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Onkologie 10. März 2014

Neues von der Antiemese-Front

Müssen die Leitlinien neu geschrieben werden?

Ingwer und Olanzapin haben in letzter Zeit für Schlagzeilen als Hoffnungsträger bei der antiemetischen Therapie von Tumorpatienten gesorgt. Was ist davon zu halten?

Gleich mehrere heiße Antiemese-Eisen wurden beim DKK-Krebskongress 2014 in der Sitzung zur Supportivtherapie angepackt. Dr. Karin Jordan, Inneren Medizin IV am Universitätsklinikum Halle ging zunächst auf den Stellenwert einer ergänzenden antiemetischen Therapie mit Ingwer ein. Wie Wissenschaftler aus Heidelberg gezeigt haben, wirken Ingwerbestandteile antagonistisch am 5-HT3-Serotonin-Rezeptor. Das könnte eine antiemetische Wirkung erklären.

Die Knolle wirkt

Eine große randomisierte klinische Studie zu Ingwer in der antiemetischen Supportivtherapie wurde vor zwei Jahren publiziert.1 576 Patienten mit unterschiedlichen Chemotherapien erhielten eine leitliniengerechte antiemetische Therapie. Als Add-on wurde ab drei Tage vor Beginn der Chemotherapie Ingwer in Dosierungen von 0,5 bis 1,5 Gramm pro Tag oder Placebo eingenommen. Primärer Endpunkt war die Übelkeit am Tag 1 der Chemotherapie.

Im Ergebnis konnte die Studie eine signifikante (p=0,003) Verringerung des Schweregrads der akuten Übelkeit durch Ingwer im Vergleich zu Placebo demonstrieren. Am effektivsten waren dabei die Dosierungen 0,5 bzw. 1 Gramm pro Tag. Vor dem Hintergrund dieser Studie könne Ingwer in Zukunft durchaus einen zunehmenden Stellenwert in der antiemetischen Therapie einnehmen, betonte Jordan. Wünschenswert wären freilich weitere Studien, die das Einsatzspektrum noch etwas besser ausleuchten. Erst dann ist an eine Aufnahme in Leitlinien zu denken.

Olanzapin: Mehr als nur ein Rescue-Präparat?

Differenziert äußerte sich Jordan zu dem stark diskutierten Einsatz des atypischen Neuroleptikums Olanzapin in einer Dosis von 5 mg bis 10 mg täglich in der antiemetischen Therapie. „Unstrittig ist, dass 20 bis 30 Prozent unserer Patienten auch bei leitliniengerechter antiemetischer Therapie noch Probleme haben. Für diese Patienten ist Olanzapin ohne Zweifel eine sinnvolle Rescue-Option“, betonte die Expertin.

Die kürzlich aktualisierte Antiemesis-Leitlinie des internationalen National Comprehensive Cancer Network (NCCN) geht freilich einen ganzen Schritt weiter. Hier wird eine Olanzapin-haltige antiemetische Kombinationstherapie als gleichwertige Alternative zum bisherigen Triple-Therapie-Standard bei hoch emetogener Chemotherapie aufgeführt. Basis dafür sei im Wesentlichen eine Phase-III-Studie, in der eine antiemetische Kombinationstherapie aus Olanzapin, Palonosetron und Dexamethason genauso effektiv war wie die Kombination Aprepitant/Palonosetron/Dexamethason.2

Bisherige Triple-Therapie sollte Standard bleiben

Trotz dieser Daten hält Jordan die NCCN-Leitlinienrevision für etwas voreilig: Zwar seien das ohne Zweifel interessante Ergebnisse, doch bleibe der Evidenzlevel für den bisherigen Standard einer Dreierkombination aus NK1-Antagonist, Steroid und 5HT3-Blocker wesentlich höher. Die Expertin plädierte deswegen dafür, bis auf Weiteres in der antiemetischen Firstline-Therapie am bisherigen Standard festzuhalten. Das sei auch im Einklang mit den weiterhin aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften ASCO und MASCC/ESMO.

 

1Support Care Cancer 2012; 20(7):1479-89

2J Support Oncol 2011; 9(5):188-95

Quelle: 31. Deutscher Krebskongress (DKK), 19.–22. Februar 2014, Berlin

springermedizin.de, Ärzte Woche 11/2014

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