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Prof. Dr. Julia MascherbauerUniv.-Klinik fürInnere Medizin II,MedUni WienWilke
 
Kardiologie 19. Juli 2016

Die individuelle Ausprägung der Erkrankung anerkennen

Die personalisierte Medizinin der Kardiologie hat zum Ziel, die Effektivität der Behandlung zu steigern, unerwünschte Effekte zu vermeiden und die Kosten zu reduzieren.

Hinter gängigen Diagnosen verbirgt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Prognose und unterschiedlichem Ansprechen auf bestimmte Therapien, sagt Univ.-Prof. Dr. Julia Mascherbauer, MedUni Wien, Vorstandsmitglied der ÖKG, bei einem Pressegespräch anlässlich der Jahrestagung der ÖKG.

Schnellere und bessere Diagnosen durch MRI

Neue Untersuchungsmethoden leisten hier einen wesentlichen Beitrag. Ein Beispiel ist die Abklärung von Patienten mit Dyspnoe: Bei ihnen kann eine Untersuchung des Herzens mittels MRT einen wesentlichen Beitrag zu einer raschen und korrekten Diagnosestellung leisten. Mittels Herz-MRT ist neben der Beurteilung der Pumpleistung der Grad der diffusen Narbenbildung (Fibrosierung) im Herzmuskel messbar. Außerdem sind Herzmuskelspeicher-Erkrankungen wie zum Beispiel eine Herzamyloidose mit dieser Methode leicht zu diagnostizieren. Die Kombination mehrerer bildgebender Verfahren kann zusätzliche Informationen liefern. Beispielsweise kann mittels MRT und Herzultraschall zwischen verschiedenen Formen der Herzinsuffizienz differenziert werden. Prof. Mascherbauer: „Ebenfalls wichtige Informationen kann die invasive Vermessung der Druckwerte in den Lungengefäßen mittels Herzkatheter liefern uns so entscheidend zur Diagnosestellung bei unklarer Dyspnoe beitragen.“

Biomarker und Risiko-Scores erleichtern die Individualisierung

„Einen wichtigen Beitrag zur individualisierten Diagnostik und Therapie leisten Biomarker wie das Troponin T oder NTproBNP. Sie eignen sich einerseits zur Früherkennung von Herzinfarkten, darüber hinaus aber auch zur Abschätzung des individuellen Risikos. Untersuchungen, an denen die MedUni Wien maßgeblich beteiligt war, legen nahe, dass Diabetiker mit erhöhtem NTproBNP ein massiv erhöhtes Herzinfarktrisiko aufweisen und wahrscheinlich eine entsprechend aggressive Therapie beispielsweise eines Bluthochdrucks benötigen. Untersuchungen aus Österreich zum Fetthormon Chemerin zeigen, dass dieses eine Rolle als Biomarker für das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall übernehmen könnte. Prof. Mascherbauer: „Chemerin könnte sowohl bei der Identifikation von neuen Patienten mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko, als auch zur Überwachung der Wirksamkeit der Therapie nützlich sein.“

Interessant sind auch Risikoscores wie der unter Beteiligung der Harvard Medical School entwickelte DAPT (Duale Antiplättchen-Therapie)-Risikoscore, der dabei helfen soll zu erkennen, welche Patienten von einer verlängerten Therapie profitieren und welche nicht.

Verstärkte Individualisierung ist laut Prof. Mascherbauer auch aus ökonomischen Gründen das Gebot der Stunde. Aus der Entwicklung der letzten Jahre kann man zweifelsfrei schließen, dass sich die rasanten Fortschritte im Bereich der Kardiologie mit gleicher Geschwindigkeit weiterentwickeln wird und die im Bereich der Herz- Kreislauf-Erkrankungen benötigten Ressourcen zunehmen werden. Diesem steigenden Bedarf stehen allerdings immer knappere Geldmittel gegenüber, sodass sehr intensiv darüber nachgedacht werden muss, wie die vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden können. Die personalisierte Medizin wir einen wesentlichen Beitrag zu einer optimalen Ressourcennutzung leisten, ist Mascherbauer überzeugt.

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