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Kardiologie 9. Oktober 2015

Hypertonie bei jungen Männern unterschätzt

Laut einer Innsbrucker Gender-Studie ist Bluthochdruck der wichtigste Erklärungsfaktor für das erhöhte Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko von Männern jüngeren Alters im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen.

Die beim ESC vorgestellte Kohortenstudie basiert auf der Vorarlberger Gesundenuntersuchungs-Datenbank, die zwischen 1985 und 2004 aufgebaut wurde. Über einen durchschnittlichen Zeitraum von 14,6 Jahren wurden bei 117.264 Personen, die zum Zeitpunkt der Gesundenuntersuchung jünger als 50 Jahre waren, und bei 54.998 älteren Personen insgesamt 3.892 Todesfälle aufgrund von koronarer Herzkrankheit (KHK) registriert. Der Auswertung zufolge haben Männern unter 50 Jahren eine im Vergleich zu Frauen um den Faktor 4,7 erhöhte Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Krankheiten.

40,9 Prozent des unterschiedlichen Risikos zwischen den Geschlechtern ging in dieser Altersgruppe auf das Konto der bekannten Risikofaktoren, wobei der dominierende Faktor der systolische Blutdruck war, mit einem Erklärungswert von 21,7 Prozent. „Erst dann kam Cholesterin mit einem Erklärungswert von 10 Prozent“, so DI Josef Fritz, MedUni Innsbruck, Erstautor der angeführten Studie. Bluthochdruck, so Fritz weiter, „sollte zwar bei allen Menschen rechtzeitig erkannt und durch entsprechende Lebensstilveränderung oder medikamentöse Therapie behandelt werden, bei jüngeren Männern scheint dies aber von geradezu lebensrettender Bedeutung zu sein.“

An der der generellen Risikoeinschätzung ändere sich nichts, betonen die Studienautoren. Neben dem Bluthochdruck sind weiterhin auch erhöhtes Cholesterin, Hyperglykämie sowie Rauchen im Sinne der Herzgesundheit zu vermeiden.

Im Kollektiv der unter 65-Jährigen sterben in Europa pro Jahr zwar deutlich weniger Frauen als Männer (etwa 77.000 vs. 253.000) an der koronaren Herzerkrankung. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied verengt sich aber mit zunehmendem Alter, sodass über die gesamte Lebensspanne gesehen absolut sogar mehr Frauen als Männer an der KHK versterben. Dennoch ist der Überlebensvorteil von Frauen eindeutig.

Die Erklärungsansätze für diesen ausgeprägten Geschlechterunterschied reichen vom Einfluss der Hormone (Östrogene, Testosteron) bis hin zu Lebensstilfaktoren.

Informationen darüber, wie sehr einzelne etablierte Risikofaktoren dazu beitragen, könnte für das ärztliche Handeln im Alltag von erheblicher praktischer Bedeutung sein.

 

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