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TBC-Pavillion Severin, Wien.
 
Pulmologie 5. April 2016

2 Medikamente für 2 Prozent

Nur wenige TBC-Patienten mit resistenter Form erhalten derzeit weltweit die bestmögliche Therapie.

Ein verschwindend geringer Teil der rund 150.000 Patienten mit resistenten Formen von Tuberkulose (TBC) erhalten die derzeit bestmögliche Therapie mit den neuen Medikamenten Bedaquilin und Delamanid. Ärzte ohne Grenzen forderte anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März, dass diese Medikamente für mehr Menschen bezahlbar und verfügbar gemacht werden. Die internationale Hilfsorganisation und andere Akteure, die TBC-Patienten behandeln, konnten zeigen, dass Behandlungsregime, die eines der beiden neuen Medikamente enthalten, den Gesundheitszustand von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose deutlich verbessern.

Bedaquilin und Delamanid wurden vor zwei Jahren als erste neu entwickelte TB-Medikamente nach mehr als 50 Jahren unter Vorbehalt zugelassen. Sie werden von den Firmen Janssen Pharmaceuticals und Otsuka hergestellt. Die Behandlungsergebnisse in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen in Russland (Tschetschenien) und Armenien deuten bislang darauf hin, dass Patienten mit Regimen mit Bedaquilin erfolgreicher behandelt werden können, als mit bisherigen Therapien, die bei MDR-TBC lediglich eine Heilungschance von 50 Prozent haben.

„Dank dieser neuen Medikamente sehe ich Patienten das Krankenhaus verlassen, die ohne sie gestorben wären“, sagt Dr. Yoseph Tassew, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Russland. „Es ist frustrierend, dass wir diese Hoffnung nicht allen Betroffenen bieten können. Nach einem halben Jahrhundert haben wir endlich neue Medikamente gegen TB, die schwerkranken Patienten das Leben retten können. Doch Ärzte ohne Grenzen ist der einzige Akteur, der TBC-Patienten in Russland mit Delamanid behandeln kann. Derzeit behandeln wir sieben Patienten in Russland mit dem Medikament. Pharmafirmen und Regierungen müssen dringend daran arbeiten, dass alle Patienten, die diese Medikamente benötigen, sie bekommen.“

Bevorzugte Registrierung in belasteten Entwicklungsländern

Bedaquilin und Delamanid werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Um den Zugang zu verbessern, sollten Janssen und Otsuka die Medikamente vorrangig in Ländern registrieren lassen, in denen viele Menschen an TBC erkrankt sind, und sie in Entwicklungsländern sowie Ländern mit hohen TBC-Zahlen bezahlbar machen. Die betreffenden Entwicklungsländer sollten die neuen Medikamente schnell in ihre Behandlungsrichtlinien aufnehmen. Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) veröffentliche vor Kurzem die vierte Ausgabe des Berichts „DR-TBC Drugs Under the Microscope“, der die Faktoren analysiert, die den Zugang zur Behandlung resistenter Formen von TBC beeinflussen: bit.ly/21HcXvH

„Damit wir über die beiden neuen Medikamente hinaus noch mehr und vor allem bessere Behandlungsmöglichkeiten, aber auch neue Diagnostika und einen umfassend wirksamen Impfstoff bekommen, muss außerdem die Forschung zu TBC und Antibiotika-Resistenzen insgesamt gestärkt werden“, sagt Marco Alves von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) in Deutschland. Und weiter: „Auf dem G 7-Gipfel in Japan (Anmerkung der Redaktion: es ist der 42. G 7-Gipfel, 26. bis 27. Mai 2016, diesmal im Küstenort Shima) und der nächsten Weltgesundheitsversammlung der WHO sollte eine substantielle Forschungsförderung beschlossen werden. Dabei sollten die Kosten für Forschung von den Produktpreisen entkoppelt werden, damit dringend benötigte Medizinprodukte verfügbar und bezahlbar sind“, erläuterte Marco Alves.

Ärzte ohne Grenzen, Ärzte Woche 14/2016

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