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© Dietmar Mathis
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V. l. n. r. Univ.-Prof. Dr. Hugo Saner (Inselspital, Bern), Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber (Wilhelminenspital, Wien), Prim. Univ.-Doz. Dr. Werner Benzer (LKH Feldkirch), Univ. Prof. Dr. Gert Mähr (Feldkirch), Prim. Dr. Dietmar Striberski (LKH Bludenz), Em. Univ. Prof. Dr. Otmar Pachinger (MedUni Innsbruck), CHA Dr. Andreas Künzli (Klinik Kreuzlingen)

© Dietmar Mathis
 
Kardiologie 3. Juli 2015

Der Gründer des Vorarlberger Herzinfarktnetzwerks blickt zurück

Kürzlich feierte der Herzspezialist Werner Benzer mit einem wissenschaftlichen Symposium zum Thema moderne Therapie des akuten Myokardinfarktes seinen Abschied am Landeskrankenhaus Feldkirch.

Die moderne Herzinfarkttherapie ist untrennbar mit seinem Namen verbunden, nämlich mit dem von Prim. Univ.-Doz. Dr. Werner Benzer. Nach 37 Jahren am LKH Feldkirch wird sich der langjährige Leiter der Interventionellen Kardiologie neuen Aufgaben widmen. Seine Herzensangelegenheit, die Kardiologie, wird dabei weiterhin eine Rolle spielen. Bei seinem offiziellen Abschied aus dem Herzinfarktnetzwerk Vorarlberg zollten ihm langjährige Weggefährten Respekt und blickten gemeinsam auf die erfolgreiche Entwicklung des Faches Kardiologie in den letzten vier Jahrzehnten zurück.

Aktiv mitgestalten lautet Benzers Devise

Kernpunkt dieses Erfolges war zunächst die Einführung der Herzüberwachungsstationen, auf denen man die gefährlichste Akutkomplikation des Herzinfarktes, das Kammerflimmern, frühzeitig erkennen und behandeln konnte. Bald darauf folgten die ersten Notarztsysteme, die Kammerflimmern bereits präklinisch behandeln konnten. Nach Vorliegen der Ergebnisse der TIMI-, GUSTO-, ASSENT- und anderen Studienserien kam der Durchbruch der systemischen Fibrinolysetherapie beim akuten Herzinfarkt. Schließlich folgten der Aufbau regionaler Infarktnetzwerke, der Siegeszug der primären PCI und die damit einhergehende Etablierung der 24-Stundenversorgung im Herzkatheterlabor. All dies ermöglichte eine Senkung der Mortalität des Herzinfarktes von 15 bis 20 Prozent in den 1970er Jahren auf aktuell unter 5 Prozent.

„Als engagierter Arzt und Kardiologe eine solche Entwicklung miterleben, ja mitgestalten zu können, war für mich eine große persönliche Erfüllung“, betonte Benzer im Rahmen des Abschiedssymposiums und unterstrich, dass ihm die flächendeckende Akutversorgung des Myokardinfarktes besonders am Herzen liegt. Mittels Notarzthubschrauber (Radius 10 Minuten) bzw. dem Notarztwagen (Radius 50 km) können bei rechtzeitiger Alarmierung Patienten von ganz Vorarlberg innerhalb des geforderten Zeitfensters einer primären perkutanen Koronarintervention (pPCI) zugeführt werden, ist Benzer stolz auf dieses Netzwerks, das von ihm aufgebaut den betroffenen Patienten rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr eine leitliniengerechte und umfassende Behandlung ermöglicht.

Die optimale Logistik und Koordination sind hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Benzer: „Laut ÖKG-Benchmark-Report aus dem Jahr 2014 lag das Herzinfarktnetzwerk Vorarlberg in Bezug auf alle „Timelines“ – Gesamtischämiezeit, Intervall vom Schmerzbeginn bis zum ersten medizinischen Kontakt bzw. vom ersten medizinischen Kontakt bis zur Ballondehnung und Door-to-Ballon-Zeit – unter dem Bundesdurchschnitt.“

Medizin nahe am Patienten

Für Benzer ist bezüglich Myokardinfarkt jedoch nicht nur die Akutversorgung von entscheidender Bedeutung. Auch die Prävention und Rehabilitation liegen dem Kardiologen und Sportmediziner am Herzen.

Als Benzer 1980 seine kardiologische Karriere am LKH Feldkirch begann, mussten Herzinfarktpatienten in der Akutphase noch strenge Bettruhe einhalten. „Heute wissen wir über den Nutzen einer frühen, gezielten Rehabilitation Bescheid“, berichtete Dr. Hugo Saner, Leiter der Präventiven Kardiologie und Sportmedizin, Inselspital Bern beim Abschiedssymposium. „Damals hat es viel Mut gebraucht, die ersten Patienten zu mobilisieren. Benzer hatte diesen Mut und war ein Rehabilitationsbefürworter der ersten Stunde.“

Tatsächlich beschäftigt sich Benzer seit Jahrzehnten mit patientenorientierten Projekten in der kardiologischen Prävention, Therapie und Rehabilitation und hat dafür bereits mehrfach nationale und internationale Anerkennung geerntet. So wurde ihm von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) als bisher einzigem Österreicher die „Peter Beckmann“-Medaille für besondere Verdienste um die kardiologische Rehabilitation verliehen.

Freilich sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rehabilitation umso größer, je weniger Myokard im Rahmen des akuten Infarktgeschehens zugrunde geht. Auch hier kommt die optimale strukturelle Versorgung zum Tragen. „Denn je früher eine Revaskularisation im Herzkatheterlabor erfolgt, desto kleiner kann das geschädigte Areal gehalten werden“, betonte Univ.-Prof. Dr. Otmar Pachinger im Rahmen des Symposiums.

Was nicht in Erfüllung ging, war Benzers Wunsch, ein professionelles Case-Management zur strukturierten Betreuung von Patienten nach einem kardialen Ereignis oder mit chronischer Herzinsuffizienz aufzubauen. Aber das wird vielleicht eine Aufgabe für seinen Nachfolger Priv.-Doz. Matthias Frick, der mit ersten Juli 2015 von der Klinik Innsbruck ans LKH Feldkirch gewechselt hat und dort die Geschicke der Interventionellen Kardiologie leiten wird.

Am Rande des Symposiums wurde ein Folder präsentiert, der in übersichtlicher Form die neuesten Empfehlungen zur antithrombotischen Therapie bei stabiler Angina pectoris und akutem Koronarsyndrom vor und nach Revaskularisation beinhaltet. Diese Empfehlungen wurden gemeinsam von Benzer und Frick erarbeitet und sind bereits neuer Bestandteil der Standard Operation Procedures (SOPs) des Herzinfarktnetzwerks Vorarlberg geworden.

Zum Schluss wünschte Benzer seinem engagierten Ärzteteam alles Gute für die Zukunft. Zur Frage, in welcher Form er der kardiologischen Landschaft erhalten bleiben wird, verriet er, sich in Zukunft noch mehr als bisher für die weitere Verbreitung der mit einer soliden Evidenz ausgestatteten kardiologischen Rehabilitation nach einem Herzinfarkt einzusetzen. Auch wird er die Interventionelle Kardiologie nicht ganz hinter sich lassen. Ein konkretes Angebot einer Privatklinik im unmittelbar benachbarten Ausland zur Übernahme der Leitung eines Herzkatheterlabors und Aufbau eines ambulanten Herz-Kreislaufpräventionszentrums liegt bereits vor.

 

neuer Leiter der Interventionellen Kardiologie

PD Dr. Matthias Frick

Mit 1. Juli 2015 hat Priv.-Doz. Matthias Frick die Leitung des Institutes für Interventionelle Kardiologie am akademischen Lehrkrankenhaus Feldkirch übernommen. Der gebürtige Feldkircher kehrt somit nach mehrjähriger Tätigkeit als stv. Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie der MU Innsbruck in seine Heimatstadt zurück.

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