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Schweres Influenza-assoziiertes Lungenversagen in einem österreichischen Tertiärkrankenhaus während der 2009/2010 Influenza A H1N1v Pandemie

Wir berichten über 17 Patienten mit Influenza A H1N1v assoziiertem schweren Lungenversagen (ARDS), welche zwischen 11. Juni 2009 und 10. August 2010 an einer Intensivstation (ICU) aufgenommen wurden (w/m: 8/9; Alter: median 39 (IQR 29–54) Jahre; SAPS II: 35 (29–48)). Der Body Mass Index war 26 (24–35); 24 % waren übergewichtig und 29% fettleibig. Der Charlson Comorbidity Index war 1 (0–2) und nur ein Patient hatte keinerlei Vorerkrankungen. Die mediane Zeit zwischen Symptombeginn und ICU Aufnahme betrug 5 Tage (Range 0–14). Keiner der Patienten hatte eine H1N1v Vakzine erhalten. Neun Patienten erhielten Oseltamivir, jedoch lediglich zwei innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn. Alle Patienten entwickelten ein schweres ARDS (PaO2/FiO2-Ratio: 60 (55–92); lung injury score: 3.8 (3,3–4,0)), waren maschinell beatmet und benötigten Vasopressoren. Vierzehn Patienten erhielten Corticosteroide, 7 wurden hämofiltriert, und 10 Patienten benötigten extrakoporale Membranoxygenation (ECMO; 8 Patienten veno-venös, 2 Patienten veno-arteriell). Drei Patienten erhielten eine ILA (Intenventional Lung Assist), und 2 Patienten eine pumpengetriebene extrakorporale low-flow CO2-Elimination. Sieben von 17 Patienten (41 %) verstarben auf der Intensivstation (4 aufgrund von Blutungen, 3 aufgrund von Multiorganversagen), alle anderen überlebten das Krankenhaus (59 %). Die ECMO-Mortalität betrug 50 %. Die mediane ICU Liegedauer betrug 26 (19–44) vs. 21 (17–25) (Überlebende vs. Nichtüberlebende), die Beatmungsdauer 18 (14–35) vs. 20 (17–24), und die ECMO Dauer 10 (8–25) vs. 13 (11–16) Tage (p = n.s.). Verglichen mit einer Kontrollgruppe von 241 erwachsenen ICU Patienten ohne H1N1v war die Liegedauer, Beatmungsrate, Beatmungsdauer, und der TISS 28 Score bei Patienten mit H1N1v signifikant höher. Die Kontrollgruppe bot ein tendeziell höheres ICU-Überleben (79 vs. 59 %; p = 0,06). Patienten mit H1N1v an unseren ICUs waren jung, überproportional übergewichtig, und hatten fast alle Vorerkrankungen. Alle Patienten entwickelten ein schweres ARDS, welches unerwartet häufig mit extrakoroporalem Gasaustausch behandelt werden musste. Patienten mit H1N1v hatten kompliziertere Verläufe verglichen mit Kontrollpatienten.

Peter Schellongowski, Roman Ullrich, Cornelia Hieber, Hubert Hetz, Heidrun Losert, Maria Hermann, Alexander Hermann, Klaus-Bernhard Gattringer, Viktoria Siersch, Werner Rabitsch, Valentin Fuhrmann, Andja Bojic, Oliver Robak, Wolfgang R. Sperr, Klaus Laczika, Gottfried J. Locker, Thomas Staudinger, Wiener klinische Wochenschrift 7/8/2011

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