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Dr. Ursula Bubendorfer Ärztin für Allgemeinmedizin, Kinderärztin
 
Komplementärmedizin 15. März 2016

Mikroimmuntherapie

Welche Vorteile hat diese Behandlungsmethode? Bei welchen Indikationen kommt sie zum Einsatz?

Die Mikroimmuntherapie ist ein Behandlungsansatz der Komplementärmedizin, der die Wiederherstellung bzw. Erhaltung der immunitären Regulations- und Adaptationsfähigkeit zum Ziel hat. Sie wurde durch den belgischen Arzt Dr. Maurice Jenaer begründet, der die Idee hatte, seinen Krebspatienten Nukleinsäuren in hoch verdünnter Form zu verabreichen. Die positiven Ergebnisse ermutigten ihn, diese Zubereitungsform für die in der Immunologie nach und nach entdeckten und synthetisierten Zytokine anzuwenden.

So entstand die Mikroimmuntherapie, die heutzutage fester Bestandteil der therapeutischen Strategie zahlreicher Ärzte und Therapeuten aus Europa ist. Wir trafen Dr. Ursula Bubendorfer, Präsidentin der Medizinischen Gesellschaft für Mikroimmuntherapie, zum Interview.

Wodurch zeichnet sich die Mikroimmuntherapie gegenüber anderen Behandlungsformen aus?

Bubendorfer: Das Besondere an diesem therapeutischen Ansatz ist, dass synthetisch hergestellte immunkompetente Botenstoffe (Zytokine, Wachstumsfaktoren, Nukleinsäuren) zum Einsatz kommen, die jedoch nicht in hohen Dosen, sondern in sogenannten Mikrodosen („low dose“) verabreicht werden. Dadurch wird ihre Unschädlichkeit garantiert. Außerdem werden die eingesetzten Wirkstoffe in unterschiedlichen Verdünnungsstufen nach dem Prinzip von Arndt-Schulz angewendet.

Entscheidend ist dabei, ob es bei einer determinierten Erkrankung notwendig ist, die physiologische Wirkung eines Wirkstoffs zu stimulieren, modulieren oder hemmen. Auf diese Weise werden dem Immunsystem gezielt Informationen „in seiner eigenen Sprache“ vermittelt, um dessen natürliche Reaktionsabläufe zu regulieren, ohne es zu ersetzen oder dem Organismus zu schaden.

Eine weitere Besonderheit der Mikroimmuntherapie ist die sequentielle Ausrichtung der Behandlung. Die einzelnen Wirkstoffe werden nicht alle auf einmal, sondern in zeitlich abgestufter Form eingenommen, um die physiologische Immunantwort, die kaskadenartig abläuft, nachzuahmen.

Bei welchen Erkrankungen kommt die Mikroimmuntherapie zum Einsatz?

Bubendorfer: Die Mikroimmuntherapie kann bei einer Vielzahl von Erkrankungen angewendet werden, denen eine Fehlfunktion des Immunsystems zugrunde liegt. In meiner Praxis kommt sie hauptsächlich bei Patienten mit chronischen Erkrankungen wie rezidivierenden Infektionen, Allergien, Autoimmunerkrankungen, etc. zum Einsatz. Das Ziel ist, das Reaktionsverhalten des Immunsystems positiv zu beeinflussen. Sie kann auch als Ergänzung zu konventionellen Krebstherapien eingesetzt werden, um der mit diesen Behandlungen einhergehenden Schwächung des Immunsystems entgegenzuwirken und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Gibt es eine Altersbeschränkung für die Behandlung mit der Mikroimmuntherapie?

Bubendorfer: Diese Therapieform ist durch die Anwendung der Wirkstoffe in Mikrodosen („low dose“) sehr gut verträglich und kann somit prinzipiell bei Patienten aller Altersgruppen eingesetzt werden. Als Kinderärztin stellt das für mich einen wichtigen Vorteil dar, da ich u.a. bei wiederkehrenden Infekten die Leistungsfähigkeit des Immunsystems meiner kleinen Patienten durch die Mikroimmuntherapie sanft unterstützen kann.

Wie kann man sich als interessierter Arzt oder Therapeut über die Mikroimmuntherapie näher informieren?

Bubendorfer: Die Medizinische Gesellschaft für Mikroimmuntherapie stellt Interessenten Informationsmaterial über diesen Behandlungsansatz zur Verfügung. Daneben bietet Sie Ärzten und Therapeuten die Möglichkeit, sich in diesem Bereich auszubilden, um eine angemessene Anwendung dieser Therapie zu gewährleisten.

Denken Sie, dass es sich bei der Mikroimmuntherapie um ein Verfahren mit Zukunft handelt?

Bubendorfer: Für mich ist die Mikroimmuntherapie ein zukunftsweisendes Therapieverfahren mit langer Tradition. Sie wird seit mehr als 20 Jahren von Ärzten und Therapeuten aus unterschiedlichen europäischen Ländern erfolgreich angewendet und ich bin fest davon überzeugt, dass sie zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Heutzutage weiß man, dass ungefähr 90 Prozent der Erkrankungen in direkter oder indirekter Weise mit immunitären Störungen in Verbindung stehen. Somit stellen immunmodulatorische Verfahren einen wichtigen Baustein in der erfolgreichen und nachhaltigen Behandlung dieser Pathologien dar.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ursula Bubendorfer, komplementärmedizin 1/2016

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