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Der Herausforderung begegnen

Die Menschen werden immer älter, manche von ihnen – nicht zuletzt durch die Entwicklungen der modernen  Medizin – leben immer länger auch mit schwerer Erkrankung. Für die Intensivmedizin stellt dies besondere Herausforderungen dar. Das Österreichische Zentrum für Dokumentation und Qualitätssicherung in der  Intensivmedizin (ASDI) beschäftigt sich seit beinahe 20 Jahren damit, die bestmögliche Behandlung der Schwerkranken sicherzustellen und präsentierte beim jährlichen Meeting Ende November in Wien aktuelle Themen und mögliche Lösungen. 

Gleichzeitig  mit  dem  medizinischen Fortschritt, so das ASDI, hat das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz,  das die Arbeitszeit der Ärzte schrittweise limitieren soll, die Präsenz der Ärzte  im Spital reduziert. Wobei das Arbeitszeitgesetz freilich für alle Gesundheitsberufe  gilt.  „Der  Druck  wächst“,  stellte   Univ.-Prof.  DDr.  Philipp  Metnitz,  Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine  Anästhesiologie,  Notfall-  und   Intensivmedizin am LKH  Universitätsklinikum  Graz,  fest:  „Wir  vom  ASDI  betrachten  es  als  unsere  Aufgabe,  die  geänderten  Rahmenbedingungen  als   Chance zu begreifen und das Beste daraus zu machen.“ Überarbeitete Spitals- mitarbeiter stellen jedenfalls nicht nur  für die Patienten, sondern auch für sich  selbst eine Gefahr dar.

Übermüdung fördert Fehler

Als ganz besondere Belastung mit entsprechend  negativen  Folgen  nannte   Univ.-Prof.  Dr.  Andreas  Valentin,  Leiter  der  Abteilung  für  Innere  Medizin am Kardinal Schwarzenberg’schen Krankenhaus  in  Schwarzach/Pongau,   Salzburg,  und  Präsident  der ÖGIAIN   (Österreichische  Gesellschaft  für  Internistische  und  Allgemeine  Intensivmedizin  und  Notfallmedizin)  das   akute Schlafdefizit: „24 Stunden ohne  Schlaf wirken wie ein Promille Alkohol  im Blut. Die Leistungsfähigkeit nimmt  ab, die Fehlerquoten steigen an.“ Auch  bei  chronischer  Übermüdung  stellen   sich  ähnliche  Wirkungen  ein.  Studien  zeigen,  dass  bei  besonders  hoher   Arbeitsbelastung  der  Ärzte  die  Mortalität  an  Intensivstationen  bis  zum   Dreifachen ansteigen kann. Bei Überlastung von Pflegepersonen ist z.  B. ein signifikanter Anstieg der Infektionsraten  zu  beobachten.  Im  Rahmen  der   Arbeitsüberlastung  kommt  es  auch   zu  einer  falschen  Selbsteinschätzung   der  Betroffenen.  Der  Aussage  „Auch   wenn ich übermüdet bin, erbringe ich  in  kritischen  Phasen  eine  gleichwertige  Leistung.“  stimmen  64   %  der  Intensivmediziner und der Intensivpflegepersonen  zu.  Piloten  sind  in  ihrer   Selbsteinschätzung  offenbar  realistischer,  hier  beträgt  die  Zustimmungsrate nur 26  %.

Checklisten und Protokolle  für die Übergabe

Kürzere Arbeitszeiten führen zu häufigeren  Dienstübergaben  –  und  einem   erhöhten  Informationsverlust.  Um  die   Kontinuität der Patientenbetreuung zu  wahren, sind daher streng strukturierte Übergaben anhand von Checklisten  und  Protokollen  notwendig.  „Wir  haben  uns  mit  der  Kontinuität  sehr  eingehend  beschäftigt,  weil  wir  wissen,   dass  bei  höherer  Kontinuität  die  Patienten  kürzer  auf  der  Intensivstation   verbleiben und die Mortalität geringer  ist“, berichtete Univ.-Prof. Dr. J. Michael  Hiesmayr,  Leiter  der  Klinischen  Abteilung  für  Herz-Thorax-Gefäßchirurgische  Anästhesie  und  Intensivmedizin  am  AKH,  Medizinische  Universität   Wien:  „Für  eine  optimale  Dienstübergabe  müssen  beide  Seiten  aktiv  werden  –  der  Übergeber  ebenso  wie  der   Empfänger. Bestimmte Abläufe, Inhalte  etc. sind genau einzuhalten. Das muss  man trainieren!“ Als  einen  der  Punkte,  um  die  Versorgung  bei  höherem  Patientenaufkommen   und   reduzierter   Arbeitszeit  gewährleisten  zu  können,  nannte   Hiesmayr  auch  die  Stärkung  der  Pflegeberufe: Definierte Kompetenzen für  Pflegepersonen  –  gezieltere  Ausbildungen  –  verstärkte  Motivation  junger  Menschen,  anstelle  von  weit  verbreiteten  Berufen  den  Pflegeberuf  zu  ergreifen.   

Quelle: Presseinformation ASDI

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