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© Frank Täubel / fotolia.com
Die meisten Studienteilnehmer mit Blasen- und Lungenkrebs waren männliche Raucher.
 
Onkologie 15. Februar 2016

Zum Blasenkrebs gesellt sich gern der Lungenkrebs

Beide Karzinomerkrankungen werden zum Großteil auf das Rauchen zurückgeführt.

Bei Patienten mit einem Harnblasenkarzinom könnte das Screenen auf Lungenkrebs mithilfe eines Niedrigdosis-CTs sinnvoll sein. Die Daten zweier US-Studien lieferten Hinweise, dass das gemeinsame Auftreten beider Krebsarten gar nicht so selten ist.

Rauchen steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung sowohl von Lungenkrebs als auch Harnblasenkarzinomen. Wie häufig beide Tumorarten isoliert oder gemeinsam auftreten, lässt sich unter anderem an den Daten zweier großer US-amerikanischer Studien ablesen, und zwar der PLCO- (Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening Trial) und der NLST-Studie (National Lung Cancer Screening Trial). Die Urologen Dr. Laura-Maria Krabbe vom Universitätsklinikum Münster und Professor Yair Lotan vom Southwestern Medical Center in Dallas in den USA haben sich die Daten unter diesen Aspekten etwas genauer angesehen. Sie erinnern daran, dass etwa 85 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen und ein ähnlich großer Anteil der Harnblasenkarzinome auf das Rauchen zurückzuführen sind.

200.000 Patienten ausgewertet

An der PLCO-Studie haben fast 155.000 und an der NLST-Studie knapp 53.500 Patienten teilgenommen. Beides sind prospektive Längsschnittstudien. Insgesamt 1.430 bzw. 3.519 PLCO-Patienten und 439 bzw. 2.058 NLST-Patienten sind im jeweiligen Studienzeitraum an Blasen- bzw. Lungenkrebs erkrankt. Beim Blasenkrebs entspricht die Zahl der Diagnosen einem Anteil von 0,92 bzw. 0,83 Prozent, beim Lungenkrebs 2,3 bzw. 3,9 Prozent.

Insgesamt 58 Patienten (0,03 %) der PLCO-Studie und 22 Patienten (0,04 %) der NLST-Studie waren innerhalb des Beobachtungszeitraumes an beiden Tumorarten erkrankt. Das bedeutet, dass in der PLCO- und in der NLST-Studie immerhin 4,1 Prozent (58/1.430) bzw. 5,0 Prozent (22/439) der Blasenkrebspatienten auch Lungenkrebs und 1,7 Prozent (58/3519) bzw. 1,1 Prozent (22/2.058) der Lungenkrebspatienten auch Blasenkrebs hatten, wie die Urologen berichten. Die meisten von der Doppelerkrankung Betroffenen waren weiße Männer. Außerdem waren die meisten von ihnen Raucher mit mindestens 30 Packungsjahren (ein Packungsjahr entspricht zum Beispiel 20 Zigaretten pro Tag ein Jahr lang oder zehn pro Tag über zwei Jahre). Sie waren zum Zeitpunkt der Studien aktive Raucher oder hatten frühestens 15 Jahre vor Eintritt in die jeweilige Studie mit dem Rauchen aufgehört.

Da das Gesamtrisiko, an Lungenkrebs zu erkranken, bei den Teilnehmern der beiden Studien mit Blasenkrebs zwischen 4 Prozent und 5 Prozent liegt und damit deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung, halten die Urologen es für sinnvoll, ihre Kollegen zu ermuntern, Patienten mit Blasenkrebs mithilfe einer Niedrigdosis-CT-Aufnahme des Thorax auch auf Lungenkrebs zu untersuchen.

Originalpublikation: Krabbe LM et al. Should patients newly diagnosed with bladder cancer be screened for lung cancer? Int J Urol 2016: online 14. Jänner; DOI: 10.1111/iju.13052

springermedizin.de, Ärzte Woche 7/2016

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