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© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com
 
Kardiologie 11. Mai 2015

Hypertrophie vorbeugen

Forscher eines internationalen Projekts entwickeln neuen Therapieansatz im Kampf gegen die Herzinsuffizienz.

Weltweit ist die Herzschwäche eine der führenden Todesursachen. Die Prognose ist trotz Therapie vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung schlechter als bei vielen Tumorerkrankungen. Internationale Wissenschaftler identifizierten nun ein Schlüsselmolekül (Phosphodiesterase 9; PDE9), dessen medikamentöse Hemmung in naher Zukunft die Behandlung der Herzschwäche verbessern könnte.

Aktuelle Statistiken weisen die Herzinsuffizienz als eine der häufigsten internistischen Erkrankungen aus. Allein in Europa gibt es mehr als 10 Millionen Betroffene, weitere 10 Millionen leiden bereits an Herzschwäche, jedoch derzeit symptomlos. Männer sind im Vergleich mit gleichaltrigen Frauen 1,5-fach häufiger betroffen, wobei die Gefahr einer Herzinsuffizienz mit zunehmendem Lebensalter generell ansteigt.

Die Ursachen der Herzinsuffizienz sind vielfältig. „Die molekularen Ursachen der kardialen Hypertrophie – eine Verdickung des Herzmuskels – und der daraus resultierenden Herzschwäche stellen ein bereits vielfach beforschtes Gebiet dar“, berichtet Dr. Peter Rainer, Klinische Abteilung für Kardiologie der MedUni Graz und Teil der internationalen Forschungsgruppe an der Johns Hopkins University, Baltimore, USA.

cGMP ist gut fürs Herz

Rainer forschte einige Jahre in den USA und baut, seit seiner Rückkehr an die MedUni Graz im Vorjahr, eine eigenständige grundlagenwissenschaftliche Forschungsgruppe auf. Der Fokus seiner Gruppe liegt auf den molekularen Mechanismen, welche den verschiedenen Herzerkrankungen zugrunde liegen.

Zahlreiche aktuelle Studien belegen, dass das zyklische Guanosinmonophosphat (cGMP) und die damit verbundene Aktivierung der Proteinkinase G das Herz vor der Hypertrophie des Herzmuskels und einer daraus folgenden Herzschwäche schützt. Das Enzym Phosphodiesterase 5 (PDE5) ist am Abbau von cGMP wesentlich beteiligt. „Bereits seit einiger Zeit ist bekannt, dass die Hemmung des Abbaus von cGMP durch die Herabsetzung von PDE5 schützend für das Herz wirkt“, sagt Rainer.

cGMP kann im Körper jedoch auf verschiedene Weisen produziert und abgebaut werden. Vorangegangene klinische Studien konnten belegen, dass der Wirkstoff Sildenafil – bekannt aus der Behandlung der erektilen Dysfunktion – trotz seiner gefäßerweiternden Wirkung als PDE5-Hemmer eher enttäuschende Langzeitresultate liefert.

Neues Schlüsselmolekül identifiziert

Die internationale identifizierte ein weiteres Schlüsselmolekül aus diesem Netzwerk, die Phosphodiesterase 9A (PDE9A). Dies stellt einen alternativen Abbauweg dar, der unter anderem für Herzschwäche relevant sein dürfte. In diesem Molekül erkennen die Wissenschaftler einen möglichen Grund, für die mangelnde klinische Effizienz von Sildenafil in der PDE5-Hemmung und damit in der Behandlung von Herzschwäche. „PDE9A zielt auf einen Pool von cGMP, welcher durch PDE5-Hemmung bisher nur unzureichend beeinflusst werden konnte“, sagt Rainer. In der publizierten Arbeit wird gezeigt, dass die Hemmung von PDE9A durch genetische Manipulation oder auf pharmakologischem Wege eine geeignete Möglichkeit darstellt, um Hypertrophie und Herzschwäche wirkungsvoll zu reduzieren ( Lee DI et al.; Nature 3/2015 ).

Die Sicherheit des pharmakologisch eingesetzten Hemmstoffes wurde bereits bei Studien zu anderen Erkrankungen, wie beispielsweise der Alzheimer-Demenz, geprüft. „Eine weitere Untersuchung der Substanz zur Behandlung der Herzschwäche ist damit zukünftiger Gegenstand der Forschung“, sagt Rainer abschließend, der die Forschungen auf diesem Gebiet an der MedUni Graz intensiv fortführen wird.

MedUni Graz, Ärzte Woche 20/2015

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