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Kinder- und Jugendheilkunde 1. September 2016

Wenn einer eine Reise tut……….

Die reisemedizinische Beratung  ist  eine  hervorragende  Gelegenheit   zur Impfberatung. Diese Beratung sollte  individuell  auf  den  Reisenden,  Reiseziel,  -art  und  -dauer  abgestimmt   sein  und  mögliche  Akzeptanzprobleme  berücksichtigen.  Impfungen  werden zu Recht als eine der effektivsten  Maßnahmen  bezeichnet,  die  die  Medizin  zur  Verfügung  hat.  Angesichts   der weltweiten Erkrankungszahlen an impfpräventablen  Krankheiten  ist  es   unverständlich und auch tragisch, dass  die  Durchimpfungsraten  in  Deutschland in vielen Fällen immer noch unter  dem wünschenswerten Niveau liegen.

Was gibt es Neues?
Bei  den  Reiseimpfungen  ist  zu  unterscheiden  zwischen  Pflichtimpfungen,   die  zur  Einreise  in  einzelnen  Ländern  vorgeschrieben  sind,  Standardimpfungen,  die  generell  allen  Reisenden   empfohlen  werden,  und  Indikationsimpfungen,  die  in  besonderen  Situationen  angezeigt  sind.  Die  Indikation   für reisemedizinische Impfungen ist in  hohem  Maße  auch  der  epidemiologischen  Dynamik  einzelner  Erkrankungen  unterworfen.  Mit  der  globalen   Zunahme  an  Zahl,  Ausbreitung  und  Inzidenzen von Infektionskrankheiten  ist der Bedarf an neuen Impfstoffen in  den  letzten  Jahren  erheblich  gestiegen.  Zudem  sind  zahlreiche  neu  eingeführte oder vor der Einführung stehende Impfstoffe, die nicht primär für  die  Reisemedizin  entwickelt  worden   sind,  auch  im  Rahmen  der  Beratung   vor Auslandsreisen interessant.

Orale Cholera-Impfung
Ein Beispiel hierfür ist der bereits seit  Längerem  zugelassene  orale  Impfstoff  gegen  Cholera.  Im  Gegensatz   zum zuvor verfügbaren parenteralen  Impfstoff  zeigt  dieser  gegen  Cholera   eine  gute  protektive  Effektivität,  bei   minimaler  Nebenwirkungsrate.  Über   die  in  Deutschland  auf  die  Impfung   gegen Cholera eingeschränkte Zulassung  hinaus  bietet  der  Impfstoff  einen  zusätzlichen  Schutz  gegen  das   hitzelabile  Toxin  von  enterotoxigenen  E.  coli  (ETEC).  Die  Indikation  für   eine ETEC-Reisediarrhöe-Impfung besteht bei Reisenden, die in hochendemische Gebiete reisen und das Risiko  für  Durchfall  reduzieren  wollen.  Hier   zeigen sich sehr gute klinische Erfolge  bei der Durchfallprävention.

Meningokokken-Impfungen
Seit 2012 ist in Deutschland eine zweite  konjugierte,  tetravalente  Vakzine   gegen  Meningokokken-  Meningitis   verfügbar.  Die  Zulassung  der  neuen   Impfung  gegen  Meningokokken  Typ   B ist ebenfalls erfolgt. Sie ist seit Ende  2013 verfügbar. Diese Impfungen bedeuten  einen  echten  Durchbruch  in   der  Bekämpfung  der  Meningokokken-Meningitis  und  werden  zukünftig einen erheblichen Stellenwert bei  der  Immunisierung  von  Kindern  und   Jugendlichen haben.

Pneumokokken-Impfung
Eine  wichtige  Änderung  für  die  Beratung  älterer  und  chronisch  kranker  Reisender  hat  die  Zulassung  der   13-valenten Konjugatimpfung gegen  Pneumokokken  für  alle  Altersgruppen gebracht.  

Schnell-Immunisierung  
Eine  deutliche  Erleichterung  bei  der   Impfung  gegen  Tollwut  und  japanische  Enzephalitis  bieten  Daten  zur  Schnellimmunisierung,  die  2014  publiziert wurden und nun bereits zum  Teil zur Zulassungsänderung geführt  haben. Diese erleichtern die Immunisierung  vieler  Reisender,  die  oft  mit   zu kurzem Abstand zur Abreise in die  Sprechstunde  kommen,  sodass  das   konventionelle Impfschema nicht angewendet werden kann.  

Und was kommt?
Erste Impfstoffe gegen Dengue Fieber  und  gegen  Malaria  sind  zugelassen;   jedoch sind diese in der Reisemedizin  vorerst nicht sinnvoll einsetzbar. Eine  beachtliche  weitere  Zahl  von  Impfstoffen  befindet  sich  derzeit  in  der   Entwicklung beziehungsweise bereits in der klinischen Prüfung. Jedoch sind  die Aussichten auf Marktreife sehr unterschiedlich zu beurteilen. Die intensive  Arbeit  an  einem  Impfstoff  gegen  Dengue-Viren  wird  fortgesetzt,   ebenso  wird  an  Impfstoffen  gegen   Chikungunya,  Ebola  und  Noroviren   gearbeitet. Zusätzlich sind einige nosokomiale Keime im Visier, wie Pseudomonas und Clostridium difficile.  

Fazit
Insgesamt  sind  in  den  nächsten  Jahren   zahlreiche   Neuentwicklungen    und Zulassungen von Impfstoffen zu  erwarten,  die  in  vielen  Fällen  überwiegend  auch  in  der  reisemedizinischen Beratung relevant sein werden  

Quelle: Pressekonferenz des CRM Centrum für Reisemedizin anlässlich des 17. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen  der ITB, März 2016, Berlin

Referat: Professor Dr.  med. Tomas Jelinek,  Wissenschaftlicher  Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin,  Düsseldorf

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