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© William Davis / iStock / Thinkstock
Je älter ein Kind ist, desto geringer ist das Tumorrisiko, das durch eine CT-Untersuchung ausgelöst werden kann.
 
Onkologie 22. August 2014

Erhöhtes Krebsrisiko nach Kopf-Hals-CT

Kleine Kinder reagieren am empfindlichsten auf Röntgenstrahlen.

Nach einer Computertomografie (CT) im Kopf-Hals-Bereich soll das Krebsrisiko für Kinder um etwa 14 Prozent erhöht sein. Vor allem Schilddrüsen- und Hirntumoren scheinen nach CT-Untersuchungen häufiger aufzutreten, wie eine Literaturrecherche ergab.

Gerade in den Publikumsmedien wird immer vor Krebsgefahren durch eine diagnostische Exposition gegenüber Röntgenstrahlung gewarnt. Als Folge solcher Berichte kommt es dann zu einer spürbaren Verunsicherung der Patienten. Mit den beunruhigten Patienten haben aber in erste Linie nicht die Radiologen, sondern die Allgemein-, Kinder- und andere niedergelassene Fachärzte zu tun. Sie sollten daher für kritische Patientenfragen gewappnet sein, betonen HNO-Ärzte um Dr. Jenny Chen von der Harvard Medical School in Boston, USA. Sorgen machen sich vor allem Eltern, wenn bei ihren Kindern eine CT empfohlen wird, sind es doch gerade die Jüngsten, die am empfindlichsten auf Röntgenstrahlen reagieren.

Daten von über 850.000 Kindern

Die Ärzte um Chen haben daher recherchiert, ob es in der Literatur Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch CT-Untersuchungen gibt, vornehmlich durch solche im HNOBereich (Otolaryngol Head Neck Surg 2014, online 22. Juli) . Sie fanden insgesamt 16 Studien zu dem Thema. Diese enthielten Daten von über 850.000 Kindern und Jugendlichen, die per CT bestrahlt worden waren.

Direkte Hinweise lieferten vor allem zwei große Populationsstudien: In der einen wurde das Schicksal von etwa 680.000 Minderjährigen mit und elf Millionen ohne CT verglichen. Die Kinder und Jugendlichen mit CT waren im Schnitt knapp zehn Jahre nachuntersucht worden. Bei solchen mit einem CT im Gesichtsbereich war die Gesamtkrebsrate um 14 Prozent erhöht, der Unterschied war aber nur knapp signifikant. Mit Blick auf die einzelnen Tumoren waren Schilddrüsenkarzinome in der exponierten Gruppe um 53 Prozent, Hirntumore um 60 Prozent häufiger, doch auch hier wurde nur knapp eine statistische Signifikanz erreicht.

Etwas schlüssiger war die Evidenz bei CTs im Hals- und Nackenbereich: Die Rate für Schilddrüsenkarzinome war deutlich um 78 Prozent erhöht, die Gesamtkrebshäufigkeit um 13 Prozent. Eine deutlich erhöhte allgemeine Krebsrate wurde auch nach einem Hirn-CT beobachtet (plus 23 %), hier gab es vor allem gehäuft Hirntumoren (plus 200 %). Daraus berechneten die Studienautoren einen zusätzlichen Hirntumor bei Minderjährigen auf 4.000 Hirn-CTs. Die Rate war vor allem für Kinder unter fünf Jahren erhöht. Für andere Tumorarten war keine erhöhte Inzidenz nach CTs im Kopf-Hals-Bereich festzustellen.

Risiko und Nutzen einer CT bei Kindern abwägen

Die Ergebnisse werden von einer Studie mit knapp 180.000 exponierten Personen im Alter bis zu 23 Jahren mit Kopf-CT und ähnlich vielen ohne CT bestätigt. Die Inzidenz von Hirntumoren bei einer Strahlenbelastung von mehr als 50 mGy war 3,3-fach höher als bei einer Belastung unter 5 mGy. Rechnerisch kam hier ein zusätzlicher Hirntumor auf 10.000 Kopf-CTs. In ähnlicher Weise war in dieser Studie auch die Leukämieinzidenz erhöht, und auch hier war die Rate bei kleinen Kindern am höchsten.

Die übrigen 14 Studien bemühten mathematische Modelle zur Risikoberechnung und enthielten weniger klinische Daten. Sie wurden von den HNO-Ärzten um Chen daher auch weniger stark gewichtet. Doch auch diese Studien deuten auf ein erhöhtes Tumorrisiko nach CTs im HNO-Bereich. Sie kommen auf etwa 2 bis 60 zusätzliche Schilddrüsenkarzinome pro 1 Million CTs, und auch hier wird für die jüngsten Patienten das höchste Tumorrisiko angegeben.

Als Konsequenz aus diesen Daten fordern Chen und Mitarbeiter, Risiken und Nutzen einer CT gerade bei Kindern gut abzuwägen. Handelt es sich um Kleinkinder oder gar Säuglinge, so sollten Ärzte und Eltern überlegen, ob die Untersuchung nicht auf ein etwas höheres Alter mit einem deutlich reduzierten Krebsrisiko verschoben werden kann.

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