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Neurologie 1. September 2011

Klinische Charakteristika von halbseitigen Kopfschmerzen außer Migräne und Clusterkopfschmerz und deren Ansprechen auf Indomethacin

Die bisher publizierten Arbeiten zum Thema der halbseitigen Kopfschmerzen außer der Migräne und dem Clusterkopfschmerz haben sich in erster Linie mit ausgewählten Kopfschmerzformen wie z.B. der paroxysmalen Hemikranie, dem SUNCT oder dem primär stechenden Kopfschmerz beschäftigt. In der vorliegenden Arbeit haben die Autoren bei einer unselektierten Serie von Patienten mit halbseitigen Kopfschmerzen, die nicht die akzeptierten Diagnosekriterien von Migräne oder Clusterkopfschmerzen erfüllten, die klinischen Charakteristika, die Ergebnisse der zerebralen Bildgebung und das therapeutische Ansprechen auf Indomethacin untersucht. Alle Patienten wurden einer zerebralen Magnetresonanz- bzw. Computertomographie zugeführt und absolvierten einen sogenannten "Indo-Test", i.e. orales Indomethacin in einer Tagesdosis von 2 × 75 mg über 3 Tage. Die Kopfschmerzen von insgesamt 63 Patienten ließen sich bei 12 als primär stechender Kopfschmerz, bei 6 als (wahrscheinliche) paroxysmale Hemikranie und bei 3 als Spannungskopfschmerz klassifizieren. Jeweils ein Patient litt unter einem wahrscheinlichen SUNCT, einem neu aufgetretenen täglichen Kopfschmerz und einer Nasoziliarisneuralgie. Bei 8 Patienten konnte die Diagnose eines sekundären Kopfschmerzes gestellt werden und bei 31 Patienten konnten die Kopfschmerzen nicht anhand der 2. Ausgabe der Kopfschmerzklassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (ICHD-II) diagnostiziert werden. Der "Indo-Test" führte bei 13 von 51 Patienten zu einer vollständigen Remission der Kopfschmerzen. Beim Follow-up (11 ± 3 Monate nach der Erstvorstellung) waren 29 % der Patienten seit zumindest 3 Monaten kopfschmerzfrei. Zusammenfassend konnten also circa die Hälfte aller Patienten, die sich aufgrund von halbseitigen Kopfschmerzen außer Migräne und Clusterkopfschmerz in unserer Ambulanz vorstellten, nicht anhand der ICHD-II diagnostiziert werden. Der primär stechende Kopfschmerz war die häufigste primäre Kopfschmerzform in unserer Serie. Die zerebrale Bildgebung zum Ausschluss von sekundären Kopfschmerzen ist obligat. Der Kopfschmerzverlauf war bei einem Drittel der Patienten günstig.

Stefan Seidel, Doris Lieba-Samal, Marion Vigl, Christian Wöber, Wiener klinische Wochenschrift 17/18/2011

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