwischen zwei und sieben Jahren. Insgesamt wurden 2.417 Schlaganfälle beobachtet, 1.188 waren es in der Gruppe mit Vitamin-B-Zusatz (4,3%) und 1.283 in der Gruppe ohne Supplementierung (4,7%).

Das absolute Risiko für einen Schlaganfall lag damit bei einer B-Supplementierung um einen halben Prozentpunkt niedriger. Relativ betrachtet war die Schlaganfallrate in den Vitamingruppen um sieben Prozent geringer. Der Unterschied war zwar gering, aber signifikant. Keine signifikanten Unterschiede gab es bei TIAs und Herzinfarkten.

In einem zweiten Schritt schaute sich das Team um Ji die Schlaganfallrate in verschiedenen Subgruppen an. Hier stießen die Forscher jedoch nur selten auf deutliche Unterschiede: Egal ob die Supplementierung mit B-Vitaminen zur Sekundär- oder Primärprävention erfolgte, ob es sich um einen ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall handelte, stets waren die Unterschiede bei solchen Einzelbetrachtungen nicht signifikant.

Ebenfalls keinen statistisch belastbaren Zusammenhang gab es zwischen der Schlaganfallrate und Vitamin-B12-Spiegeln zu Beginn der Studien, der Vitamin-B12-Dosis im Lauf der Studien oder dem Ausmaß der Homocysteinsenkung.

Gut eingestellt? Dann bringt der Zusatz wenig


Dagegen schienen Teilnehmer aus Regionen ohne Folat-Anreicherung in Lebensmitteln, mit einem Blutdruck über 130 mmHg oder ohne Thrombozytenaggregationshemmer von der Supplementierung zu profitieren. Im Umkehrschluss war bei Teilnehmern mit guter kardiovaskulärer Risikokontrolle kaum ein Nutzen der Nahrungsergänzung erkennbar.

Werden Schlaganfall-Risikopatienten bereits gut medizinisch versorgt, ist der Nutzen einer zusätzlichen Vitamin-B-Supplementierung offenbar zu vernachlässigen. Auch in Ländern, die Getreideprodukten Folsäure zusetzen, scheint es keinen Nutzen von zusätzlichen B-Vitaminpillen zu geben.

Vielleicht, so die Forscher um Ji, ist die Situation bei jüngeren und gesunden Menschen anders. Bei ihnen hatten Kohortenstudien ein reduziertes Schlaganfallrisiko bei hohen B-Vitaminwerten angedeutet. Sie reagieren möglicherweise empfindlicher auf eine Supplementierung. Allerdings muss auch dies erst in kontrollierten Studien nachgewiesen werden.

 

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