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© Miklos Peter Vojnich
Vana sucht Studien zur Exposition von Menschen, die zu kongruenten Ergebnissen kommen. Einzelne Ergebnisse seien zu wenig.
 
Onkologie 14. Dezember 2015

„Es gibt bis jetzt noch niemanden, der nachweislich durch den Gebrauch von Handys verstorben ist.“

3 Fragen, 3 Antworten

Studien müssen wiederholbar sein und es muss dasselbe herauskommen wie beim ersten Mal! Was für Regisseur Klaus Scheidsteger die Strategie einer manipulierenden Mobilfunklobby ist, ist für Prof. Dr. Norbert Vana, den Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats Funk, eine „conditio sine qua non“. Die wenigen reproduzierten Studien hätten widersprüchliche Ergebnisse erbracht.

Kann man den Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs vergleichen mit einem möglichen Zusammenhang von Mobiltelefonie und Hirntumoren?

Vana: Das ist so als würden sie Äpfel mit Birnen vergleichen. Dieser Vergleich ist an den Haaren herbeigezogen. Das eine sind Fakten, das andere ist etwas, das man hineininterpretiert. Es gibt bis jetzt noch niemanden, der nachweislich durch den Gebrauch von Handys verstorben ist. Aber es gibt genug, die durch Rauchen verstorben sind. Das miteinander zu vergleichen ist sehr problematisch. Wobei man zum Rauchen noch sagen muss, dass ein Großteil des Lungenkrebs durch radioaktives Polonium verursacht wird, das im Tabak vorkommt und ein Alphastrahler ist. Das Polonium lagert sich in der Lunge ab. Die Grundlage für den Lungenkrebs ist geklärt. Das sind Mutationen im Zellkern, wo die DNA geschädigt wird, und ich brauche für die Schädigung der DNA eine bestimmte Energie. Eine eventuelle Grundlage für eine Schädigung durch Mobilfunk ist überhaupt nicht geklärt. Die Energie, die transportiert wird, liegt um sechs bis sieben Zehnerpotenzen unter der Energie, die ich brauche um Chromosomen zu schädigen. Daher ist der Vergleich völlig falsch.

Im Film „Thank you for calling“ wird eine Studie aus dem Jahr 1995 zitiert, laut der DNA-Strangbrüche nachgewiesen wurden.

Vana: Wissenschaftlich basiert gibt es bis heute keine Nachweise. Genau diese Untersuchung wurden in Berlin reproduziert und da ist nichts herausgekommen. Es gibt bis heute keinen Mechanismus, der erklärt, wie es aufgrund der geringen Energieübertragung zu Strangbrüchen kommen soll.

Gerade die Verpflichtung zur Reproduktion von Studien prangert der Film an, das sei Diskreditierung kritischer Forscher. Übertriebene Genauigkeit?

Vana:Das Problem ist, dass diese Studien beschreiben sollten, wie ihre Messungen der Exposition gemacht wurden. Das fehlt leider oft. Es gibt leider auch keinen Standard, mit welchen Geräten man das misst. Von der wissenschaftlichen Seite ist die Reproduzierbarkeit natürlich eine conditio sine qua non. Es gibt Bereiche, wo es nicht geht, ich kann den Urknall nicht wiederholen, aber bei Expositionsstudien ist das möglich. Was es gibt sind einerseits Untersuchungen, die festgestellt haben, dass die Ergebnisse vom Auftraggeber abhängen. Wenn sie von Selbsthilfegruppen oder von Gruppen, die sehr kritisch eingestellt sind, in Auftrag gegeben werden, kommt etwas anderes heraus als bei einer Gruppe, die von der Mobilfunkindustrie gesponsert wird. Das sind biased studies, daher sind beide Gruppen oft nicht an einer Wiederholung interessiert. Andererseits gibt es Studien, die wurden reproduziert, mitunter vom selben Autor, und dabei kam auch etwas anderes heraus. Wenn der Wissenschaftliche Beirat Funk Aussagen macht, dann schauen wir, ob es mehrere Studien gibt, die zu kongruenten Aussagen gelangen. Wenn es nur eine Studie gibt, ist der Sachverhalt nur sehr schwer zu beurteilen. Wenn mich meine Studenten fragen, wie ihre Dissertation ausschauen soll, sage ich ihnen folgendes: Wenn das jemand in fünf Jahren liest, muss er es nachvollziehen können und es muss das selbe herauskommen wie bei ihnen.

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