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Kinder- und Jugendheilkunde 15. September 2015

Stillhürden überwinden, Stillquote heben

Umfrage zeigt: Warum Frauen das Stillen frühzeitig beenden

Die Empfehlung, Säuglinge in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich zu stillen, wird von einem  Großteil der Frauen nicht erreicht. Neueste Daten zeigen, dass bereits jede 4. Frau innerhalb der ersten drei  Monate wieder abstillt. Stillprobleme wie  Brustentzündung sind häufig genannte Gründe für den frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung, obwohl sie behandelbar wären. Eine neue alternative Therapiemöglichkeit  soll Mütter motivieren, die Stillzeit zu verlängern. Kompetente Betreuung in der Geburtsklinik, Nachsorge  durch eine Hebamme und ein positives Erleben des Stillens können die Stillrate erhöhen.  

Ausschließliches Stillen in den ersten  vier bis sechs Lebensmonaten wird  von allen Experten uneingeschränkt  empfohlen, denn Muttermilch ist die  beste Form der Ernährung für Säuglinge. Neueste Zahlen zum Stillverhalten zeigt eine aktuelle Marktforschungsstudie von meinungsraum.at,  die 400 Mütter in ganz Österreich im  Juni 2015 befragte [1]. Waren es im  Jahr 2006 laut Österreichischer Stillstudie [2] noch 93 % der Mütter, die  jemals gestillt haben, geben heute  nur noch 87 % der Mütter an, ihr Kind  gestillt zu haben bzw. gerade zu stillen. Es zeigt sich auch, dass Stillen eng  mit dem Bildungsgrad verknüpft ist:  7 % der Mütter mit Matura aber 22 %  der Mütter ohne Matura haben nie  gestillt (Durchschnitt 13 %).

Stilldauer ist verbesserungswürdig

Entgegen allen Expertenempfehlungen stillen Österreichs Frauen generell zu kurz. 25 % der Frauen beenden das Stillen laut Marktforschung  vorzeitig nach 1–3 Monaten (siehe  Abb.  1 ). Diese Zahlen sind sehr  ähnlich zu jenen der prospektiven,  longitudinalen, multizentrischen Kohortenstudie „FreiStill“ aus Deutschland (Universität Freiburg) [3]. Diese  Arbeit von Dr. Regina Rasenack, Oberärztin an der Klinik für Frauenheilkunde an der Universität Freiburg, wurde  2015 mit dem Praxispreis des Nutricia  Forum für Muttermilchforschung ausgezeichnet. In der „FreiStill“-Studie  zeigte sich, dass nach 3 Monaten nur  mehr 74 % der Mütter und nach 6  Monaten nur mehr 61 % stillen. Ältere Mütter (≥ 35 Jahre) stillen deutlich häufiger länger als ein halbes Jahr. All diese Daten zeigen, dass besonders junge Mütter aus bildungsfernen  Bereichen intensiver betreut werden müssen, um die Stillquote zu erhöhen.

Abb1_Stillen

Abb. 1: Stillhäufigkeit und -dauer
(c) Quelle: Online Umfrage unter Müttern von Kindern bis zum 3. Lebensjahr (meinungsraum.at), Juni 2015
 

Gründe für frühzeitiges Abstillen  sind mannigfaltig

Angesichts der verbesserungswürdigen Stilldauer, gilt es zu hinterfragen,  welche Stillbarrieren die Mutter zum  frühzeitigen Abstillen bringen. Jede 4.  Mutter gibt in der aktuellen Umfrage  als Hauptgrund für das Abstillen an,  nicht (mehr) ausreichend Milch für ihr  Baby zu haben. Ein ähnliches Ergebnis bringt auch die „FreiStill“-Studie. Andere Gründe sind Schmerzen beim  Stillen, Erschöpfung, Einschränkung des Lebensstils sowie die Einführung  von Beikost. Wobei letzteres im Sinne einer langfristigen Allergieprävention kein Grund zum Abstillen sein sollte. Hier gilt es, die Mütter entsprechend  zu informieren. 

Entzündliche Brusterkrankungen als Stillhürde

Milchstau, Brustentzündung oder  wunde Brustwarzen sind häufig genannte Gründe für den frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung [4]. Laut  der aktuellen Umfrage sind Brustentzündungen für jede 10. Stillende in  Österreich mit ein Grund, das Stillen zu beenden.  Die Deutsche Stillkommission hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie  und Geburtshilfe (DGGG) bereits im Februar 2013 die evidenz- und konsensbasierte  S3-Leitlinie „Therapie  entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“ [5] herausgebracht.  Darin finden sich Handlungsempfehlungen, die eine optimale Betreuung von Stillenden mit wunden Brustwarzen, verstärkter initialer Brustdrüsenschwellung, Milchstau oder Mastitis  puerperalis ermöglichen.

Spezielles Probiotikum kann die Behandlung von bakteriell bedingten Brustbeschwerden unterstützen

Bei bakteriell bedingten Brustbeschwerden steht nun eine neue,  ergänzende Behandlung zur Verfügung: Der probiotische Keim Lactobacillus (L.) salivarius, der natürlicher Weise auch in der Muttermilch  vorkommt, unterstützt nachweislich das mikrobielle Gleichgewicht  der Muttermilch. Wissenschaftliche  Studien belegen, dass bakteriell  bedingte Brustbeschwerden (z. B. Mastitis in Folge von Milchstau)  durch die orale Aufnahme von L. salivarius als diätetische Intervention, nebenwirkungsfrei verbessert werden können [6]. Idealerweise  wird die Einnahme bereits bei ersten  Anzeichen von bakteriell bedingten Brustbeschwerden begonnen. Somit könnte dieser Behandlungsweg Frauen dazu motivieren, die  Stillzeit weiter zu verlängern.

Kasten Muttermilch

Literatur

1. Online Umfrage unter Müttern von Kindern  bis zum 3. Lebensjahr (meinungsraum.at),  im Auftrag von Milupa, Juni 2015

2. Bundesministerium für Gesundheit  „Säuglingsernährung heute“ (abrufbar unter http://www.bmgfj.gv.at)

3. Rasenack R et al (2012) Einflussfaktoren auf  die Stilldauer im Freiburger Geburtenkollektiv (FreiStill). Geburtsh Frauenheilk 72:1–7  (https://www.thieme-connect.com/media/ gebfra/201201/supmat/gf415sup_10- 1055-s-0031-1280470.pdf )

4. Nutricia Forum für Muttermilchforschung:  Befragung von 1700 schwangeren und stillenden Frauen aus Deutschland, Österreich  und der Schweiz (2013)

5. S3-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“ (abrufbar unter http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ ll/015-071.html)

6. Arroyo R et al (2010) Treatment of infectious  mastitis during lactation: antibiotics versus  oral administration of lactobacilli isolated  from breast milk. CID 50:1551–1558

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