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© Jelinek
Michael Seiler, Innsbruck
 
Kardiologie 27. Mai 2015

Virus-negative inflammatorische Kardiomyopathie

 
 

Aufgrund der verbesserten Diagnostik (immunhistochemische und molekularbiologische Methoden) gewinnt die Entität der inflammatorischen Kardiomyopathie (iCMP) zunehmend an klinischer Bedeutung. Die Effektivität einer kausalen Therapie zusätzlich zur etablierten neurohumoralen Therapie wird allerdings kontroversiell diskutiert. Ziel dieser Studie war es, den Nutzen einer standardisierten immunsuppressiven Therapie bei virus-negativer iCMP zu untersuchen.

Methoden und Ergebnisse

In diese retrospektive, monozentrischen Studie konnten 117 Patienten mit gesicherter virus-negativer iCMP (Alter 46 ± 12, männlich 81 (69 %), LV-EF 33 ± 12, LVEDD 62 ± 10, NYHA I, II, und III/IV), NT-proBNP 1028 [391 – 2971]) eingeschlossen werden. Davon wurden 84 Patienten für 6 Monate mit einer immunsuppressiven Therapie bestehend aus Prednison 1mg/kg/d für 4 Wochen gefolgt von 25mg kg für 5 Monate und Azathioprin (2mg/kg/d für 6 Monate) zusätzlich zur Standardtherapie behandelt. 33 Patienten mit Kontraindikationen gegen die Immunsuppression oder fehlendem Einverständnis wurden als Kontrollgruppe gewertet. Endpunkte waren Tod, Herztransplantation oder Implantation eines Assist-Device. Die beiden Gruppen unterschieden sich weder hinsichtlich Alter, Geschlecht, LV-EF, LVEDD, NYHA Klasse oder NT-proBNP-Spiegel. Die mediane Follow-up Zeit betrug 26 Monate. Ein Endpunkt wurde bei 4 Patienten in der Therapie-Gruppe und bei 6 Patienten in der Kontrollgruppe beobachtet. In einer multivariaten, alters- und geschlechts-adjustierten Cox-Regression, erweitert um LV-EF und NYHA Klasse, war die Immunsuppression ein unabhängiger Prädiktor für ereignisfreies Überleben (HR 0.33; P = 0.024).

Schlussfolgerung

Die vorliegende retrospektive Analyse zeigt einen positiven Langzeiteffekt der immunsuppressiven Therapie bei virus-negativer iCMP. Um diese Therapie jedoch endgültig in der klinischen Routine zu etablieren, ist eine prospektive, randomisierte Studie erforderlich.

Arbeitsgruppe: Seiler M, Hörmann P, Stocker E, Ensinger C, Dörler J, Frick M, Pölzl G, MedUni Innsbruck

 

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