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Kardiologie 5. Dezember 2014

Schlägt sich hohes Cholesterin auf die Aortenklappe?

Verkalkungen der Aortenklappe und Aortenklappenstenosen stehen wohl doch in ursächlichem Zusammenhang mit LDL-Cholesterin. Dafür sprechen Ergebnisse einer neuen Studie.

Die vorliegenden Daten zur Beziehung zwischen LDL-Cholesterin und degenerativer Aortenklappen-Erkrankung ergeben derzeit kein klares Bild. Einerseits liefern Beobachtungsstudien starke Anhaltspunkte dafür, dass eine Hypercholesterinämie mit einem erhöhten Risiko für Kalzifizierungen und klinisch relevante Stenosen der Aortenklappe assoziiert ist. Anderseits verliefen prospektive Interventionsstudien, in denen versucht wurde, durch intensive Cholesterinsenkung die Prognose von Patienten mit manifesten Aortenklappen-Erkrankungen zu verbessern, durchwegs enttäuschend. Jetzt legt eine Forschergruppe um Dr. George Thanassoulis von der McGill University in Montreal neue Studiendaten vor, die wiederum die Annahme stützen, dass wohl doch ein kausaler Zusammenhang besteht.

Die Untersucher machten sich dabei Ergebnisse sogenannter genomweiter Assoziationsstudien zunutze, in denen DNA-Varianten identifiziert wurden, welche unter anderem die Ausprägung von Plasmalipiden wie LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride genetisch determinieren.

Darauf basierend bildeten Thanassoulis und seine Kollegen gewichtete genetische Risikoscores für die drei genannten Lipidfraktionen und untersuchten deren Beziehung zur Prävalenz von Verkalkungen und zur Inzidenz von klinisch relevanten Verengungen der Aortenklappe. Dazu wurden genetische und klinische Daten von 6.942 Teilnehmern des internationalen CHARGE-Konsortiums (Cohorts for Heart and Aging Research in Genomic Epidemiology) sowie von knapp 28.500 Teilnehmern der Malmö Diet and Cancer Study herangezogen und analysiert.

Die Ergebnisse: Genetische Prädisposition für niedriges HDL-Cholesterin oder hohe Triglyzeride standen in keiner Beziehung zum Auftreten von Aortenklappen-Erkrankungen. Genvarianten, die ihre Träger lebenslang erhöhten LDL-Spiegeln aussetzen, waren hingegen sehr wohl mit einer erhöhten Inzidenz von Aortenklappenstenosen assoziiert.

Die Tatsache, dass die Cholesterinsenkung in Interventionsstudien bisher wirkungslos war, könnte daran liegen, dass die Behandlung erst in einem Stadium begonnen wurde, in dem die Aortenklappen-Erkrankung bereits manifest geworden ist. Ob eine früher einsetzende Cholesterin-senkende Intervention degenerativen Veränderungen der Aortenklappen besser vorbeugen könnte, muss allerdings in Studien noch bewiesen werden.

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