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© RECCO
Ein Bergretter am Mount Blanc setzt ein RECCO® Handsuchgerät für die Suche nach Verschütteten ein.
 

Der Lawinenversteher

Bergung. Im Dezember 1973 brachte eine Lawine den „Stein“ ins Rollen: Der Schwede Magnus Granhed entwickelte ein lebensrettendes System zur Bergung Verschütteter. Jetzt gibt es auch einen Detektor, der Hubschrauber-Piloten die Suche nach Vermissten ermöglicht.

Magnus Granhed und andere Helfer sondieren mit ihren Skistöcken verzweifelt einen Lawinenstreifen von der Größe zweier Fußballfelder; Granhed hatte noch kurz zuvor in einem Skilift zum Mörvikshummeln, Schweden, gesessen, als mit einem angsteinflößenden Getöse eine Lawine abgegangen war. Es ist chaotisch. Nach kurzer Zeit macht sich unter den Helfern ein Gefühl der Ohnmacht breit, da ein Herumstochern ohne echte Lawinenausrüstung fast zwecklos ist. Am Ende können, Stunden später, nur mehr zwei Tote geborgen werden. Das war vor mehr als vierzig Jahren.

Der Weg zum passiven Reflektor

Magnus Granhed, Gründer von RECCO® ( http://de.recco.com ), dachte sich damals, dass es einen besseren Weg geben müsse, um Verschüttete schnell ausfindig zu machen, denn Zeit ist der größte Gegenspieler der Opfer. Gemeinsam mit Prof. Dr. Bengt Enander vom Institut für Elektromagnetische Theorie am Royal Institute of Technology in Stockholm arbeitete er an einer Lösung. Ihre Studie resultierte in einem passiven Reflektor, bestehend aus einer Diode, die eine Oberschwingung auslöst, wenn ein Radarsignal eines Suchgerätes auf sie trifft. Der unscheinbare Reflektor kann in Kleidungsstücken integriert sein oder separat getragen werden und braucht keine Stromversorgung.

Überlebenschancen verbessert

Mit einem aktuellen Handsuchgerät kann dadurch ein im Schnee Verschütteter in einer Entfernung von 20 Metern aufgespürt werden (siehe Abbildung). Das verkürzt die Suchzeit der Rettungskräfte im Vergleich zur Sondierung signifikant. Hierzulande wurde vor rund 30 Jahren damit begonnen dieses System zu implementieren, und mittlerweile sind 64 Skigebiete, 47 Bergrettungsortsstellen und 30 Rettungshubschrauber mit Handsuchgeräten ausgestattet. Die neuen leistungsstärkeren Detektoren für Hubschrauber RECCO® SAR 1 können während des Fluges bei 130 km/h die Oberfläche eines Geländes mit einem 200 Meter breiten Suchstreifen abtasten. Dadurch kann man einen Quadratkilometer in drei bis vier Minuten scannen (etwa 30 Fußballplätze pro Minute).

Das erweitert die Anwendungsmöglichkeiten. Nun können ganzjährig Menschen in Bergnot ausfindig gemacht werden, sei es in Gletscherspalten gefallene Schneewanderer oder in der Wildnis vermisste Menschen. Damit kann dem Grundgedanken dieses Systems genüge getan werden, nämlich dass Bergsportler für professionelle Retter immer sichtbar sind und aus ihrer misslichen Lage befreit werden können.

Quellen:

1. http://de.recco.com/ueber-recco

2. Magazin des ÖAV „Bergauf“ 05/ 2016, Seite 22ff, „RECCO – Unterschätztes Suchsystem mit verborgenen Talenten“ von Bernd Zehetleitner

Philip Klepeisz

, Ärzte Woche 1/2/2017

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