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Österreichischer Impftag 2015: Vergessene Krankheiten kommen zurück

Was sind die Ursachen der Impfmüdigkeit, und was können wir dagegen tun? 

Experten warnen vor einer zunehmenden Impfmüdigkeit in der österreichischen Gesellschaft. Durch  die nachlassende Impfdisziplin in  der Bevölkerung kehren Krankheiten  vermehrt zurück, die bereits als besiegt oder eliminiert galten. Das betrifft nicht nur Kinder, sondern auch  Erwachsene. „Seit einigen Jahren  messen wir einen kontinuierlichen  Anstieg von Krankheiten wie Masern  oder Keuchhusten“, sagte Ursula Wiedermann-Schmidt, wissenschaftliche  Leiterin des Österreichischen Impftages und Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien, im Jänner bei  einer Pressekonferenz in Wien.  Der Impftag 2015, der am 17.  Jänner unter dem Motto „Vom Wissen zum Handeln“ in der Aula der  Wissenschaften in Wien stattfand,  bot Gelegenheit, die wichtigen  Themen Impfmüdigkeit und Angst  vor Nebenwirkungen mit Experten aus dem europäischen Ausland  zu diskutieren und Argumente zu  finden, die der wachsenden Impfskepsis entgegenwirken. Darüber  hinaus werden die Neuerungen des  Österreichischen Impfplans vorgestellt und aktuelle Entwicklungen  am Impfstoffsektor präsentiert, wie  z. B. die Meningokokken-B-Impfung  oder der nasale Influenzaimpfstoff.  Gleichzeitig präsentierte die Österreichische Apothekerkammer im Rahmen der Pressekonferenz das neue  Modul „Impfungen“ der Apo-App,  das ebenfalls dazu beitragen soll, die  Durchimpfungsrate zu steigern.  

Wer sich impfen lässt, schützt doppelt: sich selbst und andere

Die verharmlosend als Kinderkrankheit geltenden Masern zum Beispiel  sind hochansteckend und können  nicht nur bei Kindern zu schweren  Krankheitsverläufen führen. „Die Erfolge der Impfprogramme der letzten  Jahrzehnte haben Krankheiten wie  Masern als Gefahr aus den Köpfen  ausblenden lassen“, beschreibt Ursula  Wiedermann-Schmidt die Situation,  „viele Menschen fürchten sich heute  mehr vor möglichen Nebenwirkungen der Impfungen als vor den Krankheiten selbst.“  Die Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin  der MedUni Wien setzt auf Information: „Übertriebene Ängste vor Impfungen oder Inhaltsstoffen wie Aluminium führen dazu, dass sich Menschen  einem noch viel größeren Risiko aussetzen. Es liegt an der Forschung, vermehrte Evidenz zur Wirksamkeit von  Impfkonzepten zu liefern, aber auch  an der Ärzte- und Apothekerschaft  und dem Gesundheitspersonal selbst,  hier für verbesserte Aufklärung zu  sorgen – daher werden am Impftag  auch Argumente gegen die häufigsten „Impfmythen“ geliefert. Unser  Ziel sind bessere Impfraten, denn wer  sich impfen lässt, schützt doppelt:  sich selbst und andere“, sagte Wiedermann-Schmidt.  

Immunologische „Trittbrettfahrer"

„Immer mehr Menschen lehnen Impfungen auch deshalb ab, weil ohnehin ‚die anderen‘ geimpft sind“, warnt  Rudolf Schmitzberger, Impfreferent  der Österreichischen Ärztekammer.  Es gehöre zu den ärztlichen Pflichten,  für einen ausreichenden Impfschutz  und umfassende sachliche Information zur sorgen. Das schließe einen  Appell an das Verantwortungsbewusstsein nicht aus: „Immunologische Trittbrettfahrer setzen nicht nur  ihre eigene Gesundheit aufs Spiel,  sondern auch die anderer, meist  Schwächerer.“ So gehe eine hohe  Prozentzahl an Keuchhusten- und  Pneumokokken-Fällen bei Säuglingen auf die Ansteckung durch Erwachsene zurück. Mit Influenza wiederum würden sich meist Schul- oder  Kindergartenkinder infizieren und  die Erkrankung dann auf Eltern und  Großeltern übertragen. „Mit dem Gratis-Kinderimpfprogramm und einer  Vielzahl an Impfmöglichkeiten – von  der Schule über die Arztpraxen bis  hin zum öffentlichen Bereich – gibt es  in Österreich ein hervorragendes Angebot, das genutzt werden sollte“, so  Schmitzberger.  

Apo-App: Impfdokumentation

Impfungen zählen zu den effektivsten und kostengünstigsten  Vorsorgemaßnahmen im Gesundheitsbereich, trotzdem muss die  Bevölkerung weiter aktiv informiert  werden. Durch den niederschwelligen Zugang sind die 1.350 Apotheken in Österreich prädestinierte  Kommunikatoren zum Thema Impfen. „Unsere zahlreichen Aufklärungs- und Impfaktionen tragen  dazu bei, das Impfbewusstsein der  Bevölkerung zu stärken“, so Christian  Müller-Uri, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.  Verbesserungspotenzial sieht  die Apothekerkammer bei der Impfdokumentation. Aus diesem Grund  wurde die Apo-App, die bereits mehr  als 300.000 Downloads hat, jetzt um  das Modul „Impfungen“ erweitert.  Jeder User kann seit heute seine persönlichen Impfdaten elektronisch  dokumentieren, ohne seine Daten  im Netz bekanntgeben zu müssen.  Alle Impfungen sind in der Apo-App  erklärt, alle Impfstoffe hinterlegt.  Dabei wird auf die Einfachheit und  Benutzerfreundlichkeit besonderer  Wert gelegt.  

Größte, richtungsweisende  Impf-Veranstaltung

Der Österreichische Impftag, heuer  unter dem Motto „Impfen: Vom Wissen zum Handeln“, ist die größte, richtungsweisende Impfveranstaltung  für Ärzte und Apotheker in Österreich  und wird von der Österreichischen  Akademie der Ärzte GmbH in Kooperation mit Medizinische Universität  Wien, Österreichische Ärztekammer,  Österreichische Apothekerkammer,  Österreichische Gesellschaft für Kinder- Jugendheilkunde und Österreichische Liga für Präventivmedizin  veranstaltet.

Quelle: Pressekonferenz zum Österreichischen Impftag, 15.1.2015 Informationen: www.arzt­-akademie.at/iteratur

Literatur:

1. Thompson M et al (2006) Clinical recognition of meningococcal disease in children and adolescents. Lancet 367; 9508:397–403
2. Read R et al (2014) Effect of a quadrivalent  meningococcal ACWY glycoconjugate or a serogroup B meningococcal vaccine on meningococcal carriage: an observer-blind, phase 3 randomised clinical trial. Lancet 384,
9960, 13–19:2123–2131
3. Institut national de santé publique du Québec, Initial Dose of a ulticomponent Serogroup B Meningococcal Vaccine in the Saguenay – Lac St. Jean Region, Québec, Canada: An Interim Safety Surveillance Report,
July 2014
4. Rappuoli R., ÖGKJ Jahrestagung, Wien 2014

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