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Kardiologie 9. Oktober 2015

Bei Multimorbidität Training gezielt einsetzten

Gezieltes körperliches Training ist auch für multimorbide Patienten geeignet. Allerdings sollte vor Trainingsbeginn die medikamentöse Therapie optimiert werden.

Dass praktisch alle chronisch kranken Patienten von mehr Bewegung profitieren, konnte in Studien wiederholt gezeigt worden. Allerdings sind die meisten Untersuchungen mit Patienten durchgeführt worden, die an einer isolierten Erkrankung litten. In der Praxis stellt dies jedoch die Ausnahme dar. Denn viele Patienten, vor allem ältere, sind multimorbid, sodass es gilt, bei der Trainingstherapie verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Prof. Dr. Josef Niebauer, Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg verdeutlichte dies beim ESC-Kongress in London anhand eines Fallbeispiels. Der Experte präsentierte eine 75-jährige Patientin, die neben einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung und einer Gonarthrose auch kardial vorgeschädigt war. Nach einem transmuralen Infarkt war die Revaskularisierung nur inkomplett möglich. Ohne Frage stellt eine Trainingstherapie in dieser Situation einen wichtigen Therapiebaustein dar, doch wie lassen sich negative Effekte vermeiden?

Für alle drei Erkrankungen gelte, dass die medikamentöse Therapie vor Beginn der Trainingstherapie optimal eingestellt werden sollte, betonte der Kardiologe. Dann ist zu prüfen, welche ungünstigen Wirkungen bei dieser Ausgangssituation überhaupt eintreten könnten. Bezüglich der COPD sind dies fortschreitende Überblähung und Dyspnoe, die Kniebeschwerden könnten verstärkt und die Progredienz der Knorpelschäden forciert werden. Der imitierende Faktor ist aber die kardiale Situation.

Niebauer: „Nach inkompletter Revaskularisierung ist darauf zu achten, Ischämien und Rhythmusstörungen zu vermeiden. Das heißt: Vor Aufnahme der Trainingstherapie muss ein Stresstest durchgeführt und die die antianginöse Medikation optimiert werden. Zudem sollte die Intensität der Belastung beim Training unter 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz bleiben.“

Insgesamt eignet sich für diese Patientin ein Ausdauer-Intervalltraining. Diese Form des Trainings ist für die kardiale Situation nachweislich von Vorteil. Aufgrund der COPD macht es Sinn, das Intervalltraining durch Sauerstoff zu unterstützen: Bei eigenen Patienten konnte Niebauer feststellen, dass dies die maximale Sauerstoffaufnahme und die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich steigert.

Zusätzlich sollte der Patientin ein Krafttraining angeboten werden, weil viele COPD-Patienten hier starke Defizite aufweisen. Aufgrund der Arthrose sollte beim Krafttraining eher mit leichten Gewichten und vielen Wiederholungen gearbeitet werden.

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