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„Therapieziel: Symptom versus Prognose, Nutzen versus Risiko“ – so das Motto der heurigen ÖKG-Tagung in Salzburg.

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Prof. Dr. Franz Weidinger

 
Kardiologie 1. Juni 2015

Gedanken des scheidenden Präsidenten

 
 

Professor Franz Weidinger zieht im Gespräch mit Cardio News Austria Bilanz über seine Präsidentschaft der ÖKG. Die Erarbeitung des neuen Curriculums zum Sonderfach Innere Medizin und Kardiologie hat sein Wirken geprägt.

Wie ist der aktuelle Stand zur Reform der kardiologischen Ausbildung?

Prof. Weidinger: Wir befinden uns auf der Zielgeraden. Nach vielen Sitzungen, langen Gesprächen und etlichen Hürden sollten Ärztinnen und Ärzte, die Ihre kardiologische Ausbildung künftig beginnen, schon nach sechs Jahren ihren Facharzttitel erhalten. Wie in fast allen EU-Ländern wird damit das Zusatzfach Kardiologie in ein Sonderfach Innere Medizin und Kardiologie umgewandelt. Die Harmonisierung der österreichischen Facharztausbildung mit den anderen EU-Ländern war notwendig, damit unsere Kardiologinnen und Kardiologen im EU-Bereich konkurrenzfähig bleiben.

Voraussetzung war die Schaffung eines neuen Curriculums, das unter Einbindung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) in Kooperation mit der Österreischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) und anderen Fachgesellschaften neu formuliert wurde. Wir haben in der ÖKG ein Gremium gebildet, welches das neue Rasterzeugnis für Innere Medizin und Kardiologie erarbeitet hat. Die Begutachtung der neuen Rasterzeugnisse ist mittlerweile abgeschlossen, bis Ende Mai sollen letzte Details geklärt sein. Am 19. Juni soll die neue Ausbildungsordnung in der Ärztekammer beschlossen und ab 1. Juli gültig werden. Ob dieser Zeitplan halten wird, wird sich zeigen. Fest steht jedenfalls, dass das Ziel bereits in Sicht ist.

Falls es Verzögerungen gibt, wer wird weiter verhandeln?

Prof. Weidinger: Prinzipiell ist dies Sache des amtierenden Präsidenten und des Vorstandes. Im Einvernehmen mit meinem Nachfolger, Dozent Franz-Xaver Roithinger und dem Vorstand werde ich dieses „Projekt“ der neuen Ausbildungsordnung für die ÖKG jedoch auch als Past-Präsident, soweit möglich und notwendig, weiter betreuen.

Als Fachgesellschaft tragen wir die Verantwortung dafür mit, dass es ein gutes Curriculum für Kardiologie geben wird, das auch in die Praxis umsetzbar ist. Somit ist Kontinuität gefordert. Es geht schließlich um eine Novelle, die die nächsten Jahre und Jahrzehnte halten soll.

Was waren weitere wichtige Projekte während Ihrer Amtszeit?

Prof. Weidinger: Neben der Ausbildungsreform, die viel Zeit in Anspruch nahm, sind noch Kooperationen mit dem Bundesministerium, unter anderem zur Qualitätssicherung in der Behandlung des Myokardinfarkts, zu erwähnen und, was mir auch sehr wichtig ist, die laufende Kooperation mit der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft, ESC, in großen internationalen Registern, etwa dem kürzlich begonnenen STEMI-Register.

Wie läuft diese Zusammenarbeit?

Prof. Weidinger: Aus meiner Sicht sehr gut. Die ESC hat grundsätzlich das Bestreben, noch enger mit den nationalen Fachgesellschaften zusammenzuarbeiten. Auch der amtierende Präsident, Prof. Fausto Pinto, Portugal, und der designierte künftige Präsident, Prof. Jeroen Bax, Niederlande, sind diesbezüglich sehr engagiert. Wie jedes Jahr gibt es auch heuer wieder im Rahmen der ÖKG-Tagung eine gemeinsame Sitzung mit der ESC zum Thema aktuelle Änderungen der Guidelines. Im Rahmen solcher Treffen wird von Vertretern des ESC-Vorstands wiederholt betont, wie engagiert Österreich in der ESC mitarbeitet. Die Repräsentanz unseres Landes in den ESC-Arbeitsgruppen ist erfreulich hoch und es werden jedes Jahr viele gute Abstracts für den ESC-Kongress eingereicht, die es teilweise in die Young-Investigator-Award-Sitzungen schaffen. Mit der Präsenz von namhaften Vertretern der ESC bei der ÖKG-Jahrestagung soll diese Zusammenarbeit auch heuer wieder ihre Bestätigung finden und junge KardiologInnen dazu veranlassen, die Mitarbeit in der ESC anzustreben, etwa als Mitglieder von Working Groups und Associations.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die letzten zwei Jahre zurück?

Prof. Weidinger: Mit sehr positiven Gefühlen. Die Aufgabe der Kommunikation nach außen und innerhalb der Gesellschaft hat mir viel Freude bereitet. Unterschiedliche Standpunkte unter einen Hut zu bringen, sich um Akzeptanz wichtiger Entscheidungen zu bemühen, für sachliche Argumente und Transparenz der internen Abläufe zu sorgen, all diese Dinge waren eine große Herausforderung für mich, der ich mich gern gestellt habe. Besondere Freude hat mir die Organisation der beiden Jahrestagungen bereitet. Mein Ziel war, unter enger Einbindung aller 15 Arbeitsgruppen ein Programm zu gestalten, das möglichst viele Menschen anspricht. Ich hoffe, das ist uns auch 2015 wieder gelungen.

Was würden Sie sich für die Kardiologie der Zukunft wünschen?

Prof. Weidinger: Für das neue Sonderfach Innere Medizin und Kardiologie wünsche ich mir, dass die Umsetzung der neuen Ausbildung in den Krankenhäusern gut gelingt, die damit verbundenen Änderungen von der Mehrheit der Betroffenen angenommen werden und dass die Nachwuchskardiologinnen und -kardiologen spürbar davon profitieren. Für unser Fach ganz generell wünsche ich mir, dass wir einen innovativen, patientenorientierten Weg fortsetzen können, der es zulässt, die vielen neuen kardiologischen Verfahren auf der Basis sachlicher und wissenschaftlich fundierter Argumente anzuwenden, und dass wir nicht von ökonomischem Druck, in welche Richtung auch immer, fehlgeleitet werden. Die ÖKG muss ihre Aufgabe wahrnehmen, Nutzen und Risiken neuer Verfahren kritisch zu durchleuchten, die daraus hervorgehenden Erkenntnisse ÄrztInnen, PatientInnen und politischen Entscheidungsträgern bestmöglich zu kommunizieren und die Anwendung dort, wo sie sinnvoll erscheint, zu unterstützen. Mein dritter Wunsch betrifft die Stärkung der kardiovaskulären Forschung in Österreich. Es gilt aufzuzeigen, dass die kardiovaskulären Erkrankungen weiterhin weltweit an erster Stelle der Todesursachen stehen. Es braucht sowohl mehr finanzielle Unterstützung durch öffentliche Gelder und Fonds, als auch eine Stärkung der etablierten medizinischen Universitäten und der wissenschaftlich orientierten Abteilungen von Schwerpunktspitälern. Nur so werden wir im internationalen Vergleich bestehen bzw. unsere Position verbessern können. Es geht immer mehr darum, den Nachwuchs für eine wissenschaftliche Laufbahn zu motivieren. In einer Zeit, da das neue Arbeitszeitgesetz Spitäler und Unikliniken im Bann hält, muss verhindert werden, dass vielerorts der Forschergeist auf der Strecke bleibt. Dieses Interesse zu wecken und dafür zu kämpfen, „dass sich Forschung auch weiterhin auszahlt“, ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Fachgesellschaft.

 

 

 

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