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© TILAK/Günter Kresser
Univ.-Prof. Dr. Franz, Wolfgang-Michael, MedUni Innsbruck
 
Kardiologie 3. Juli 2015

Experten warnen vor Kardiologenmangel

Um die kardiologische Versorgung auf hohem Niveau halten zu können,  bedarf es ausreichend vieler Fachärzte. Ab 2020 droht ein Mangel.

Die Menschen erwarten, dass das Versorgungsniveau in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich nicht absinken wird, betonte Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Michael Franz, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin/Kardiologie, Innsbruck, und Vorstandsmitglied der ÖKG, anlässlich der Jahrestagung in Salzburg. Außerdem muss sich dieses Versorgungsniveau weiterhin an EU-Standards orientieren. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass ausreichend viele Kardiologinnen und Kardiologen zur Verfügung stehen.“

Bis 2020 braucht Österreich 654 Kardiologinnen und Kardiologen

Angesichts dieser Herausforderungen hat die ÖKG erhoben, wie viele Kardiologen in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, wie viele Kardiologen versorgungswirksam tätig sind, wie der Bedarf ist und wie viele Ausbildungsstätten in Zukunft benötigt werden. Das Ergebnis zusammengefasst: Es wird eng, was die Versorgung von Herzpatienten betrifft.

Ein hoher Prozentsatz der österreichischen Kardiologinnen und Kardiologen ist heute Mitte bis Ende 50 und wird in spätestens zehn Jahren in Pension gehen. Prof. Franz: „Alleine aufgrund des Alters der Kolleginnen und Kollegen müssen wir davon ausgehen, dass wir in den Jahren 2020 bis 2030 60 Prozent der Kollegenschaft ersetzen müssen.“ Als wäre das noch nicht schwierig genug, muss obendrein noch von einem steigenden Bedarf ausgegangen werden. So weisen beispielsweise die Daten der Universitätsklinik Innsbruck seit der Jahrtausendwende eine ständig steigende Zahl von Untersuchungen und Behandlungen mit dem Herzkatheter aus.

Eine Entwicklungsabschätzung des Personalbedarfs an Fachärzten für Innere Medizin und Kardiologie in Österreich ab 2020 verheißt mögliche Probleme. Prof. Franz: „Ende 2020 müssten 366 Ärzte als Ersatz für ausgeschiedene Kolleginnen und Kollegen sowie zusätzlich 288 Ärzte aufgrund der Zusatzeffekte verfügbar sein. Das sind insgesamt 654 Kardiologen.“ Wo diese herkommen sollen, ist völlig unklar. Denn aktuell gibt es nur rund 150 Ausbildungsplätze für Kardiologie an österreichischen Kliniken. Prof. Franz: „Wenn 2015 mit der reformierten Ausbildung unter Nutzung aller Platzkapazitäten begonnen würde, könnten im Jahr 2021 rechnerisch von den zusätzlich benötigten 654 Kardiologen nur 44 Prozent aus der fachärztlichen Ausbildung in Österreich heraus bereitgestellt werden.“ In anderen Worten: Es droht ein Ärztemangel in der Kardiologie. Verschärft wird diese Situation dadurch, dass die derzeitigen Ausbildungskapazitäten nicht ausreichend sind, um den Kardiologenmangel ab 2021 zu verhindern, sagt Prof. Franz und fordert die Beauftragung einer Erhebung des mittelfristigen Bedarfs an Kardiologen durch das Gesundheits- und Wissenschaftsministerium. Allerdings gibt es auch Hoffnung: Die aktuelle Ausbildungsreform verkürzt nämlich die Ausbildungszeit auf sechs Jahre. Der dadurch ermöglichte schnellere Berufseinstieg macht die kardiologische Ausbildung wieder attraktiver, sodass zu hoffen ist, dass trotz der vielen Herausforderungen das Niveau der Herzmedizin für die österreichische Bevölkerung gehalten und weiterhin gehalten werden kann. Damit werden zwangsläufig auch Kosten verbunden sein. Diese bewegen sich allerdings in einem überschaubaren Rahmen. Berechnungen haben gezeigt, dass eine zusätzliche Facharztstelle für Kardiologie in österreichischen Kliniken nicht mehr als einen Cent je Einwohner und Jahr kostet.

Quelle: Presseaussendung von B&K Kommunikation anlässlich der ÖKG-Tagung

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