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Kinder- und Jugendheilkunde 5. Februar 2014

Jubiläum: 40 Jahre Internationales Pädiatrisches Symposium

Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten – Lilienfeld und des Internationalen Pädiatrischen Symposiums, blickt mit uns zurück und in die Zukunft.

Wir gratulieren zum 40. Jubiläum! Hat Ihre Jubiläumstagung ein Hauptthema?
Seit 40 Jahren thematisiert das Internationale pädiatrische Symposium Aspekte der Präventiven Pädiatrie, lange bevor das Thema Präventivmedizin von anderen Fachgruppen Beachtung gefunden hat. Es mag vielleicht eine pädiatrische Besonderheit sein, dass es gerade diese Mediziner sind, die Entwicklungen quasi im Zeitraffer beobachten, wenn ein Individuum heranwächst, auch sehr früh das Potential der Vorbeugung, der Prophylaxe, der Beeinflussbarkeit durch frühe Maßnahmen erkannt haben. Feine Veränderungen, die aber doch den Lauf der Entwicklung entscheidend beeinflussen und sogar prägen können. In all den Jahrzehnten des Symposiums waren es daher diese präventivmedizinischen Themen, die im Zentrum des Interesses und im Fokus der Betrachtung standen. Was wäre daher näherliegend, als ein wenig Bilanz zu ziehen, einen Blick zurück zu machen, gleichzeitig aber auch natürlich und vorwiegend in die Zukunft zu schauen, auf die Aufgaben zu blicken, die uns in der sich so rasch ändernden Gegenwart sich ergeben.

Haben die vier Jahrzehnte den Tagungen jeweils verschiedene Schwerpunkte nahegelegt? Schwerpunktmäßig waren es natürlich immer die brennenden Fragen der Wissenschaft, die angesprochen worden sind: Zahnvorsorge, in den 80er Jahren die heißen Diskussionen um die Allergieprävention mit hypoallergenen Nahrungen, ich selbst habe in den frühen 90er Jahren die damals noch völlig unbekannten Arbeiten von Barker thematisiert, seine bahnbrechenden Arbeiten zur „metabolischen Programmierung“. Aber immer wieder waren es Ernährungsthemen, die angesprochen worden sind und Themen der Vakzinologie, einem Paradebereich der Prävention.

Ist Ihre Veranstaltung der Wissenschaft näher als der Praxis?
Keine Praxis ohne wissenschaftlich fundiertem Hintergrund und umgekehrt auch keine rein theoretische Beschäftigung mit für die Praxis irrelevanten Themen – das war und ist die Maxime in der Programmzusammenstellung der Themen des Symposiums. Je nach Themenschwerpunkt steht gelegentlich der theoretische Aspekt mehr im Vordergrund, aber der praktische Bezug darf nie verloren gehen und muss immer mitbedacht werden. Aus diesem Spannungsfeld heraus ergeben sich für ein und dasselbe Themen durchaus unterschiedliche Diskussionsaspekte und Betrachtungsweisen. Als Konsequenz sind sowohl die Teilnehmer, aber vor allem auch die eingeladenen Diskutanten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, ist es die Interdisziplinarität, die das Symposium prägt. Aus den verschiedensten medizinischen, aber auch nicht-medizinischen Bereichen setzen sich die Referenten zusammen, die damit eine möglichst umfassende Betrachtungsweise einbringen sollen.

Gibt es ein Thema/Themen der Jubiläumstagung, das/die Sie besonders hervorheben möchten?
Zum 40 Jahre Jubiläum stellen wir Erfolgsstorys der Pädiatrischen Präventivmedizin zur Diskussion, wie z.B. die Errungenschaften um die Vorbeugung des SIDS, die dramatischen Veränderungen im Bereich Hämophilie durch neue Behandlungsmöglichkeiten, aber natürlich auch das heute oft unterschätzte Potential von Impfungen und das oftmals unbemerkt ablaufende Neugeborenenscreening. Neben den Erfolgsstorys werden aber medizinische Maßnahmen sehr kritisch beleuchtet, wie die doch sehr unbefriedigenden Fortschritte in der Allergieprophylaxe, die alles andere als erfolgreich bisher ist. Themen wie Epigenetik und metabolische Programmierung fehlen ebenso wenig wie Dauerbrenner wie Stillen, Adipositas, Zöliakie und Vitamin D. Einer der Schwerpunkte des Jubiläumssymposiums ist die Neuroprävention bei Frühgeborenen, Möglichkeiten zur Verhinderung von langfristigen Schädigungen der neuronalen Strukturen von Frühgeborenen durch unterschiedliche Ernährungs- und Pflegemaßnahmen.

Gibt es Programmpunkte oder Möglichkeiten, die Sie bei Ihrer Tagung in Zukunft neu einführen möchten?
40 Jahre Pädiatrisches Symposium sind auch mehr als eine Generation lebhafter Diskussionen, interdisziplinäres Vordenken und wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Das Grundkonzept des Symposiums hat sich sicher bewährt, dennoch überdenken wir im wissenschaftlichen Beirat für die nächsten Jahre die Rahmenbedingungen neu und werden im nächsten Jahre einige Anpassungen durchführen, die ich aber heute noch nicht verraten möchte.

Vielen Dank! Das Gespräch führte Dr. Renate Höhl.

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