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Onkologie 15. Februar 2014

Onkopedia

Leitlinien und Wissensdatenbank zum Thema Krebs.

Führende Krebsexperten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum haben Leitlinien für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen ausgearbeitet. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Wissensdatenbank, die weltweit auf Interesse stößt.

„Zum Thema Krebs sind im Vorjahr an die 133.000 Publikationen erschienen, etwa 17.000 alleine zum Mammakarzinom“, berichtet Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO). „Es ist für den einzelnen unmöglich, das alles zu lesen. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, müssen die Informationen gebündelt an die Ärzte herangetragen und laufend aktualisiert werden.“

Genau das war die Motivation für die Wissensdatenbank „Onkopedia“. In einem gemeinschaftlichen Projekt haben die Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie rund 350 Experten an einem – virtuellen – Tisch versammelt, um ihr Spezialwissen aus ihren Fachgebieten in Onkopedia einzubringen. Das Ergebnis ist unter der Adresse www.onkopedia.at zu sehen: aktuelle Leitlinien für die Krebsbehandlung.

„Hier kann sich der Arzt schnell orientieren, was heute State of the Art ist: beim Lungenkarzinom, beim Mammakarzinom, beim Melanom, bei der akuten Leukämie und bei vielen anderen, auch seltenen Tumorarten“, erklärt Samonigg. Ausführliche, aber übersichtliche, schnell auffindbare Informationen finden sich hier nicht nur zur Therapie, inklusive supportiver Therapie, sondern auch zur Epidemiologie, Diagnostik, Rehabilitation und Nachsorge.

Inzwischen sind mehr als 67 Leitlinien auf Onkopedia verfügbar, weitere 16 sind laut Samonigg in Ausarbeitung, darunter seltene Hirntumore und neuroendokrine Tumore. Selbstverständlich werden die Empfehlungen laufend auf den neuesten Stand gebracht.

Zusätzlich bietet das Portal auch Zugang zu Studienergebnissen, Protokollen der medikamentösen Therapie und zu einem Überblick über den Zulassungsstatus von Medikamenten. „Damit ist Onkopedia ein maßgebliches Element der Qualitätssicherung. Alle Ärztinnen und Ärzte sind eingeladen, sich an diesen Leitlinien zu orientieren. Denn sie umfassen die jeweils neuesten Erkenntnisse“, so Samonigg.

Bedarf besteht

„Mehr als 70.000 Nutzer greifen pro Monat auf Onkopedia zu, eine Million Seiten wurden geöffnet“, berichtet Samonigg. Die Klicks und Zugriffe kommen nicht nur aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, sondern aus der ganzen Welt, sodass nun auch an einer englischsprachigen Version gearbeitet wird, die bis zum Sommer fertig sein soll.

„Dass die Empfehlungen auf breite Akzeptanz stoßen, zeigt unter anderem die Tatsache, dass immer mehr deutsche Krankenkassen sie als Standard für die Bewertung von Therapien und Erstattung von Medikamenten heranziehen“, so Samonigg. „Und in der Qualitätssicherung wird immer öfter darauf verwiesen.“

Version für Patienten in Arbeit

Onkopedia ist zwar frei zugänglich, die Zielgruppe sind aber Ärztinnen und Ärzte. Eine laiengerechte Aufarbeitung der Informationen ist laut Samonigg in Arbeit und soll Patienten und Angehörigen im Frühsommer zur Verfügung stehen.

Die Patientenversion erklärt die Krankheit und bündelt Informationen über Vorbeugung und Früherkennung, Krankheitszeichen, Untersuchungen, Behandlung, Medikamente, Rehabilitation und Nachsorge. Außerdem werden Links zu Selbsthilfegruppen und Experten angeführt sein. In der Zwischenzeit können sich Betroffene auf www.krebspatienten.info, einer Initiative der OeGHO, informieren.

Quelle: Pressegespräch „Onkopedia – aktuelle Leitlinien für die Krebsbehandlung“, Wien, 24. Jänner 2014

C. Lindengrün, Ärzte Woche 7/2014

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