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Kardiologie 20. Februar 2015

„Wir sind als Team gut aufgestellt“

Seit 1. Dezember 2014 hat die 2. Interne Abteilung der „Lisln“ in Linz einen neuen Chef. Cardio News Austria sprach mit dem neuen Abteilungsvorstand Prim. Mag. Dr. Josef Aichinger.

Welche Ziele verfolgen Sie, wird es strukturelle Änderungen an der Abteilung geben?

Prim. Aichinger: Unsere Abteilung ist mit einem Team kompetenter Subspezialisten fachlich hervorragend aufgestellt und gut strukturiert. Diese Struktur, die dem Erfolg unserer Abteilung zugrunde liegt, möchte ich weiter nützen. Sie ist gewachsen, hat sich bewährt und wird daher so bleiben. Änderungen sind allerdings insofern nötig, als wir unsere Kapazitäten ausbauen müssen, da Mitte dieses Jahres das Katheterlabor des KH der Barmherzigen Schwestern Linz geschlossen wird. Seit meiner Ernennung als Abteilungsvorstand im Sommer 2014 läuft eine Menge an Vorbereitungsgesprächen, um auch nach Schließung des Katheterlabors bei den „Schwestern“ eine Guideline-gerechte Akutversorgung aller Koronarpatienten übergangslos zu gewährleisten. Das heißt, jeder Patient mit akutem ST-Hebungsinfarkt soll innerhalb von 90 Minuten angiografiert werden, bei instabilen Patienten ohne ST-Hebungsinfarkt bemühen wir uns, innerhalb von 24 bis 72 Stunden die nötigen Untersuchungen und Therapien anzubieten. Da darf es keine Probleme geben, auch zwischenzeitlich nicht.

Wie ist die Akutversorgung im oberösterreichischen Zentralraum derzeit organisiert?

Prim. Aichinger: Wir haben Aufnahmetage, die auch für die Unterbringung eines STEMI-Patienten gelten. Bisher konnten drei Krankenhäuser, die Elisabethinen, die Schwestern und das AKH Linz, angefahren werden. Was unser Krankenhaus betrifft, so haben wir seit fünf Jahren eine Kooperation mit den GESPAG-Häusern Rohrbach, Freistadt und Steyr. Die Notärzte im Einzugsbereich dieser Häuser können uns direkt anfahren. Sie müssen den STEMI-Patienten nur ankündigen und wir garantieren die Akutversorgung. Für Patienten mit NSTEMI oder instabiler Angina pectoris wird nach entsprechender Voranmeldung aus dem kooperierenden Haus ein Herzkatheter-Termin innerhalb der nächsten 24 Stunden vereinbart. In dieses System wollen wir nun auch das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern integrieren, in enger Zusammenarbeit mit den dort tätigen interventionellen Kardiologen.

Wohin entwickelt sich Ihrer Meinung nach die Innere Medizin?

Prim. Aichinger: Die neue Ausbildungsordnung, die in absehbarer Zeit kommen wird, gibt die Richtung vor. Die Allgemeinmedizin wird aufgewertet, es wird den Facharzt für Allgemeinmedizin geben. Dieser wird in Zukunft die Aufgaben des allgemeinen Internisten mit übernehmen. Im Gegenzug werden sich die einzelnen Fachgebiete der Inneren Medizin, und so auch die Kardiologie, in weitere Subdisziplinen aufteilen. In Anbetracht der enormen Weiterentwicklung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten halte ich dies für eine durchaus sinnvolle Entwicklung. Allerdings möchte ich betonen, dass ich als Abteilungsleiter bei der Ausbildung junger Kollegen großen Wert darauf lege, dass sie zunächst einmal das gesamte Feld der Kardiologie in der Grundstruktur beherrschen, bevor sie eine weitere Spezialisierung einschlagen. Ich selbst habe eine breite kardiologische Ausbildung erfahren und stelle immer wieder fest, wie wichtig eine solche Basis ist.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen Ihres Fachgebiets?

Prim. Aichinger: Im interventionellen Bereich ist wohl die größte Herausforderung der ältere Patient mit einer symptomatischen Klappenerkrankung. Da hat sich im Bereich Aortenklappe zuletzt viel getan und es sind weitere Neuerungen am Horizont sichtbar. Bei der Mitralklappe hinkt die Entwicklung der Devices nach. Doch auch hier ist mit der Zulassung eines Clipping-Systems Bewegung in die interventionelle Therapie gekommen. Nun würden wir uns auch für die interventionelle Therapie der Trikuspidalinsuffizienz neue Ansätze wünschen, zumal für diese Klappenerkrankungen beim älteren Patienten derzeit kaum therapeutische Optionen verfügbar sind. Am koronaren Sektor sehe ich das größte Potenzial in der Weiterentwicklung resorbierbarer Stents, die wenig thrombogen sind, eine gute Abstützung ermöglichen und nach wenigen Monaten das Nativgefäß zurücklassen. Im Hinblick auf die Rhythmologie hoffe ich einerseits auf Durchbrüche bei der interventionellen Behandlung des permanenten Vorhofflimmerns und andererseits auf neue Möglichkeiten für Patienten mit malignen Tachykardien. Hier wird der implantierbare Defibrillator zwar nicht gänzlich zu ersetzen sein. Aber da Entladungen in aller Regel ein traumatisches Erlebnis darstellen, sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Häufigkeit von Defi-Schocks bei diesen Patienten zu reduzieren.

Welchen Stellenwert hat für Sie interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Prim. Aichinger: Aus der interventionellen Kardiologie ist die fächerübergreifende Entscheidungsfindung nicht mehr wegzudenken. Ich bin zwar der Meinung, dass man nicht jeden Patienten zwingend besprechen muss, denn das würde die Kapazitäten eines Grundversorgungskrankenhauses überstrapazieren. Aber die alleinige Entscheidung, ohne Einbeziehung der Herzchirurgen, treffen wir nur bei sogenannten Clear-Cut-Fällen. Alle anderen Patienten werden im Herz-Team besprochen. Da wird nicht nur die Frage geklärt, ob Intervention oder Operation. Es wird auch geklärt, ob nicht vielleicht ein konservatives Vorgehen der beste Weg ist. Bei Patienten mit Klappenerkrankung ist unser Vorgehen ein wenig anders. Hier werden definitiv alle Patienten im Herz-Team besprochen, sogar jene, wo wir Kardiologen meinen, es handle sich um eine Clear-Cut-Entscheidung. Bei den Besprechungen mit den Herzchirurgen liegen die Risiko-Scores der Patienten vor. Der Verlauf des Gespräches wird dokumentiert. Somit ist die Entscheidung, wie immer sie ausfällt, nachvollziehbar. Insgesamt ist das Vorgehen im Heart-Team mittlerweile sehr gut strukturiert, wovon die Patienten spürbar profitieren. Sie merken, es wird zu ihrem eigenen Wohl an einem Strang gezogen.

Wie wichtig sind Ihnen Kommunikation und Teamgeist?

Prim. Aichinger: Eine gute Kommunikation ist an einer Abteilung, wo Akutversorgung stattfindet und komplexe Therapien durchgeführt werden, unverzichtbar. Das betrifft nicht nur den interventionellen, sondern auch den konservativen Bereich. Seit ich die Abteilungsleitung übernommen habe, besprechen wir jeden Tag gleich in der Früh alle Patienten, bei denen größere Entscheidungen anstehen. Alle Ärzte der Abteilung bringen ihre Meinung ein, das ist meist sehr fruchtbar. Komplexe Entscheidungen werden immer im Team getroffen.

Sie wirken wie jemand, dem der menschliche Aspekt in der Medizin sehr wichtig ist – stimmt das?

Prim. Aichinger: Auf jeden Fall. Den Patienten Angst zu nehmen, halte ich, neben der medizinischen Behandlung, für eine der Hauptaufgaben des Arztes. Nur wenn ich mich auf eine menschliche Begegnung einlasse, wird es mir gelingen, die Patienten ins Boot zu holen. Nur so sind selbst schwierige oder langwierige Behandlungen möglich. Hinzu kommt, dass es neben der medizinischen Lösung eines gesundheitlichen Problems oft auch darum geht, neue Lebensperspektiven mit der Krankheit anzubieten. Da ist es wichtig, sich Zeit für das Patientengespräch zu nehmen. Wie sehr reden hilft, sehe ich täglich im Katheterlabor. Obwohl heute kaum mehr belastend, haben viele Patienten vor dem Herzkatheter großen Respekt. Darum habe ich mir angewöhnt, während der Untersuchung ständig mit dem Patienten zu sprechen, ihm in verständlicher Sprache zu erklären, was ich gerade tue. Das nimmt den Patienten die Angst und erleichtert allen Beteiligten den Ablauf.

Wie intensiv ist Ihr Kontakt zu niedergelassenen Ärzten?

Prim. Aichinger: Wir haben im Zuge der interventionellen Tätigkeit unserer Abteilung über die Jahre hinweg intensiven Kontakt mit den niedergelassenen Ärzten aufgebaut. Das ist notwendig, da ja die Anschlussbehandlung, die im niedergelassenen Bereich stattfindet, enorm wichtig für einen anhaltenden Behandlungserfolg ist. Aus diesem Grund sind meine Mitarbeiter und auch ich sehr bemüht, gute Fortbildungsveranstaltungen für niedergelassene Kollegen anzubieten, in deren Rahmen auch immer die Möglichkeit eines Dialogs besteht. Zudem sind Mitarbeiter meines Teams auch regelmäßig zu Bezirksärzteversammlungen eingeladen, wo es gute Gelegenheiten zum Austausch gibt und neue Behandlungsoptionen besprochen werden können.

Welche Stationen Ihres beruflichen Werdeganges waren für Sie am prägendsten?

Prim. Aichinger: Die prägendste berufliche Erfahrung war die Zeit meiner interventionellen Ausbildung am Universitätsklinikum Mainz. Als Katheterassistent hatte ich Gelegenheit mit internationalen Größen der interventionellen Kardiologie am Tisch zu stehen. Jürgen Maier, der damalige Vorstand der Klinik, hat regelmäßig Experten aus dem Ausland zu sich eingeladen. Dadurch habe ich sehr viel gelernt. Gemeinsam mit Richard Schatz durfte ich in den Pioniertagen der koronaren Stent-Implantation mit am Kathetertisch stehen. Auch William O´Neal, Raimund Erbel, Tiberius Pop, Anthony DeMaria und Patrick Serrays waren während meiner Zeit an der Mainzer Klinik als Gastprofessoren und im Katheterlabor tätig. Das waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Ärzte, die bei mir Ausbildung machen, möchte ich Ähnliches ermöglichen. Sie sollen sehen, wie die Dinge anderswo laufen.

Warum sind Sie Arzt geworden?

Prim. Aichinger: Ich habe neben dem Medizinstudium auch das Studium der Theologie absolviert, und im Rahmen davon die Jahre 1975-76 an der Universität in Jerusalem studiert. Dieser Lebensabschnitt fiel in die Zeit unmittelbar nach dem Jom-Kippur-Krieg und war für die Entwicklung meiner persönlichen Weltsicht sehr prägend. Warum ich mich schließlich für den Arztberuf entschieden habe, liegt daran, dass ich nicht mit Geisteswissenschaft – sosehr ich sie für unser Leben essenziell halte – meinen Lebensunterhalt verdienen, sondern unmittelbar am Menschen arbeiten wollte, in einem Bereich, in dem der Nutzen unmittelbar sichtbar wird. Das ist in der Medizin, und vor allem in der Kardiologie, möglich. Denken Sie nur an einen Patienten, der mit einem akuten Infarkt ins Krankenhaus kommt. Man macht das Gefäß auf und der Betroffenen ist innerhalb von Minuten beschwerdefrei. Für mich ist es sehr befriedigend, eine Arbeit zu leisten, deren Effekt und Nutzen sich unmittelbar zeigen. Ich halte zwar auch heute noch Lehrveranstaltungen an der Theologischen Fakultät Linz. Doch meine Entscheidung Arzt zu werden war für mich absolut richtig.

Interview: Dr. Anita Kreilhuber

2. Interne Abteilung, KH der Elisabethinen Linz

Die Departments und ihre Leiter:

Herzambulanz: OA Dr. Wolfgang Tkalec

Herzschrittmacher und Defibrillatoren: OA Dr. Siegmund Winter

Notfallambulanz: OA Dr. Tiberiu Pricop

Kardiale MRT (In Kooperation mit der Abt. für Radiologie): OA Dr. Johannes Niel

Rhythmologie und Elektrophysiologie: OA Prof. Dr. Helmut Pürerfellner

Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz: OA Dr. Christian Ebner

Referenzzentrum Pulmonale Hypertension: OÄ Dr. Regina Steringer-Mascherbauer

 

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