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Kinder- und Jugendheilkunde 28. Februar 2014

Mehr Vielfalt auf Babys Speiseplan

Möglicherweise ist zur Allergieprävention ein verzögertes Einführen fester Nahrungsmittel nicht ideal.

Für mehr Vielfalt auf dem Speiseplan schon im ersten Lebensjahr plädieren Forscher aus Finnland. In ihrer Studie erkrankten Kinder, die schon ab dem sechsten Monat mehr als acht Sorten Nahrungsmittel bekommen hatten, seltener an Asthma und allergischer Rhinitis.

Die Ernährung trägt im Babyalter maßgeblich zum Aufbau einer gesunden Darmflora bei. Wie Ergebnisse aus mehreren Studien nahegelegt haben, scheint die Auseinandersetzung mit Nahrungsmittelantigenen ein wichtiger Faktor für die Reifung des kindlichen Immunsystems zu sein. Wer versucht, durch verzögertes Einführen fester Nahrungsmittel Allergien gegenzusteuern, tut daher möglicherweise gerade das Falsche.

Vor diesem Hintergrund haben finnische Wissenschaftler nun den Effekt unterschiedlicher Ernährungsstrategien auf die Entwicklung von Asthma und Allergien bei Babys im Alter von bis zu einem Jahr untersucht. Das Ergebnis: Kinder, bei denen nach sechs Monaten weniger als fünf verschiedene Nahrungsmittel auf dem Speiseplan standen, erkrankten bis zum Alter von fünf Jahren mehr als doppelt so häufig an einer allergischen Rhinitis wie Gleichaltrige, die mit einem halben Jahr schon mindestens neun Sorten Lebensmittel gegessen hatten (J Allerg Clin Immunol 2014; online 27. Jänner). Bei Einjährigen hatte eine bis dato restriktive Ernährung noch deutlichere Folgen: Bei weniger als acht Nahrungsmittelsorten (im Vergleich zu mindestens zwölf) stieg nicht nur die Rate der allergischen Rhinitiden, sondern auch die von Wheezing-Symptomen und atopischem Asthma.

Teilgenommen haben 3.142 Kinder aus der „Finnish Type I Diabetes Prediction and Prevention (DIPP) Study“, einer der größten prospektiven Bevölkerungsstudien in Finnland, die Daten zur Ernährung bei Kleinkindern liefert. Alle Teilnehmer weisen eine genetische Disposition für Typ-1-Diabetes auf, die auf dem HLA-System (humanes Leukozytenantigen) verankert ist. Eine Verzerrung der Ergebnisse ist dadurch möglich, schreiben die Autoren um Bright I. Nwaru von der Universität Tampere; dagegen spreche jedoch, dass die Inzidenzen für allergische Rhinitis beziehungsweise Asthma mit denen der altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung vergleichbar sind (14 bzw. 6 %).

Diversität der Nahrung

Vor dem sechsten Lebensmonat scheint es sinnvoll zu sein, einzelne Nahrungsbestandteile nacheinander einzuführen, so die Forscher; dies bestätigen auch die Ergebnisse dieser Studie, in der eine geringere Zahl fester Lebensmittel (ein bis zwei) im Alter von vier Monaten zumindest tendenziell mit niedrigeren Asthmaraten verknüpft war. Ab sechs Monaten gewinnt aus Sicht der Autoren jedoch die Diversität der Nahrung zunehmend an Gewicht.

Der Schutz vor Asthma und allergischer Rhinitis geht dabei nicht auf Kosten einer erhöhten Rate allergischer Hauterscheinungen, betonen Nwaru und Kollegen. Deren Häufigkeit blieb in der Studie trotz zunehmender Zahl der Nahrungsmittelsorten etwa gleich. Die Ergebnisse waren auch nicht dadurch beeinflusst, ob die Kinder gestillt wurden oder nicht. Kuhmilch hatte die Mehrzahl der Kinder (63 %) schon vor dem dritten Monat erhalten.

An festen Nahrungsmitteln wurden zwischen dem vierten und sechsten Monat bei den meisten Kindern Fleisch (85 %) sowie verschiedene Getreide (Weizen, Hafer oder Roggen, insgesamt bei 81 %) eingeführt. Mit Fisch und Eiern hatten die Eltern zumeist über ein halbes Jahr gewartet (bei 54 bzw. 73 %).

Was die Autoren nicht ausschließen können, ist eine umgekehrte Kausalität, nämlich dass Eltern bei bereits vorliegenden Atopien ihrer Kinder oder bei entsprechender Belastung in der Familie zurückhaltender mit neuen Lebensmitteln sind. Speziell bei den Babys zwischen sechs und zwölf Monaten, die bereits an einem atopischen Ekzem litten, war weniger Vielfalt mit einer höheren Rate an Asthma und allergischer Rhinitis verbunden. Das entsprechende galt für Kinder, deren Eltern Allergiker waren.

Letztlich gehen die Autoren davon aus, dass die Exposition gegenüber unterschiedlichen Nahrungsmittelantigenen die Toleranz des Immunsystems erhöht. Dabei, so das Resümee, komme es nicht nur darauf an, dass man frühzeitig feste Nahrung einführt, sondern auch darauf, dass der Speiseplan entsprechend vielfältig ist.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 10/2014

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