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Nephrologie 1. Jänner 2012

Ist die konventionelle Spendernephrektomie zur Nierenlebendspende noch zeitgemäß?

EINLEITUNG: Die Nierenlebendspende stellt ein etabliertes Verfahren dar, um die Zeit auf der Warteliste zur Nierentransplantation bei anhaltendem Organmangel zu verkürzen. Trotz weltweiter Etablierung laparoskopischer Verfahren zur Spendernephrektomie, werden in Deutschland mehr als 80 % der Nephrektomien im Rahmen der Lebendspende auf konventionelle Art durchgeführt. Ziel dieser Analyse war die retrospektive Auswertung der perioperativen Daten und die Neuerhebung von Langzeitnachsorge-Daten der Spender und Empfänger nach konventioneller Spendernephrektomie.

METHODIK: Von Februar 2004 bis Juli 2008 wurden an der Abteilung für Transplantationschirurgie der Universität Tübingen insgesamt 51 konventionelle Nierenlebendspenden bei Erwachsenen durchgeführt. Ausgewertet wurden 45 Spenden. Postoperative Komplikationen wurden zur besseren Vergleichbarkeit nach der Kocak-Klassifikation eingeteilt.

ERGEBNISSE: Das 5-Jahres-Transplantatüberleben betrug 100 %. Intraoperativ traten keine Komplikationen auf. Postoperativ fanden sich bei 10 Spendern (22,2 %) Komplikationen ersten Grades nach der Kocak-Klassifikation. In der Langzeitnachsorge traten bei keinem Spender schwerwiegenden Komplikationen auf. Zwei Spender (4,4 %) entwickelten eine behandlungsbedürftige arterielle Hypertonie. Eine Proteinurie trat bei keinem der Spender auf. Vergleicht man den stationären Aufenthalt unter Einbezug der Operationstechnik (transabdominell rechts vs. lumbal linksseitig), zeigt sich, dass die transabdominelle Entnahme in einer signifikant früheren Entlassung resultierte, als die linksseitige lumbale Nephroureterektomie (7,8 ± 2,4 vs. 9,2 ± 1,8 Tage, p < 0,05).

SCHLUSSFOLGERUNG: Die konventionelle Spendernephrektomie stellt ein sicheres Verfahren bei der Nierenlebendspende mit exzellentem Transplantatüberleben dar. Die Komplikationsraten bei der konventionellen Spendernephrektomie in unserem Zentrum sind mit den aktuellen Ergebnissen zur laparoskopischen Spendernephrektomie vergleichbar. Daher hat die konventionelle Entnahmetechnik nach wie vor einen hohen Stellenwert.

Karolin Thiel, Christian Thiel, Martin Schenk, Ruth Ladurner, Silvio Nadalin, Nils Heyne, Alfred Königsrainer, Wolfgang Steurer, Wiener klinische Wochenschrift 1/2/2012

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