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Kinder- und Jugendheilkunde 9. Februar 2015

Endlich gibt es eine Impfung gegen Meningokokken B!

Erfahrungsbericht eines Tiroler Pädiaters zu BEXSERO® 

Der Kinderfacharzt Dr. Gerhard Grässl aus Hall setzt den neuen Meningokokken B-Impfstoff BEXSERO bereits seit der Markteinführung ein. In den ersten acht Monaten (von März bis Oktober 2014) hat er damit einen beachtlichen Beitrag zu den über 2.000 Dosen geleistet, die seither von den Tiroler Pädiatern verimpft worden sind. In einem Interview berichtet er über seine Praxiserfahrungen mit BEXSERO.

Pädiatrie & Pädologie: Was bedeutet für Sie die Meningokokken B-Impfung?
Grässl: Meiner Überzeugung nach gehören Impfungen zu den effektivsten Vorsorgemaßnahmen in der Medizin, sogar mein Dissertationsthema widmete ich der Immunologie. In meiner Praxis haben Impfungen daher einen hohen Stellenwert. Dass es jetzt zusätzlich zu den Impfungen gegen Meningokokken ACWY auch endlich eine gegen die Serogruppe B gibt, ist ein gigantischer Fortschritt. Damit haben wir jetzt die Möglichkeit, Meningokokken-Erkrankungen drastisch zu reduzieren, denn die Gruppe B ist in Österreich für 60 bis 70 Prozent der Fälle verantwortlich. Daher habe ich gleich ab Verfügbarkeit von Bexsero begonnen, meine Patienten gegen Meningokokken B zu impfen. Dass dieser geniale Impfstoff zu drei Vierteln in Tirol hergestellt wird, ist zwar nicht der Grund meines Engagements, freut mich aber unheimlich für unsere Volkswirtschaft.

Bei welchen Altersgruppen setzen Sie BEXSERO ein?
Zu Beginn habe ich ab dem Alter von einem Jahr geimpft. Seit Juni 2014 impfe ich gemäß der zu diesem Zeitpunkt herausgegebenen Empfehlung des Österreichischen Impfplans alle ab dem Alter von zwei Monaten, inkl. Risikogruppen (z.B. Immundefiziente).

Wie integrieren Sie BEXSERO in den Säuglings-Impfkalender?
Beim Impftermin mit zwei Monaten kombiniere ich Bexsero mit dem Schluckimpfstoff gegen Rotaviren, mit drei Monaten verabreiche ich die Sechsfach-, Pneumokokken- und 2. Rotavirus-Impfung gleichzeitig, mit vier Monaten impfe ich wieder Bexsero kombiniert mit der Schluckimpfung. Dann folgt mit fünf Monaten noch einmal die Sechsfach- und Pneumokokken-Impfung und mit sechs Monaten die 3. Dosis Bexsero. Da die ersten sechs Lebensmonate die höchste Meningokokken B-Inzidenz aufweisen, ist der frühe Impfbeginn mit zwei Monaten zu bevorzugen. Bei einem späteren Beginn ab dem sechsten Monat impfe ich nach dem Schema 2+1.

Wie gehen Sie vor, um den Eltern bzw. Patienten BEXSERO zu empfehlen?
Ich informiere alle Eltern bzw. Patienten über die Erkrankung und ihre möglichen Folgen. Es ist mir wichtig, mir viel Zeit für das Aufklärungsgespräch zu nehmen. Wir nutzen jeden Patientenkontakt, um über Impfungen zu sprechen und den Impfpass zu überprüfen; selbst den Text unserer Telefon-Warteschleife nutzen wir für abwechselnde Impfaufrufe. Im Praxisalltag ist jede Gelegenheit integriert, auf Bexsero aufmerksam zu machen. Zuerst spricht meine Ordinationshilfe die Eltern bzw. Patienten an und gibt kurze allgemeine Informationen; daran knüpfe ich an, gehe mehr ins Detail und beantworte jede Frage.

Was sind die häufigsten Fragen der Eltern bzw. Patienten?
Die häufigsten Fragen sind, wie viel Erfahrung ich mit Bexsero habe, wie viel es kostet und welche Nebenwirkungen und Langzeitfolgen es gibt. Bei der Frage nach den Erfahrungen füge ich meist hinzu, dass ich meine eigenen drei Kinder im Alter zwischen 8 und 21 Jahren selbstverständlich auch mit Bexsero geimpft habe. Interessant ist auch der gegenseitige Austausch der Eltern im Wartezimmer, der bei Erstimpfung viele Ängste nimmt. Bei der Frage nach den Kosten ist oft die kleine Anregung hilfreich, dass Oma und Opa vielleicht einmal eine Impfung schenken könnten, statt ihre Enkeln ständig mit Spielzeug oder Süßigkeiten zu verwöhnen.

Wie reagieren die Eltern/Patienten auf Ihre Empfehlung zur Meningokokken B-Impfung?
Sehr gut! Ehrlich gesagt, hatte ich nicht erwartet, dass die Meningokokken B- Impfung so gut angenommen wird. Bei denjenigen, die bereits eine Impfung gegen Meningokokken C bekommen haben, ist die Akzeptanz rasch da – ihnen auch zur Meningokokken B-Impfung zu raten, ist für sie einleuchtend. Bei Babys ist es anders, weil eine zusätzliche Impfserie zum ohnehin schon umfangreichen Impfkalender die Eltern zunächst abschreckt. Wenn man sich Zeit für das Gespräch nimmt und Bexsero erklärt, entscheiden sich die meisten für die Meningokokken B-Impfung.

Welche Hürden gibt es, und wie überwinden Sie diese?
Ein logisches Manko ist die kurze Erfahrungszeit – es ist schließlich eine neue Impfung. Viele Eltern sind darüber besorgt, ebenso über etwaige Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Daherist mir eine ausführliche Aufklärung so wichtig. Eine sehr gute Möglichkeit, die Bewusstseinsbildung über Meningokokken-Erkrankungen zu forcieren, bieten die regelmäßigen Untersuchungstermine des Mutter-Kind-Passes, bei denen wir auch jeden Impfpass checken und auf Bexsero aufmerksam machen können. Dasselbe tun wir aber auch, wenn Patienten wegen Halsweh oder anderer Beschwerden zu uns kommen. Wir haben von all unseren Patienten den aktuellen Impfstatus im Computer, sodass wir sie sofort auf eine Impflücke ansprechen können. Weiters haben wir in jedem Raum ein schwarzes Brett, an dem wir neue Informationen für Eltern/Patienten anbringen. Dort haben wir auch Meningokokken- Poster von Anne Geddes* angebracht und mit Kommentaren versehen, um einen ersten Eindruck über die Erkrankung zu vermitteln. Das funktioniert gut.“

Glauben die Eltern Ihrer Ansicht nach, dass ihre Kinder gegen Meningokokken bereits durch andere Impfungen geschützt sind?
Ja, hier gibt es einige Missverständnisse. Viele denken, dass ihre Kinder nach der Meningokokkken C-Impfung keine Meningokokken-Erkrankung bekommen können. Man muss ihnen erklären, dass es verschiedene Bakterienstämme gibt. Ich impfe neben Meningokokkken B auf jeden Fall weiterhin gegen andere Serogruppen. Haben Sie Verbesserungsvorschläge für das Produkt selbst? Ja, aber nur einen sehr kleinen: Novartis sollte die runde Form der Spritze verändern und sie flach machen, damit sie nicht vom Tisch herunter rollt.

Welche Wünsche haben Sie bzgl. der Meningokokken B-Impfung für die Zukunft?
Es wäre sehr schön, wenn Bexsero bald ins Gratis-Kinderimpfprogramm aufgenommen wird. Daran denke ich besonders dann, wenn eine Mutter mit drei oder vier Kindern vor mir sitzt. Mehr Aufklärung und Bewusstseinsbildung über die fürchterliche Meningokokken-Erkrankung und die Impfmöglichkeit dagegen würde ich mir auch wünschen, etwa Experten-Interviews in Zeitungen oder im Radio/Fernsehen. Natürlich ist das bei Arzneimitteln relativ schwierig. Aber wenn ich z.B. Medienberichte über einen Meningokokken-Todesfall erwähne, erinnern sich die Eltern zwar daran, können aber den Zusammenhang zum Impfen nicht herstellen.“

*Anm. der Redaktion: Diese Poster wurden im Rahmen der internationalen Awareness-Kampagne über die Meningokokken-Erkrankung von Novartis in Auftrag gegeben und zeigen Überlebende dieser folgenschweren Erkrankung.

Mit freundlicher Unterstützung von Novartis Pharma GmbH

 

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