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Pulmologie 14. September 2015

Auf Granulozyten schauen

Eosinophile als Biomarker und Biologika werden im Leben von Patienten mit schwerem Asthma in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.

Eine hohe Konzentration von eosinophilen Granulozyten im Blut von Patienten mit schwerem Asthma zeigt an, dass bei diesen eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern besser wirkt. In Zukunft wird sich das Spektrum der Behandlungen erweitern.

„Die überwiegende Mehrzahl der Patienten mit Asthma können wir mit derzeit verfügbaren Medikamenten gut behandeln“, sagte Prof. Dr. Roland Buhl von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Für eine kleine Minderheit mit schwerem Asthma seien aber neue, bessere Medikamente erforderlich. Um Patienten zu identifizieren, die von diesen Medikamenten profitieren, seien neue Werkzeuge in Form von Biomarkern nötig, erläuterte er auf einer Veranstaltung in Berlin, auf der Highlights des ATS-Kongresses (American Thoracic Society) in Denver präsentiert wurden.

„Als bestes Werkzeug haben sich eosinophile Granulozyten im Blut herauskristallisiert“, so der Pneumologe auf einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung. Er appellierte an die anwesenden Ärzte, bei Asthma-Patienten diesen Faktor routinemäßig mit zu bestimmen. Der Biomarker sei wichtig, um bestimmte Formen des heterogenen Krankheitsbildes Asthma zu definieren und um eine fundierte Therapieentscheidung treffen zu können. So würden etwa bei einem hohen Eosinophilen-Wert monoklonale Antikörper besser wirken.

Der Anti-IgE-Antikörper Omalizumab ist bereits seit Längerem verfügbar; als Nächstes werden die Interleukin IL-5-Antikörper Mepolizumab und Reslizumab erwartet. Ihre Wirksamkeit konnte in mehreren Untersuchungen belegt werden: In einer Studie bei Patienten mit schwerem eosinophilen Asthma konnte die Exazerbationsrate mit Mepolizumab i. v. um 47 Prozent und mit Mepolizumab s. c. um 53 Prozent reduziert werden ( N Engl J Med 2014; 371: 1198-1207 ). Auch der Antikörper Reslizumab führte in einer weiteren Untersuchung bei Patienten mit schlechter Asthma-Kontrolle und hohen Eosinophilen-Zahlen zu einer deutlichen Reduktion der Exazerbationen ( Lancet Respir Med 2015; 3(5): 355-366 ).

Antikörper seien die nahe Zukunft, so Buhl, mittelfristig werde eine komplett neue Medikamentenklasse erwartet, die bereits in der klinischen Prüfung ist. Hierbei handelt es sich um sogenannte CRTH2-Antagonisten (Chemokine receptor homologous molecule expressed on Th2 lymphocytes). Diese unterbinden die Immunantwort, indem sie Rezeptoren für Prostaglandin D2 blockieren, die auf T-Lymphozyten sitzen. Somit können keine Zytokine mehr produziert werden. In einer Phase-2-Studie (AJRCCM 2015; 191: A6361) konnte die Zahl der Eosinophilen im Sputum um das 3,5-fache versus Placebo (p = 0,001) reduziert werden. Zudem besserte sich die Asthma-Kontrolle und Lungenfunktion.

In zehn bis fünfzehn Jahren sieht Buhl das sogenannte DNAzym im Einsatz. Dabei handelt es sich um ein synthetisches DNA-Molekül mit Enzymaktivität. Es basiert auf der Hemmung von GATA-3, des zentralen Transkriptionsfaktors der Typ-2-Immunantwort. Der Patient atmet das DNAzym ein, in der Lunge gelangt es in die Zelle, findet alle RNA-Moleküle, die dazu führen, dass IL-5 produziert wird, und macht diese kaputt, erläuterte Buhl.

In einer Studie haben 39 Asthma-Patienten mit allergischer Früh- und Spätreaktion 28 Tage lang 10 mg des DNAzyms oder Placebo inhaliert ( N Engl J Med 2015; 372: 1987-1995 ). Unter Therapie mit dem Verum kam es zu einer Reduktion der allergischen Frühreaktion um 21 Prozent und der allergischen Spätreaktion um 35 Prozent. Solch einen Effekt habe man seit 15 Jahren, seit Anti-IgE beschrieben wurde, nicht mehr gesehen, begeisterte sich der Pneumologe. „Wir werden unsere Patienten mit schwerem Asthma immer besser behandeln können“.

Quelle: Post-ATS-Veranstaltung am 5. Juni in Berlin

Christina Ott, Ärzte Woche 38/2015

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