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Durch eine frühzeitige Antigen-Präsentation sollen T-Zellen gegen Mammakarzinomzellen gewappnet sein.
 
Onkologie 23. März 2015

Brustkrebs ist verhinderbar

Im Zuge der 14. St. Galler Brustkrebskonferenz wurde über Präventionsmöglichkeiten diskutiert.

In der westlichen Welt erkrankt etwa jede achte Frau an Brustkrebs. Umso wichtiger wären Präventionsstrategien. Medikamente und Impfungen befinden sich im Test, hieß es am 18. März zum Start der St. Galler Brustkrebskonferenz in Wien mit rund 5.000 Teilnehmern.

Weltweit erkranken jährlich rund 1,7 Millionen Frauen an einem Mammakarzinom. In Österreich werden rund 5.000 solche Diagnosen gestellt, die Zahl der jährlichen Todesopfer beträgt rund 1.600. Zwar haben sich die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten verbessert, am besten wäre es aber, man könnte das Auftreten eines Mammakarzinoms insgesamt verhindern.

„Epidemiologische Studien haben mehrfach bewiesen, dass ein gesünderer Lebensstil das Brustkrebsrisiko senkt. Frauen, die pro Woche vier Stunden Sport betreiben, weisen eine um 20 Prozent geringere Gefährdung auf“, sagte Dr. Powel Brown, Vorstand der Abteilung für Krebsprävention am MD Anderson Krebszentrum in Houston (US-Bundesstaat Texas). Es gehe aber darum, etwaige Vorsorgemaßnahmen möglichst zielgerecht für Hochgefährdete zu entwickeln.

Dafür gibt es einige Angelpunkte, weil Brustkrebs keine uniforme Erkrankung ist, sondern offenbar sehr heterogen aus vielen verschiedenen Formen besteht. Östrogenrezeptor-positiver Brustkrebs macht 60 bis 70 Prozent der Fälle aus. Hier ist der Tumor auf den Wachstumsimpuls durch die weiblichen Geschlechtshormone angewiesen. Weitere 15 bis 20 Prozent der Mammakarzinomerkrankungen fallen unter die HER-2-positiven Formen, wiederum 15 bis 20 Prozent der Tumore sind „Triple negativ“, das heißt, es gibt offenbar keine molekularen Charakteristika, über die man diese Tumore gut beeinflussen könnte.

Beim hormonabhängigen Brustkrebs gibt es jedenfalls bereits relativ gute Daten zur medikamentösen Prävention. „Die IBIS-1-Studie mit 7.154 Frauen im Alter von rund 50 Jahren hat gezeigt, dass eine fünf Jahre dauernde Behandlung mit Tamoxifen, einem Antiöstrogen, die Häufigkeit von östrogenabhängigem und invasivem Brustkrebs um 34 Prozent reduziert. Der Effekt bleibt auch nach dem Ende der Behandlung mehr als zehn Jahre lang erhalten“, sagte Mangesh Thorat vom Wolfson Institut für Präventivmedizin der Universität London. Auf 20 Jahre gerechnet könnte man das Brustkrebsrisiko damit wohl von 12,3 auf 7,8 Prozent senken. Statt eine von acht würde nur eine von dreizehn Frauen erkranken.

Impfungen erst am Anfang

Tamoxifen, das seit vielen Jahren in der Behandlung von Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs nach der Operation und einer allfälligen Strahlentherapie eingesetzt wird, hat als Präventionsmittel nur einen mäßigen Effekt. Doch es gibt neuere Arzneimittel, die mehr versprechen. „Mit sogenannten selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs; z. B. Raloxifen) erreicht man eine Senkung des Brustkrebsrisikos bei hormonabhängigen Tumoren um rund 50 Prozent. Mit Aromatasehemmern liegt diese Reduktionsrate zwischen 58 und 73 Prozent“, sagte der britische Experte Thorat. Die sogenannten Aromatasehemmer haben als Substanzen, welche die Östrogenproduktion des Körpers insgesamt blockieren, auch in der medikamentösen Therapie von dafür geeigneten Mammakarzinompatientinnen eine höhere Wirksamkeit als die Rezeptor-Modulatoren.

Bei der Untergruppe der HER-2-positiven Mammakarzinome wird derzeit versucht, die bei solchen Erkrankungen in der medikamentösen Therapie verwendeten Mittel, zum Beispiel monoklonale Antikörper wie Trastuzumab oder Enzymhemmer (z. B. Lapatinib), in die Prävention hinüber zu ziehen. Hier gibt es aber erst wenige und relativ kleine Studien mit Probandinnen, deren Resultate publiziert wurden.

Eine ganz andere Strategie stellen präventiv wirkende Vakzine gegen das Mammakarzinom dar. Prof. Dr. Nora Disis, Pathologin von der Universität Washington (USA) gab einen Überblick zu den derzeit laufenden Forschungsarbeiten: „Man weiß, dass Patientinnen, die im Tumorgewebe mehr infiltrierende Immunzellen aufweisen, eine bessere Prognose haben. Also sollte man durch eine Impfung die CD4-positiven T-Zellen Typ-1 aktivieren, welche die Immunantwort verstärken, und ebenso die Aktivität der CD8-positiven T-Zellen erhöhen, die Tumorzellen auflösen können.“

Schnell stießen Disis und ihre Kollegen bei der Entwicklung einer Vakzine mit Proteinbestandteilen aus Mammakarzinomen, die zu einer anhaltenden Abwehrreaktion gegen aufkeimende Tumore führen sollen, auf ein Problem, das die Onkologen mit ihren zunehmend auf die molekularbiologische Charakteristik der Karzinome ausgerichteten „personalisierten Therapien“ haben. „Das Repertoire an Antigenen ändert sich von Karzinomen im Frühstadium zu Karzinomen im fortgeschrittenen Stadium“, stellte die US-Wissenschafterin fest.

Während die Onkologen darauf mit wiederholten molekularbiologischen Untersuchungen von Tumorgewebe reagieren wollen, gehen die Krebsimpfstoffentwickler einen etwas anderen Weg. Disis erklärte das Prozedere: „Wir brauchen eine Immunität, bevor ein Karzinom massiv auftritt.“ Man sollte die im Impfstoff verwendeten Antigene in Richtung der für die Frühphase des Mammakarzinoms charakteristischen Proteine auswählen.

In einem Mausmodell mit wenigen Tieren gelang ein Mammakarzinom-Impfschutz mit einer Effektivität von rund 90 Prozent. Doch bis zu einer präventiven Mammakarzinom-Impfung für Frauen ist es noch ein weiter Weg.

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