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Jugend und Rauchen

Rauchen bei Jugendlichen

Im internationalen Vergleich gehören österreichische Jugendliche zu jenen, die schon sehr früh Rauchversuche unternehmen. Etwa die Hälfte der 13-jährigen Mädchen und Jungen gibt solche Probierversuche zu [ 1 ]. Tatsächlich nimmt der Anteil der täglich Rauchenden zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr stark zu ( Abb. 1 ). In Österreich raucht etwa ein Drittel der 17-Jährigen (Mädchen: 30,3 %, Jungen: 35,3 %) [ 2 ].

 

Während der Beginn des Tabakkonsums vor allem von psychischen und gesellschaftlichen Faktoren bestimmt wird, sind für das Fortsetzen der Rauchgewohnheit andere Faktoren, insbesondere pharmakologische, verantwortlich.

Im Stadium der Vorbereitung erhalten Jugendliche eine positive Einstellung zum Tabakkonsum

Vor dem eigentlichen Rauchbeginn wird ein Stadium der Vorbereitung beschrieben. In dieser Zeit erhalten Jugendliche durch Beobachtungen im Familien- oder Freundeskreis eine positive Einstellung zum Tabakkonsum.

Der anfängliche Zigarettenkonsum ist meist gekennzeichnet durch eine Periode des experimentellen Rauchens. In dieser Zeit rauchen Jugendliche zwar wiederholt, aber noch unregelmäßig. In diesem Zusammenhang spielen das Verhalten in der Peergroup und die Verfügbarkeit von Zigaretten eine große Rolle [ 3 ].

Rauchen reguliert die Stimmungslage. Deshalb ist es aus psychologischer Sicht verständlich, warum hier ein regelmäßiges und schwer wieder aufzugebendes Verhalten entsteht. Das aufgenommene Nikotin liefert sehr rasche und deutlich merkbare angenehme Effekte, aber es kann auch sehr rasch abhängig machen.

Aus zahlreichen Erhebungen über das Rauchverhalten von Kindern und Jugendlichen geht hervor, dass für den Rauchbeginn vorwiegend die nachstehenden Variablen von Bedeutung sind:

  • Rauchgewohnheiten der Eltern, Geschwister und Freunde,
  • soziale Situation der Familie,
  • Eintritt in die praktische Berufsausbildung und Berufsausübung.

Gründe für das Weiterrauchen

Als Hauptgründe für den Beginn des Rauchens führen jugendliche Raucher Neugierde und Verhaltensregeln in der Gruppe der Gleichaltrigen an. Höherer Alkoholkonsum, Probleme wie Stress und Angst, Langeweile und das Rauchverhalten der Eltern führen sie außerdem als Gründe für das Weiterrauchen an.

Viele, der für das Aufrechterhalten des Tabakkonsums verantwortlichen Faktoren lassen sich in die vier folgenden Bereiche einordnen:

  • Rauchen wirkt infolge des häufigen Auftretens selbstverstärkend (Gewohnheit).
  • Geraucht wird dann, wenn Anregung oder Beruhigung gewünscht wird.
  • Das Rauchen wird eingesetzt, um negative Situationen abzuschwächen.
  • Es wirken Suchtmechanismen, sodass das Fehlen von Rauchverhalten negativ erlebt wird.

Wenn junge Menschen das Rauchen wieder einstellen, spielen vor allem psychosoziale Faktoren eine entscheidende Rolle. Jüngere Jugendliche werden in erster Linie durch die Eltern bewegt, den Tabakkonsum aufzugeben. Bei den etwas älteren Jugendlichen stehen hauptsächlich die Einflüsse von Freunden im Vordergrund.

Nikotinabhängigkeit

Bereits jugendliche Raucher werden es schwer haben, später ihren Tabakkonsum wieder einzustellen. Viele der 12- bis 17-Jährigen mit einem regelmäßigen Rauchverhalten zeigen deutliche Symptome wie „unstillbares Verlangen“ oder „Abhängigkeit“. Eine Untersuchung an einer Stichprobe von 95 Jugendlichen im Alter von 12 bis 13 Jahren zeigte, dass sich bei 22 % der Betroffenen bereits 4 Wochen nach dem Beginn mit gelegentlichem Rauchen Symptome von Nikotinabhängigkeit nachweisen lassen [ 4 ].

Mit dem Fagerström-Test wird die Nikotinabhängigkeit überprüft

Eine eigene in Österreich durchgeführte Studie an einer Stichprobe von 351 jugendlichen Rauchern im Alter zwischen 11 und 17 Jahren beschäftigte sich mit der Nikotinabhängigkeit dieser jungen Menschen. Mit dem für Jugendliche adaptierten Fagerström-Test ( Abb. 2 ) wurden 161 Mädchen und 190 Jungen auf ihre Nikotinabhängigkeit überprüft [ 5 ].

24,9 % erreichten einen Wert zwischen 0 und 2 Punkte, der auf eine kaum vorhandene stoffliche Abhängigkeit schließen lässt. 28,8 % weisen mit einem Punktewert von 3 bis 4 eine schon geringgradige Abhängigkeit auf und 46,2 % müssen mit ihren erzielten 5 bis 10 Punkten als deutlich bis stark abhängig eingestuft werden. Signifikante Unterschiede zeigen sich in den verschiedenen Altersgruppen, für die folgende mittlere Score-Werte berechnet wurden:

  • 11- bis 13-Jährige: 3,0,
  • 14- bis 15-Jährige: 3,8,
  • 16- bis 17-Jährige: 4,6.

Statistisch gesicherte Unterschiede in der Nikotinabhängigkeit ergeben sich allerdings auch beim Vergleich zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen. Während 49,2 % der Jungen als deutlich nikotinabhängig eingestuft werden müssen, beträgt dieser Prozentsatz bei den Mädchen nur 36,5 % (p = 0,004; Abb. 3 ).

Wie schädlich ist Rauchen bei Jugendlichen?

Alle 10 Sekunden stirbt jemand an den Folgen von Tabakkonsum. Von denjenigen, die seit ihrer Jugend und das ganze Leben weiter rauchen, werden etwa 50 % an tabakassoziierten Erkrankungen sterben. Die Hälfte dieser Todesfälle tritt in den mittleren Lebensjahren ein, die andere Hälfte im fortgeschritteneren Alter. Wie eine Studie von dem bekannten Wissenschafter Sir Richard Peto zeigt, verlieren Raucher, die im mittleren Lebensabschnitt sterben, im Durchschnitt 22 Jahre ihres Lebens [ 6 ].

Bereits während junger Jahre ist das Rauchen mit einer geringeren Lungenfunktion und einer vermehrten Häufigkeit an respiratorischen Symptomen assoziiert. Wer schon als Jugendlicher zu Rauchen beginnt, geht das Risiko ein, dass seine Lungenfunktion schon sehr früh abnimmt [ 7 ].

Junge Menschen schieben die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens oft weit von sich, schließlich hätten sie noch genügend Zeit und wer weiß, was in 10, 20 oder 30 Jahren alles passieren kann. Einige Dinge lassen aber junge Menschen doch darüber nachdenken, ob sie das Rauchen lieber einstellen – oder gar nicht erst anfangen:

  • Es kostet viel Geld.
  • Man fühlt sich abhängig – ein Gefühl, das Jugendliche besonders stört.
  • Es ist äußerst schlecht für den (später geplanten) Nachwuchs:
    • vermindert beim Mann die Spermienzahl, deren Beweglichkeit und bewirkt schadhafte Spermien,
    • reduziert bei der Frau die Fruchtbarkeit,
    • erhöht die Rate an Früh- oder Fehlgeburten,
    • steigert die Rate an kindlichen Todesfällen (plötzlicher Kindstod).

Wie hört man am besten mit dem Rauchen auf?

Bei einer gezielten Rauchentwöhnung ist neben der Nikotinabhängigkeit des Tabakkonsumenten darauf zu achten, dass auf die psychologischen Hauptfaktoren für die Aufrechterhaltung des Rauchens (Gewohnheitsfaktor, Kompensationsfaktor) Einfluss genommen wird. Fest eingefahrene Rauchrituale müssen gezielt verlernt werden. Für manche Situationen müssen Alternativhandlungen festlegt werden. So werden Stressraucher ihren Stress in Zukunft beispielsweise durch mehr sportliche Betätigung oder durch Entspannungsübungen zu bewältigen versuchen.

Bei Überweisung an einen niedergelassenen Psychologen kann auf Krankenscheinbasis eine ausführliche Raucherdiagnostik angefordert werden.

Für jugendliche Raucher, die bereits eine Nikotinabhängigkeit entwickelt haben (Fagerström-Test), eignen sich in der Entwöhnungsphase auch Nikotinersatzprodukte:

  • Nikotinkaugummi: zum selbstständigen Dosieren besonders geeignet, vor allem in Momenten großen Rauchverlangens gut einsetzbar,
  • Nikotinpflaster: bei regelmäßigem Rauchverhalten, auch in Kombination mit anderen Nikotinersatzpräparaten,
  • Inhalator: zur Verringerung körperlicher (Nikotinabhängigkeit) und psychischer (Gewohnheit) Entzugssymptome, individuelle Verwendung (weniger ausgeprägtes bis intensives Paffen – nicht Inhalieren, da Nikotin nur über Mundschleimhaut aufgenommen wird), kann sehr unterschiedlich dosiert werden,
  • Lutschtablette: bei Vorliebe für die Tablette v. a. gegenüber dem Kaugummi oder auch anderen Nikotinersatzprodukten einsetzbar.

Zwei Wege führen zum Ziel

Schlusspunktmethode

  • Festsetzen eines Schlusspunkts, am besten innerhalb der folgenden Woche.
  • Die ersten rauchfreien Tage genau planen: Was werde ich tun? Wie werde ich mich verhalten, wenn …
  • Ab dem Schlusspunkttag wird nicht mehr geraucht.
  • Noch vorhandene Zigaretten werden vernichtet. Aschenbecher und Feuerzeuge werden weggeräumt.
  • Alltagsroutine unterbrechen, z. B. Morgentoilette verändern.
  • Nikotinersatz gezielt einsetzen.
  • Belohnungen festsetzen: für den ersten rauchfreien Tag, die erste rauchfreie Woche…
  • Sich bei eventuellen Rückschlägen (starkes Rauchverlangen, doch wieder der Griff zur Zigarette) nicht entmutigen lassen: „Kein Meister fällt vom Himmel“.

Schritt-für-Schritt-Methode

  • Festsetzen eines Tag X, am besten innerhalb der nächsten 2 Monate. Spätestens ab dann wird nicht mehr geraucht. Diesen Termin im Kalender eintragen.
  • Aufgrund eines Raucherprotokolls ( Abb. 4 ) typische Rauchsituationen aussuchen und auf einer Liste festhalten.
  • Dann entscheiden, in welchen Situationen es schwer fällt nicht zu rauchen und in welchen es leichter ist. Bewertet wird die Wichtigkeit (W) der einzelnen Situationen mit 1 bis 5 Punkten: 5 = sehr schwer, 1 = sehr leicht.
  • Das Schritt-für-Schritt-Programm wird dann mit einer eher leicht eingestuften Situation begonnen. Danach werden allmählich schwierigere Situationen ausgesucht.
  • Wurde die erste Situation einige Tage rauchfrei überstanden, wird eine weitere Situation ausgesucht, in der nicht mehr geraucht wird.
  • Diese Methode wird solange fortgesetzt bis die Abstinenz (spätestens am Tag X) erreicht wurde.
  • Bei Vorliegen einer gewissen Nikotinabhängigkeit kann Nikotinersatz dazu herangezogen werden, kritische Situationen rauchfrei zu überstehen.
  • Belohnungen festsetzen für erreichte Ziele.
  • Sich bei evtl. Rückschlägen nicht entmutigen lassen.
  • Bei der Schritt-für-Schritt-Methode empfiehlt es sich ebenfalls ein Raucherprotokoll zu führen. Jede Zigarette, die noch geraucht wird, wird mit Uhrzeit und auslösender Situation festgehalten. Auch eine Erfolgsrubrik sollte geführt werden: Aufzeichnen jeder Situation, in der zwar Rauchverlangen aufgetreten ist, die aber mithilfe des Nikotinersatzes erfolgreich überstanden wurde.

Fazit für die Praxis

  • Da bereits viele Jugendliche rauchen, können bestimmte Erkrankungen und Beschwerden, vor allem was den Respirationstrakt betrifft, mit dem Zigarettenkonsum in Zusammenhang gebracht werden.
  • Bereits nach relativ kurzen Rauchperioden kann sich eine Nikotinabhängigkeit entwickeln, die für eine Entwöhnung ein therapeutisches Vorgehen notwendig macht.
  • Wenngleich junge Menschen sich nicht so sehr wegen der Gefahr möglicher tabakassoziierter Erkrankungen zum Aufhören motivieren lassen, sind doch viele, wenn auch aus anderen Gründen, mit ihrem Rauchverhalten unzufrieden.
  • Entsprechend der mittels Raucherdiagnostik erhobenen Befunde, kann die Rauchertherapie eingeleitet werden. Bei nikotinabhängigen Rauchern ist es sinnvoll, die Nikotinersatztherapie unterstützend zum Einsatz zu bringen.

Prof. Dr. R. Schoberberger ist am Institut für Sozialmedizin, Zentrum für Public Health, MedUni Wien, tätig.

 

Interessenkonflikt:

Keine Angaben.

Literatur

  1. Lichtenschopf A (2012) Standards der Tabakentwöhnung – Konsensus der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie – Update 2010. Springer, Wien
  2. Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg) (2011) Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülern und Schülerinnen – Ergebnisse des WHO-HBSC-Survey 2010. BfG, Wien
  3. Kobus 2003 Addiction 98 37 12752361 10.1046/j.1360-0443.98.s1.4.x Kobus K (2003) Peers and adolescent smoking. Addiction 98:37–55
  4. DiFranza 2007 Arch Pediatr Adolesc Med 161 704 17606835 10.1001/archpedi.161.7.704 DiFranza JR, Savageau JA, Fletcher K et al (2007) Symptoms of tobacco dependence after brief intermittent use: the Development and Assessment of Nicotine Dependence in Youth-2 study. Arch Pediatr Adolesc Med 161:704–710
  5. Schoberberger 2001 Int J Tuberc Lung Dis 5 219 Schoberberger R, Bayer P (2001) Nicotine addiction among adolescent smokers. Int J Tuberc Lung Dis 5:219
  6. Peto R, Lopez AD, Boreham J, Thun M (2003) Mortality from smoking in developed countries 1950–2000. http://www.ctsu.ox.ac.uk
  7. Boyle P, Gray N, Henningfield J et al (2004) Tobacco and public health: science and policy. Oxford University Press, New York
Abb. 1:  Raucherstatus der 11-, 13-, 15- und 17-jährigen Schüler nach Alter und Geschlecht [ 1 ]

Abb. 1: Raucherstatus der 11-, 13-, 15- und 17-jährigen Schüler nach Alter und Geschlecht [ 1 ]

Abb. 2:  Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit jugendlicher Raucher

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Abb. 3:  Nikotinabhängigkeit bei österreichischen jugendlichen Raucher, 11–17 Jahre

Abb. 3: Nikotinabhängigkeit bei österreichischen jugendlichen Raucher, 11–17 Jahre

Abb. 4:  Raucherprotokoll

Abb. 4: Raucherprotokoll

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