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Pulmologie 26. Oktober 2015

Gestresste Bronchien

ERS 2015: Die Diagnostik einer belastungsinduzierten Bronchokonstriktion bei Kindern.

Bei Kindern mit Atemnot nach körperlicher Belastung liegt der Verdacht eines Asthma bronchiale nahe, oft kann es sich aber um eine isolierte belastungsinduzierte Bronchokonstriktion handeln.

Eine belastungsinduzierte Bronchokonstriktion (BIB) ist bei Kindern häufig. In einigen Studien wurde bei mehr als einem Drittel aller Kinder ein deutlicher Abfall der Einsekunden-Kapazität FEV1 ≥ 10 % nach körperlicher Belastung nachgewiesen, berichtete Dr. Pascale Kippelen aus London. In der Regel ist eine BIB mit Atemwegsbeschwerden assoziiert; daraus sollte aber nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass Atemwegssymptome ein Prädiktor für BIB sind, betonte Kippelen. Erklärt werden die vorübergehenden Bronchokonstriktionen nach Belastung mit dem Wasserverlust durch Schwitzen und einer Dehydratation der Mukosa. Durch den Anstieg von Elektrolyten nimmt die Osmolarität intrazellulär zu, die glatten Muskelzellen der Atemwege schrumpfen und kontrahieren.

Zur Diagnose von BIB sind standardisierte Belastungstests erforderlich. Der Patient muss trockene Luft durch den Mund bei verschlossener Nase einatmen, die Belastung muss intensiv sein und mindestens sechs bis acht Minuten dauern, sagte Kippelen. Unbedingt sollte darauf geachtet werden, dass der Patient nicht mit dem Fahrrad zur Untersuchung kommt, betonte sie. Denn bei wiederholter Belastung gibt es einen Gewöhnungseffekt. Eine weitere häufige Fehlerquelle: Bei Kindern unter antiasthmatischer Medikation werden vor dem Test die Medikamente nicht abgesetzt.

Sowohl inhalative β-2-Mimetika als auch Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten und Chromone schützen vor BIB, erläutert Kippelen. Die Belastungstests sollten zweimal gemacht werden, da das Ansprechen variabel sei, insbesondere bei Patienten mit milden asthmatischen Symptomen. Wegen der Refraktärperiode dürfe ein erneuter Test nicht innerhalb von zwei bis vier Stunden vorgenommen werden.

Strikt von einer BIB zu trennen sind deutlich seltener auftretende belastungsinduzierte inspiratorische Symptome (BIIS). Typischerweise sind diese Beschwerden während der Belastung maximal, begleitet in der Regel von pfeifenden Einatemgeräuschen, und enden ein bis fünf Minuten nach der Belastung, berichtete Dr. Thomas Halvorsen aus Bergen, Norwegen. „Zu oft werden diese Beschwerden mit Asthmasymptomen verwechselt“, sagte der Pädiater, „und zu oft einer Vocal-Cord-Dysfunction zugeschrieben“.

Ausgelöst werden die Beschwerden meistens durch eine laryngeale Obstruktion während der Belastung, die strukturelle oder funktionelle Ursachen haben kann. Zur Diagnose ist eine Laryngoskopie unter Belastung erforderlich. Bei der Therapie handelt es sich um eine evidenzfreie Zone, so Halvorsen. Zu den Optionen zählen unter anderem inspiratorischesMuskeltraining, Entspannungs- und Sprachtherapie sowie operative Verfahren, zum Beispiel eine Laserkorrektur der Glottis.

Quelle: Jahrestagung der European Respiratory Society in Amsterdam vom 26. bis 30. September 2015

springermedizin.de, Ärzte Woche 44/2015

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