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Kinder- und Jugendheilkunde 5. Februar 2014

Jahresrückblick 2013 und Jahresausblick 2014

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie in den letzten Jahren darf ich auch heuer das Publikationsjahr von „Pädiatrie & Pädologie“ mit einem Rückblick auf das abgelaufene Jahr und einem kurzen Ausblick auf das kommende Jahr beschließen.
Dabei muss ich mich aus Platzgründen auf einige wenige Aspekte beschränken. Das Jahr 2013 hat für die Pädiatrie und insbesondere die betroffenen Kinder und Jugendlichen einige positive Entwicklungen gebracht, teilweise aber auch weniger erfreuliche Entwicklungen oder sogar Rückschläge. Aber lassen Sie mich bei den positiven Aspekten beginnen.
Dazu zählt die Gründung von OKIDS als Tochter GmbH der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Darunter versteht sich ein Netzwerk für die Arzneimittelforschung im Kindes- und Jugendalter, das die Durchführung von Arzneimittelstudien in Österreich erleichtern soll. Damit sollen Österreichs Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Medikamente zum frühestmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung stehen, zugleich aber auch die Medikamentensicherheit erhöht und Österreich als Forschungsstandort gestärkt werden. Besonders erfreulich ist, dass sich alle österreichischen Forschungseinrichtungen für derartige Studien am Netzwerk beteiligen, um so die bestmöglichen Studienergebnisse zu gewährleisten.
Ebenfalls erfreulich ist, dass zuletzt auch die Entscheidung gefallen ist, die HPV-Impfung in Österreich in das nationale Impfprogramm aufzunehmen und damit kostenlos verfügbar zu machen. Die Entscheidung, Mädchen und Buben zu impfen, darf im Sinne des Herdenschutzes als innovativ und wegweisend bezeichnet werden. Als Wermutstropfen bleibt, dass nach neuestem Stand die Impfung voraussichtlich erst im Herbst 2014 zur Verfügung stehen wird und damit ein weiterer Jahrgang ausgeschlossen wird.
Zudem bleibt abzuwarten, ob der Impfzeitpunkt im 10. Lebensjahr
tatsächlich zu der erwünschten hohen Beteiligungsrate führt, oder nicht doch eine Verschiebung ins 11. oder 12. Lebensjahr sinnvoll
wäre.

» Das kommende Jahr bringt weitere große Herausforderungen, die zum besten Wohl der Kinder und Jugendlichen bewältigt werden müssen.

Insgesamt wurden im Jahr 2013 weitere Aktivitäten im Rahmen der
„Kindergesundheitsstrategie“ gesetzt mit dem Ziel, die Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich weiter zu verbessern. Die im Rahmen dieses Programmes durchgeführte Evaluierung des Mutter-Kind-Passes durch das Ludwig-Boltzmann-Institut (LBI/HTA) umfasst bisher etwa 2000 Seiten, liefert jedoch wenig konkrete Ansätze für eventuelle Verbesserungen. Bedenklich ist insbesondere, dass diverse bewährte Screening-Methoden (Hüft-Ultraschall, Toxoplasmosescreening, Stoffwechselscreening) in Frage gestellt werden und die Rolle der „Medizin“ wiederholt kritisch hinterfragt wird.
„Kindergesundheit hat nichts mit Kindermedizin zu tun“ ist ein Satz, den man immer öfter zu hören bekommt, und der uns Kinder- und Jugendärzte doch nachdenklich stimmen muss.
Damit komme ich zu einigen Aspekten, die im Jahr 2013 leider weniger gut „gelaufen“ sind.
So wurde die Kinder- und Jugendlichenrehabilitation neuerlich auf die lange Bank geschoben, weil zuletzt die Länder eine Kostenbeteiligung abgelehnt haben. Das unwürdige Hin- und Herschieben der Verantwortung für rehabilitationsbedürftige Kinder und Jugendliche ist in Wirklichkeit nicht länger tolerabel, wenn man bedenkt, dass 52 Betten für Kinder und Jugendliche 9000 Betten für Erwachsene gegenüberstehen, welche demnächst um weitere 2000 Betten aufgestockt werden!
Ebenso unerfreulich waren die Bestrebungen, den „Kinderturnus“
von ursprünglich sechs und zuletzt vier auf nunmehr drei Monate zu verkürzen. Eine derartige Verkürzung der Pädiatrieausbildung für Allgemeinmediziner würde eine echte Qualitätsgefährdung in der
Versorgung von Kindern und Jugendlichen bedingen. Massive Einsprüche der ÖGKJ gegen diese Verkürzung wurden bei der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und dem Gesundheitsministerium (BMG) eingebracht und werden hoffentlich dazu führen, dass diese qualitätsgefährdende Maßnahme nicht umgesetzt wird. Leider keinerlei Fortschritte wurden auch bezüglich des Nichtraucherschutzes für Kinder und Jugendliche erzielt, Österreich liegt hier unter den europäischen Ländern gemeinsam mit Griechenland an 30. und somit letzter Stelle. Auch hier wird es weiteren kontinuierlichen Einsatzes bedürfen, um auch für Österreich ein zeitgemäßes Nichtrauchergesetz durchzusetzen. Doch lassen Sie mich den Rückblick auf 2013 mit einigen „in den eigenen Reihen“ erarbeiteten Aspekten beschließen. Dazu zählen v.a. die pädiatrischen Fortbildungsveranstaltungen. Die Pädiatrietage in Obergurgl, die ÖGKJ-Frühjahrstagung in Klagenfurt („Weil wir nicht nur KINDERärztInnen sind“), der Pädiatrische Frühling in Seggau, die ÖGKJ-Jahrestagung in Innsbruck, das ÖGKJ-Prüfungsvorbereitungsseminar in Leoben, der Pädiatrische Samstag in Linz und die Tagung der Sektion Südost in Venedig waren neben anderen ambitionierten Veranstaltungen neuerlich echte Highlights und wieder ein Beweis dafür, wie wichtig Kinder- und JugendärztInnen die Fortbildung in ihrem Sonderfach ist. Als sehr gelungen darf auch das Projekt „Kinderärzte machen mobil“ bezeichnet werden. Im Rahmen dieser Aktion verschenken Kinderärzte Wertkarten an Kinder bzw. deren Eltern, mit denen inhaltlich und sprachlich geprüfte altersgerechte Geschichten aus einer elektronischen „Geschichtenbox“ bezogen werden können. Die mit dem Dichter und Geschichtenerzähler Folke Tegetthoff initiierte Aktion versteht sich als Aufforderung an die Eltern, sich wieder mehr mit ihren Kindern zu beschäftigen, Sprachentwicklung und Kommunikation zu fördern, und dadurch der modernen „Sprachlosigkeit“ entgegen zu wirken. Damit erlaube ich mir einen Ausblick auf das Jahr 2014 . Das kommende Jahr bringt weitere große Herausforderungen, die zum besten Wohl der Kinder und Jugendlichen bewältigt werden müssen. Dazu zählt weiterhin der „Dauerbrenner Primärversorgung“, das Thema Schwerpunktsetzung/Zentrenbildung, die Weiterentwicklung des Mutter-Kind-Passes bzw. der „Eltern-Kind-Vorsorge neu“, die Neugestaltung des Rasterzeugnisses für die Facharztausbildung in Pädiatrie, die Regelung der Schnittstellen zwischen Pädiatrie, Psychosomatik und Kinder- und Jugendpsychiatrie und vieles mehr. Erstmals wird im Jahr 2014 voraus - sichtlich auch die Facharztprüfung elektronisch abgenommen werden, was für die Fragestellung neue Möglichkeiten eröffnet (Fallvignetten, Bildinterpretation etc.). „Pädiatrie & Pädologie“ wird auch im Jahr 2014 in gewohnter Weise über diese Entwicklungen berichten. Ich hoffe, dass Sie auch im kommenden Jahr unsere Nachrichten mit Interesse lesen werden. Ich bedanke mich bei Frau Dr. Höhl und Herrn Dr. Sillaber vom Springer Verlag für ein weiteres Jahr exzellenter Zusammenarbeit, bei den geneigten Leserinnen und Lesern für ihr Interesse an dieser Zeitschrift, und insbesondere bei unseren Autorinnen und Autoren für deren wertvollen Beiträge. Ich wünsche Ihnen friedvolle und erholsame Feiertage im Kreise Ihrer Lieben und einen guten Rutsch nach 2014!

Ihr Reinhold Kerbl


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