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Kardiologie 24. Februar 2016

Der kardialen Regeneration einen Schritt näher

Kardiologen aller Weltträumen davon, die volle Funktionstüchtigkeit geschädigter Herzen wiederherstellen zu können. Neue Erkenntnisse zeigen, dass es prinzipiell funktioniert.

Im Tierversuch ist Herzregeneration schon möglich. Unklar war aber, ob sich auch menschliche Herzen regenerieren können. ForscherInnen am IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und ÄrztInnen an der Medizinischen Universität Innsbruck haben nun zum ersten Mal bei einem Säugling die vollständige klinische und funktionelle Regeneration des Herzens nach einem Infarkt beschrieben.

Die verantwortlichen Mechanismen aufklären

Diese erstaunliche Entdeckung nährt die Hoffnung, dass in der Zukunft gezielte Herzregeneration beim Menschen möglich sein könnte. Das Neugeborene erlitt bereits in der ersten Stunde seines Lebens einen massiven Herzinfarkt, verursacht durch den kompletten Verschluss eines Herzkranzgefäßes. „Das Herz des Babys war schwer geschädigt, erstaunlicherweise erholte es sich aber sehr schnell wieder“, berichten der Innsbrucker Kardiologe und Forscher Dr. Bernhard Haubner und die Kinderkardiologin Dr. Johanna Schneider in einem rezenten Artikel der Fachzeitschrift „Circulation Research“ (Circ Res. 2015 Dec 9. [Epub ahead of print]).

„Eineinhalb Monate nach seiner schweren Erkrankung konnten wir das Kind mit normaler Herzfunktion entlassen. Diese Beobachtung beweist, dass sich ein menschliches Herz nach einer massiven Schädigung vollständig erholen kann“, meint Univ.-Prof. Dr. Jörg-Ingolf Stein, bis vor kurzem Leiter der Kinderkardiologie an der MedUni Innsbruck. Eine Entdeckung mit riesigem Potenzial, schließlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der westlichen Welt die häufigste Todesursache.

Einmal abgestorbenes Myokardgewebe konnte sich bei Erwachsenen bisher nicht effizient regenerieren, trotz innovativer Ansätze wie etwa der Stammzelltherapie. ForscherInnen wissen aber aus der Tierwelt, dass eine lebenslange Regeneration des Herzens prinzipiell möglich ist, wie etwa bereits bei Fischen und bei neugeborenen Mäusen beobachtet. Der Schluss liegt daher nahe, das dieselben Mechanismen bei Mensch und Tier für eine Regeneration von Herzmuskelzellen sorgen.

IMBA Direktor Univ.-Prof. Dr. Josef Penninger betont die enorme Bedeutung dieser Erkenntnis: „Wenn wir also die Mechanismen der Herzregeneration bei der Maus und in weiterer Folge beim Menschen lückenlos aufklären, könnten wir gezielt die Regeneration von Myokardzellen aktivieren oder fördern. Möglicherweise lässt sich dann in Zukunft auch die Funktion erwachsener Herzen nach einem Herzinfarkt wieder vollständig regenerieren.“ Vielversprechende Neuigkeiten gibt es auch von ganz anderer Seite. Stichwort: Stoßwellentherapie.

Mit Stoßwellen ischämisch geschädigtes Myokard regenerieren

Stoßwellen werden in der Medizin schon lange eingesetzt, und zwar nicht nur zur Nierensteinzertrümmerung, sondern auch zur Behandlung von Wundheilungsstörungen, Pseudoarthrosen und Sehnenansatzerkrankungen.

Seit Kurzem wird der regenerative Effekt der Stoßwellen auch am Herzen angewendet.

Die Induktion von Angiogenese und die Modulation der Inflammation zählen zu den zahlreichen positiven Effekten der kardialen Stoßwellentherapie, wie bahnbrechende Arbeiten einer Forschungsgruppe um Dr. Johannes Holfeld, Univ.-Klinik für Herzchirurgie, MedUni Innsbruck, zeigen. Nach beeindruckenden Ergebnissen einer Pilot-Studie, in der Patienten im Rahmen einer aortocoronaren Bypass-Operation eine einmalige Applikation von niederfrequenten Stoßwellen am offenen Herzen erhielten, ist nun eine große internationale Studie unter der Leitung von Dr. Holfeld geplant.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Cardio News Austria dazu ein Gespräch mit dem Herzchirurgen Dr. Holfeld.

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