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Univ.-Prof. Dr. Gerald Maurer (Bildmitte) erhält im Rahmen des EuroEcho-Imaging Kongresses 2014 in Wien eine Urkunde für seine Rede im Rahmen der Edler-Lecture.

 
Kardiologie 20. Februar 2015

Zukunftsperspektiven des kardialen Imaging

Im Dezember 2014 fand in Wien der weltweit größte Kongress über kardiale Bildgebung statt. Cardio News Austria sprach mit Professor Gerald Maurer über die Highlights der Veranstaltung.

Wie sehr gewinnen Imaging-Techniken in der Kardiologie an Bedeutung?

Prof. Maurer: Imaging-Techniken hatten in der Kardiologie immer schon zentrale Bedeutung; nicht nur für die Diagnose und prognostische Einschätzung, sondern auch für die Auswahl von Patienten für bestimmte Interventionen sowie deren Steuerung während der interventionellen Prozedur. Eine wesentliche Neuerung, zu der es einige Beiträge beim Kongress in Wien gab, ist die Weiterentwicklung der 3D-Echokardiografie. Hier haben wir mittlerweile Geräte zur Verfügung, die es ermöglichen, bestimmte Strukturen des Herzens mit hoher Auflösung dreidimensional darzustellen. Damit kann jeder einzelne Schritt einer Klappenintervention während des Eingriffs in Echtzeit verfolgt werden. Der intervenierende Kardiologe sieht mittels transösophagealen 3D-Echo also ganz genau, was er tut, und zwar auf sehr schonende Art und ohne Strahlenbelastung des Patienten.

Schlagwort „3D-printed heart technologies“ - was darf man sich darunter vorstellen?

Prof. Maurer: 3D-Drucker bieten die Möglichkeit, Datensätze als dreidimensionale Objekte auszudrucken. Sie sind in vielen Bereichen, auch außerhalb der Medizin, rasant auf dem Vormarsch. Die Geräte werden zunehmend besser und kostengünstiger. Neu ist das Verfahren in der Medizin aber keineswegs. Im AKH Wien haben wir schon vor 12 Jahren verschiedene Mitralklappenpathologien dreidimensional ausgedruckt. Unserer Datensätze waren zwar noch nicht von so hoher Qualität, wie sie moderne Geräte bieten, aber die ausgedruckten Modelle waren für Studienzwecke durchaus brauchbar. In der Neuro- und Kieferchirurgie können Knochendefekte bereits mit 3D-gedrucktem Material ersetzt werden. Eine gesicherte klinische Anwendung in der Kardiologie gibt es noch nicht, aber das Thema ist von wissenschaftlichem Interesse und war als solches auch beim Kongress in Wien vertreten.

Welche Neuigkeiten waren bezüglich des Stellenwerts von kardialem Imaging etwa bei Vorhofflimmern oder HFpEF zu hören?

Prof. Maurer: Für Entscheidungen bei Patienten mit Vorhofflimmern spielt Imaging eine wichtige Rolle. Allein die Bestimmung von Größe und Morphologie des Vorhofs mittels konventioneller Echokardiografie sagt schon viel darüber aus, wie groß die Erfolgsaussichten einer Konversion zu Sinusrhythmus sind. Neue Aspekte bietet die Darstellung des Vorhofmyokards. Einerseits kann man mittels Echokardiografie den myokardialen Strain bestimmen und damit Rückschlüsse auf das Ausmaß der atrialen Fibrosierung ziehen. Andererseits kann man mittels MRI die Fibrose direkt darstellen. Wie sehr diese beiden Methoden die Einschätzung der Erfolgsaussichten einer Ablation verbessern, ist derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. An US-amerikanischen Zentren werden bereits jetzt Ablationen unter MR-Guidance durchgeführt. Fibroseareale sind potenzielle Flimmerherde. Zusätzlich zur Pulmonalvenenisolation auch Herde zu ablieren, die als fibrotisch identifiziert werden, ist ein vielversprechendes Konzept zur Reduktion der Rezidivraten. Es ist aber nur ein Konzept, das sich in Studien erst beweisen muss.

Und was erlauben Imaging-Techniken bei der Diagnose der diastolischen Herzinsuffizienz?

Prof. Maurer: Bedenken Sie - HFpEF ist nicht gleich HFpEF. Es hat sich gezeigt, dass bei einem Teil der Patienten mit HFpEF zwar die Auswurffraktion erhalten ist, aber sich bei genauerer Untersuchung ein verminderter longitudinaler Strain als Ausdruck einer beginnenden systolischen Dysfunktion zeigt. Die Auswurffraktion ist ja nur ein orientierender Parameter. Mittels Strain-Messung könnte man vielleicht Patienten identifizieren, die derzeit als HFpEF laufen, die aber sicher kein rein diastolisches Problem haben. Auch mittels MRI kann man die diastolische Funktion nicht-invasiv gut bestimmen, wie die Arbeitsgruppe um meine Mitarbeiterinnen Julia Mascherbauer und Diane Bonderman nachweisen konnte.

Sie hielten im Rahmen des Kongresses in Wien die Edler Lecture. Was war der Inhalt Ihrer Rede?

Prof. Maurer: Die Edler Lecture ist die Keynote Lecture dieses Kongresses und es ist eine hohe Auszeichnung, dazu eingeladen zu werden. In meiner Rede habe ich betont, dass die Bildgebung in der Kardiologie lange Tradition hat und unser Fach eine Schrittmacherfunktion ausübt. Viele Entwicklungen und Neuerungen kommen aus der Kardiologie und werden dann erst in anderen Bereichen umgesetzt. Im Rahmen der Lecture habe ich auch ausgeführt, dass die Indikation für bildgebende Untersuchungen immer sorgsam gestellt werden muss. Dies ist nicht nur aus Gründen der Kosteneffektivität nötig, sondern auch, weil schöne Bilder allein nichts nützen, schlimmstenfalls sogar schaden. Denken Sie nur an die Folgen einer inadäquaten Fragestellung. Es besteht die Gefahr einer Überinterpretation eines an sich harmlosen Befundes. Mitunter folgen weitere belastende Untersuchungen, die den Patienten unnötigen Risiken aussetzen und ihn verunsichert zurücklassen. Darum gilt: Die beste Bildgebung kann weder Anamnese und physikalische Untersuchung noch Basisbefunde wie EKG oder Biomarker ersetzen. Mehr als bei anderen Verfahren sollte man in der Bildgebung möglichst genau wissen, wonach man sucht, um hilfreiche Informationen zu erhalten. Eine gut definierte Fragestellung ist daher unverzichtbar. Weiters habe ich die Notwendigkeit für prospektive, randomisierte Studien im Bereich der kardialen Bildgebung betont, vor allem auf dem Gebiet der koronaren Herzerkrankung.

Wie gut besucht war der Kongress?

Prof. Maurer: Mit 3600 Teilnehmern wurde ein neuer Besucherrekord erreicht. Wien ist eben ein attraktiver Veranstaltungsort und das Kongress-Programm war sehr ansprechend.

Sie sind Editor-in-Chief des European Heart Journal – Cardiovascular Imaging. Seit wann haben Sie diese Position inne und wie lauten die Eckdaten des Journals?

Prof. Maurer: Ich habe diese Funktion 2011 übernommen, mit dem Auftrag die damalige ESC-Publikation, die sich ausschließlich mit Echokardiografie befasste, in ein Journal umzuwandeln, das den gesamten Bereich der kardiovaskulären Bildgebung umfasst. Das European Heart Journal – Cardiovascular Imaging in der jetzigen Form gibt es seit 2012, es ist ein Tochterjournal des European Heart Journals und eine offizielle ESC-Publikation. Es erscheint monatlich und hat bereits einen Impact-Factor von 3.69, was den hohen wissenschaftlichen Stellenwert des Journals klar unterstreicht. Die Entwicklung, verschiedene Methoden der Bildgebung in einer gemeinsamen Plattform zu vereinen, vollzog sich nicht nur im genannten Journal, sondern auch in der Gründung der European Association of Cardiovascular Imaging (EACVI), die als Tochtergesellschaft der ESC breit aufgestellt und mittlerweile sehr aktiv ist.

Interview: Dr. Anita Kreilhuber

Zur Person

Pionier der kardialen Bildgebung

Prof. Gerald Maurer ist seit 1993 Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien. Davor war er 17 Jahre lang in den USA tätig. Sein größtes Interesse gilt seit Beginn seiner Fachausbildung der kardiovaskulären Bildgebung. Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten betrafen die Entwicklung der 2D-Belastungsechokardiografie (Am J Card 1981, 48: 720-7) und die Entwicklung der 3D-Echokardiografie (Ultrasound Med and Biol 1982, 8:655-61). Unter seiner Ägide wurden intraoperativ die ersten transösophagealen Echokardiografien durchgeführt (Am J Cardiol 1987, 60: 333-7).

In Zusammenarbeit mit Neal Eigler und Ann Bolger entwickelte er Konzepte für die Quantifizierung der farbkodierten Dopplersonografie (J Am Coll Cardiol 1988, 12:450-7), eine nicht mehr wegzudenkende Grundlage für die Darstellung von Klappeninsuffizienzen. Gemeinsam mit Helmut Baumgartner entwickelte Maurer ein In-Vitro-Modell, das es erlaubte, Unterschiede zwischen echokardiografisch und invasiv gemessenen Gradienten von Herzklappenprothesen aufzuspüren (Circulation 1990, 82: 1467-75).

1993 kehrte Maurer nach Österreich zurück. Er wurde Vorstand der Univ.-Klinik für Innere Medizin II am AKH Wien, wo er eine moderne kardiologische Abteilung mit Forschungslaboratorien auf höchstem technischem Niveau aufbaute. Während dieser Zeit folgten zahlreiche Publikationen über die Aortenstenose und Mitralinsuffizienz sowie über Myokardvitalität (New Engl J Med. 2011, 364:1617-25).

Zuletzt wurde unter seinem Namen ein Positionspapier über so genannte „Appropriateness criteria in CV imaging“ publiziert. Diese Kriterien wurden von einer Expertengruppe der EACVI erarbeitet, um einen individuell angepassten, sinnvollen Einsatz der verschiedenen Imaging-Verfahren im klinischen Alltag zu gewährleisten (European Heart J Cardiovasc Imaging 2014, 15: 477-82). Nicht nur die Weiterentwicklung der Methoden, sondern deren korrekter Einsatz sind wohl künftig die größten Herausforderungen in der kardiovaskulären Bildgebung.

 

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