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Kardiologie 15. Dezember 2015

Neues zum „Broken Heart Syndrom“

Nicht alles, was wie ein Herzinfarkt aussieht, ist auch tatsächlich ein solcher. Immerhin zwei Prozent aller „akuten Koronarsyndrome“ dürften auf einer Stress-Kardiomyopathie beruhen.

Erstmals beschrieben wurde die Stress-Kardiopathie, auch Tako-Tsubo- bzw. „Broken Heart“-Syndrom genannt, vor knapp 25 Jahren vom japanischen Kardiologen Sato. Er beschrieb die typische apikale Ballonierung des Herzens und verglich sie mit der japanischen Oktopusfalle, ein historischer Tonkrug mit schmaler Öffnung und breitem Bauch.

„Die Stress-Kardiomyopathie betrifft zu 90 Prozent Frauen“, betonte Dr. Veronika Eder anlässlich einer vom KH der Elisabethinen organisierten Herzinsuffizienz-Tagung am 6. November 2016 in Linz. „Warum das Geschlechterverhältnis derart ungleich ist, und warum das Risiko mit steigendem Alter zunimmt, ist nicht geklärt, hormonelle Einflüsse werden vermutet.“

Laut Aussagen der Kardiologin ist die Unterscheidung zwischen einem „Broken Heart Syndrome“ und einem Herzinfarkt nicht immer einfach. Zwar zeige die Echokardiografie ein typisches Bild. Die korrekte Diagnose sei letztendlich aber nur mittels angiografischem Ausschluss von Koronarstenosen möglich.

Im Echo zeigt sich eine ausgeprägte Störung der Wandbewegung der von Teilen der linken Herzkammer. „Mittlerweile wissen wir allerdings, dass die Stress-Kardiomyopathie auch andere Bereiche des Herzens betreffen kann, auch eine Beteiligung der rechten Herzkammer mit entsprechenden Einschränkungen der Funktion ist möglich“, sagt Dr. Eder. „Jedenfalls fehlen bei der Stress Kardiomyopathie die für den Infarkt typischen Verschlüsse von Herzkranzgefäßen sowie Vernarbungen des Herzmuskels.“ Daher wird empfohlen, dass alle Patienten mit Verdacht auf Stress-Kardiomyopathie einer Herzkatheter-Untersuchung unterzogen werden. Auch wenn dabei im Hinblick auf einen Herzinfarkt Entwarnung gegeben werden kann, muss man die Erkrankung in jedem Fall ernst nehmen. Aufgrund des hohen Komplikationsrisikos – auch ein kardiogener Schock ist möglich – müssen die Patienten in der Akutphase engmaschig überwacht werden. In weiterer Folge sind die Chancen, sich von der Kardiomyopathie zu erholen, sehr gut. Die Pumpfunktion der linken Herzkammer erholt sich meist sehr rasch. Laut den heute verfügbaren Daten beträgt die Zeit bis zur kompletten Erholung sieben bis 37 Tage.

Zur Therapie gibt es aufgrund der spärlichen Datenlage derzeit keine einheitlichen Empfehlungen. Man richtet sich nach den Leitlinien für das Management der Herzinsuffizienz. Laut Dr. Eder bedarf es noch vieler Studien, um diese Erkrankung besser zu verstehen, und möglicherweise zu einer gezielten Therapie zu finden. Diese sollte vor allem das Wiederauftreten der Krankheit, mit dem bei zirka zwei bis zehn Prozent der Betroffenen zu rechnen ist, zu verhindern.

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