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Kardiologie 27. Mai 2015

Studien und Register: Neue Daten zu Prasugrel

Bei Patienten mit STEMI werden je nach Netzwerk unterschiedliche Plättchenhemmer verwendet. Über den Stellenwert von Prasugrel diskutierten Experten in Innsbruck.

Entsprechend den Revaskularisations-Guidelines der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist eine duale Plättchenhemmung bereits zum Zeitpunkt des ersten medizinischen Kontakts anzustreben.1 Hierfür werden zusätzlich zu ASS primär die neuen P2Y12-Hemmer Prasugrel und Ticagrelor empfohlen. Diese Empfehlung beruht auf den Ergebnissen der Studien TRITON-TIMI- 38 mit Prasugrel und PLATO mit Ticagrelor. Zu Prasugrel liegt nun eine interessante Subgruppen-Analyse der ACS-PCI-Patienten vor.

Weniger ischämische Ereignisse ohne erhöhtes Blutungsrisiko

10.804 Patienten der TRITONTIMI-38-Studie, die die europäischen Zulassungskriterien für Prasugrel erfüllten (Zulassungskohorte) und über die empfohlene Dauer von zu 12 Monaten behandelt wurden, wurden in die Analyse eingeschlossen. Der kombinierte primäre Wirksamkeitsendpunkt setzte sich aus kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlichem Myokardinfarkt und nicht-tödlichem Schlaganfall zusammen. Als Sicherheitsendpunkt wurden schwere nicht-bypassbedingte (Non-CABG TIMI Major) Blutungen, einschließlich tödlicher Blutungen, festgelegt.

Es zeigte sich, dass Prasugrel in der Zulassungskohorte das Risiko für ischämische Ereignisse noch stärker reduzierte als im Gesamtkollektiv, nämlich um signifikante 27 Prozent (7,9 % vs. 10,5 % im Vergleich zu Clopidogrel; p < 0,001). Das relative Risiko für Stentthrombosen konnte um 57 % reduziert werden (0,9 % vs. 2,1 %; p < 0,001). Zusätzlich zeigte sich unter der Erhaltungsdosis Prasugrel 10 mg versus Clopidogrel 75 mg eine signifikant geringere Rate an weiteren Ereignissen nach dem Erreichen des primären Endpunkts (25 vs. 64, p = 0,04). Insgesamt hatten die Patienten unter Prasugrel während des Beobachtungszeitraums um 177 ischämische Ereignisse weniger erlitten als die Patienten unter Clopidogrel (439 vs. 616; p < 0,001). Die hohe Wirksamkeit wurde erzielt, ohne dass es zu einer zu einer Steigerung des Risikos für schwere Non-CABG-Blutungen gegenüber Clopidogrel kam. „Diese Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit einer maßgeschneiderten Thrombozyten-Aggregationshemmung bei ACS-PCI“, betonte Univ.-Doz. Dr. Matthias Frick, MedUni Innsbruck.

Registerdaten kommen zum gleichen Schluss

Auch die Ergebnisse großer Register bestätigen, dass das Blutungsrisiko unter Prasugrel unter Berücksichtigung der Zulassungskriterien niedriger ist als in der Studie TRITON-TIMI 38. Dies mag zum Teil daran liegen, dass Patienten mit bekannt hohem Blutungsrisiko eher Clopidogrel erhalten. „Betrachtet man jedoch das Kollektiv ohne erhöhtes Blutungsrisiko zeigen sich konsistent in allen großen Registern, mit Ausnahme des deutschen ATACS, für Prasugrel niedriger Blutungsraten als für Clopidogrel“, gab Dr. Jakob Dörler, MedUni Innsbruck, zu bedenken. Dies sei umso beachtlicher, als in allen Registern die Raten ischämischer Ereignisse unter Clopidogrel deutlich höher sind als unter Prasugrel. Die Daten des österreichischen PCI-Registers im Detail: Laut Stand 2014 beträgt die intrahospitale STEMI-Mortalität 6,5 % unter Clopidogrel gegenüber 2,3 % unter Prasugrel. Die Blutungsrate beträgt 3,6 % unter Clopidogrel gegenüber 1,6 % unter Prasugrel.

Daten aus der klinischen Praxis bestätigen somit, dass Prasugrel, wenn es bei ACS-PCI-Patienten ohne TIA/Schlaganfall in der Anamnese, einem Körpergewicht ≥ 60 kg und einem Alter < 75 Jahre angewendet wird, besser vor neuen ischämischen Ereignissen schützen kann als Clopidogrel. Und dies bei vergleichbarer Blutungsrate.

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