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Dr. Pascal Mensah wissenschaftlicher Leiter des Kongresses ICoMI 2017
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Komplementärmedizin 20. Juni 2016

Neue Konzepte und Perspektiven

Erster internationaler Kongress zur Mikroimmuntherapie, ICoMI 2017

„Immunmodulation und chronische Krankheiten aus dem Blickwinkel der Autoimmunität: Neue Konzepte, neue Perspektiven“, so lautet das Thema des 1. Internationalen Kongresses zur Mikroimmuntherapie (ICoMI), der vom 18. bis 20. Mai 2017 im wunderschönen Palma de Mallorca stattfindet. Der Kongress wird von den medizinischen Gesellschaften für Mikroimmuntherapie Europas (MeGeMIT, AEMI und 3IDI) organisiert.

Warum ist es wichtig, über dieses Thema zu sprechen? Nach der American Autoimmune Related Diseases Association (AARDA) leiden mehr als 50 Millionen Amerikaner an unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen, und die Tendenz ist steigend. Autoimmunkrankheiten gehören zu den zehn wichtigsten Todesursachen bei Frauen über 64 Jahre. Andererseits nehmen die chronischen Krankheiten und Krankheitszustände – wie Herzkreislauferkrankungen, Krebs, metabolisches Syndrom, Diabetes, Adipositas u.ä. – weiterhin dramatisch zu und stellen ein großes Gesundheitsproblem und eine wirtschaftliche Belastung dar. Ein besseres Verständnis der Risikofaktoren, der gemeinsamen pathogenen Mechanismen und der Entstehung dieser Krankheiten trägt dazu bei, präventive Methoden zu ermitteln und die derzeitigen therapeutischen Strategien zu verbessern. Es ist das Anliegen des 1. Internationalen Kongresses zur Mikroimmuntherapie hier einen wichtigen Beitrag zu leisten.

Neues Autoimmunitätskonzept

Es hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass Entzündungsprozesse und immunitäre Fehlfunktionen Entwicklung und Fortschreiten zahlreicher chronischer Pathologien begünstigen. Das wiederum hat zu einem besseren Verständnis der Pathophysiologie dieser Störungen (einschließlich der Rolle der Barrierefunktion) und zur Entwicklung eines neuen Autoimmunitätskonzepts beigetragen.

Von den ersten Hypothesen zu den neuesten Entdeckungen

Seit einigen Jahrzehnten wird der mögliche Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen und Viren sowie Bakterien diskutiert. Dabei konzentriert man sich auf ein Phänomen, das als „molekulare Mimikry“ bezeichnet wird und bei dem autoreaktive Zellen aufgrund möglicher Ähnlichkeiten zwischen Virus- oder Bakterienantigenen mit körpereigenen Strukturen aktiviert werden.

Daneben werden weitere Mechanismen in der Entstehung von Autoimmunität in Betracht gezogen: so zum Beispiel können, infolge von Gewebeläsionen, die durch schwere Verletzungen oder Entzündungen verursacht werden, „sequestrierte“ körpereigene Antigene dem Immunsystem zugänglich gemacht werden. Dadurch können sie von Zellen des Immunsystems präsentiert werden (Bystander-Aktivierung), wodurch eine Immunantwort gegen den eigenen Körper ausgelöst werden kann.

Heutzutage ist auch bekannt, dass die genetische Disposition mitberücksichtigt werden muss. Mutationen an Genen, die für die sogenannten HLA-Moleküle kodieren, welche an der Antigenpräsentation beteiligt sind, können das Risiko für die Entstehung von Autoimmunität erhöhen.

Kürzlich fand man ebenfalls heraus, dass bei Kommunikationsproblemen zwischen der angeborenen und der erworbenen Immunantwort die Differenzierung bestimmter Zellen, insbesondere der Th17-Lymphozyten, begünstigt wird, die in einigen Fällen für Autoimmunerkrankungen verantwortlich sind. Außerdem können Toll-like Rezeptoren, die für die angeborene Erkennung von Pathogenen zuständig sind, in der Entstehung von autoimmunen Prozessen eine Rolle spielen.

Allerdings reichen diese Erkenntnisse nicht aus, Autoimmunität vollständig zu erklären. Daher wurden in den letzten Jahren weitere Hypothesen entwickelt, die defizitäre Schutzfunktionen verschiedener körpereigener Barrieren in den Mittelpunkt rücken.

Durch Barrieren gesteuerter Mechanismus der Toleranz

Der Barrierebegriff bezieht sich auf die Schnittstellenebene zwischen der Außenwelt und dem menschlichen Körper (Haut, Atemwege, Darmschleimhaut usw.). Diese Schnittstellen stehen mit äußeren Elementen in Kontakt und unterscheiden, welche davon vorteilhaft sind und in den Organismus eindringen dürfen (Nährstoffe, Medikamente usw.) und welche davon schädlich sind (Viren, Bakterien, Parasiten) und somit vom Immunsystem bekämpft werden müssen. Diese Barrieren bedingen den Mechanismus der Toleranz.

Wenn die Barriere aus den verschiedensten Gründen diese Funktion nicht optimal erfüllen kann, gerät dieser Mechanismus aus dem Gleichgewicht. Eine verringerte Toleranz begünstigt fehlgesteuerte entzündliche und immunitäre Reaktionen, die sich leicht chronifizieren. Eine chronische Immunantwort wiederum führt dazu, dass das Immunsystem selbstreaktive (vor allem T- und B-) Zellen selektiert.

Autoimmunität kann somit als ein ganz bestimmtes Phänomen erachtet werden, dem eine durch die Fehlfunktion einer Barriere hervorgerufene Entzündung vorausgeht. Dieses Phänomen ist nicht nur an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen beteiligt, sondern auch an der Entwicklung von unterschiedlichen chronischen Erkrankungen wie z.B. Krebs, dem metabolischen Syndrom, usw. Deshalb spielt die Immunmodulation in der Behandlung dieser Erkrankungen eine entscheidende Rolle.

Die Immunmodulation durch den Einsatz von Mikroimmuntherapie oder anderer auf Low-Dose basierender Verfahren, kann entscheidend zur Behandlung dieser Krankheiten beitragen. Das Ziel ist, die Fehlfunktion auszugleichen und die selbstregulativen Fähigkeiten wiederherzustellen.

Erster internationaler Kongress zur Mikroimmuntherapie

Mit diesem Kongress möchten wir sowohl Wissenschaftlern als auch Therapeuten die Gelegenheit bieten, sich untereinander auszutauschen, ein besseres Verständnis des Zusammenhangs zwischen autoimmunen Prozessen und chronischen Krankheiten zu ermöglichen und in der Immunmodulation neue therapeutische Lösungen zu erkennen.

Weitere wichtige Informationen

Der wissenschaftliche Ausschuss von ICoMI 2017 ist international besetzt und setzt sich aus renommierten Experten und Forschern zusammen:

• Prof. Tomohiro Kurosaki (Osaka, Japan): Professor in einem Labor zur Lymphozytendifferenzierung im Forschungszentrum WPI Immunology Frontier, Universität Osaka / Bereichsleiter des Labors zur Lymphozytendifferenzierung im RIKEN-Zentrum für Integrative Medizin, Kanagawa, Japan

• Dr. Jorge Lalucat Jo (Palma de Mallorca, Spanien): Professor für Mikrobiologie im Fachbereich Biologie der Universität der Balearen

• Prof. Kingston Mills (Dublin, Irland): Professor für experimentelle Immunologie der Fakultät für Biochemie und Immunologie, Trinity Biomedical Science Institute am Trinity College Dublin

• Prof. Pablo Pelegrín (Murcia, Spanien): Wissenschaftlicher Direktor und Leiter der Forschungsgruppe Molekulare Entzündungsmedizin am Biomedizinischen Forschungsinstitut IMIB-Arrixaca in Murcia

• Prof. Terez Shea-Donohue (Baltimore, USA): Professorin für Radioonkologie, Medizin und Physiologie an der University of Maryland School of Medicine

• Prof. Kathryn Wood (Oxford, England): Professorin für Immunologie im Fachbereich für Chirurgie am Nuffield College der Universität Oxford

Informationen:

www.icomi2017.org

Bibliographie

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ICoMI 2017 – Call for abstracts

Die Einreichung von Beitragskurzfassungen ist eröffnet.

Wenn Sie als Wissenschaftler oder Arzt über Ihre Arbeit informieren, Ihre Erfahrungen im Bereich der Immunologie und der Immunmodulation weitergeben und sich mit Kollegen aus der ganzen Welt auszutauschen möchten, dann reichen Sie bitte Ihren Abstract in englischer Sprache z.B. zu einer der folgenden Kategorien ein

1 Zellen der angeborenen Immunität

• Dendritische Zellen, Makrophagen, angeborene lymphoide Zellen

2 Zellen der erworbenen Immunität

• B-Lymphozyten

• T-Lymphozyten

• Entwicklung der T-Zellen

• Subtypen der T-Zellen: regulatorische T-Zellen, T-Gedächtniszellen, effektorische T-Zellen

• Autoreaktive T-Zellen

3 Zytokine und Entzündung

• Rezeptoren des angeborenen Immunsystems und Inflammasome

• Transkriptionsfaktoren

• Zytokine

4 Immunität und Bakterien, Viren sowie Tumorzellen

5 Immunologie der Schleimhäute

• Epimmunom

• Mikrobiota

6 Autoimmunität

• Toleranz

• Krankheiten: Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose u.a.

7 Laboranalysen: Bewertung des Immunsystems

• Zytokine als Biomarker

• Lymphozytentypisierung

8 Behandlungen

• Immunmodulation: niedrige Dosierung, Prinzipien, Neues und Zukünftiges

• Therapie mit monoklonalen Antikörpern

• Neue Therapien für Autoimmunkrankheiten (Mikroimmuntherapie…)

9 Immunologie in der Arztpraxis

• Klinische Fälle

Informationen zu den Leitlinien für die Verfassung des Abstracts sowie weitere Details zur Abgabe finden Sie auf der Website des Kongresses:

http://icomi2017.org/call-for-abstracts/

Die Anmeldungen mit Frühbucherrabatt ist ab sofort möglich.

Melden Sie sich jetzt als Teilnehmer des 1. Internationalen Kongresses für Mikroimmuntherapie an und profitieren Sie von reduzierten Tarifen. Diese Frühbuchertarife enden am 30. November 2016. Weitere Informationen zu Tarifen und der Anmeldung entnehmen Sie bitte der Website des Kongresses:

http://icomi2017.org/registration/

Pascal Mensah , komplementärmedizin 2/2016

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