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© Krankenanstalt Rudolfstiftung/Wilke
Univ.-Prof. Dr. Franz Weidinger,KA Rudolfstiftung,Wien
 
Kardiologie 6. Dezember 2014

Stabile Angina Pectoris – wie geht es weiter?

Bei einer vom ÖKG-Präsidenten Professor Franz Weidinger organisierten Fortbildungsveranstaltung stand der Dialog mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Vordergrund.

Da es sich bei der koronaren Herzkrankheit um eine chronisch progrediente Erkrankung handelt, sollten niedergelassenen Kardiologen, Internisten und Allgemeinmediziner möglichst gut über die Entscheidungen, die im Katheterlabor getroffen wurden, informiert sein. Mehr noch: Da das Management der Risikofaktoren und die kontinuierliche Betreuung hauptsächlich im niedergelassenen Bereich stattfinden, ist auch ein Informationsfluss von der Niederlassung in das Zentrum wünschenswert. Diesem Anspruch wurde die Fortbildung „Kardiologie Update 2014“ mehr als gerecht.

Der Praxisbezug wurde durch Fallpräsentationen hergestellt. Die Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen, basierend auf den aktuellen ESC-Guidlines, folgte im Zusammenhang mit den präsentierten Fällen. Für anschließende Rückmeldungen, wo etwaige Probleme bei der Umsetzung der Empfehlung im praktischen Alltag liegen, war reichlich Zeit.

Rege diskutiert wurde beispielsweise der Fall einer 44-jährigen Patientin, die nach einer elektiven Koronarintervention aufgrund einer stabilen Angina Pectoris (Klasse CCS III) neuerlich typische Brustschmerzen entwickelte. Wie geht es bei solchen Patienten weiter? Wann ist eine neuerliche Angiografie nötig. Wie sehr kann an der konservativen Therapie (Medikamente plus Lifestyle) gefeilt werden, um die Prognose zu verbessern. Mit vielen dieser Fragen ist auch der niedergelassene Arzt konfrontiert.

Im konkreten Fall wurde aufgrund der typischen Charakteristik der Beschwerden neuerlich eine Angiografie durchgeführt. Nachdem das Vorliegen einer In-Stent-Stenose ausgeschlossen war, ging es darum das kardiovaskuläre Risikoprofil in Angriff zu nahmen: Die Patientin war stark übergewichtig, es mangelte ihr an regelmäßiger Bewegung, sie rauchte weiter, Blutdruck und Blutfette waren suboptimal eingestellt. Der HbA1c-Wert lag bei bekanntem Diabetes und oraler Medikation weitgehend im Zielbereich. Das Auditorium war sich einig, dass diese Patienten aufgrund der vielen Risikofaktoren eine ideale Kandidatin für eine kardiale Rehabilitation sei.

Bei stabiler KHK frühzeitig eine Echokardiografie durchführen

Zur Frage der Risikoeinschätzung bei stabiler KHK empfehlen die ESC-Guidelines 2013 zum Ausschluss anderer als ischämischer Ursachen der Beschwerden zunächst eine Echokardiografie. Beim vorgestellten Fall zeigten sich folgende Befunde: diastolische Dysfunktion, normale Auswurffraktion, keine regionalen Wandbewegungsstörungen. In den ESC-Guidelines zur stabilen KHK wird außerdem empfohlen, die Lebensqualität und Komorbiditäten zu erheben. Wenn dieses Assessment ergibt, dass eine Revaskularisation keine gute Option darstellt, und die Auswurffraktion in der Echokardiografie nicht reduziert ist, sollten, so die Guidelines, weiterführende Tests auf ein Minimum reduziert und direkt mit der konservativen Therapie begonnen werden. Prim. PD Dr. Hannes Alber, Reha-Zentrum Münster, sieht darin einen sehr pragmatischen Ansatz, von dem viele ältere Patienten profitieren. Anders sei die Situation bei Patienten mit stabiler KHK und reduzierter Auswurffraktion (EF). Patienten mit typischer Angina Pectoris und einer EF < 50% sollten ohne große diagnostische Umwege invasiv abgeklärt werden, zumal eine reduzierte EF im genannten Patientenkollektiv mit einer fünffach erhöhten Mortalität einher geht. Die Echokardiografie steht daher in der Liste der Untersuchungen zur Prognoseeinschätzung in den Guidelines zur stabilen KHK weit oben.

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