zur Navigation zum Inhalt
Masernvirus
 
Impfen 10. Jänner 2014

Masern, Mumps und Röteln

Im österreichischen Gratis-Kinderimpfprogramm ist Dreifach-Kombi-Immunisierung (MMR) enthalten.

Masern, Mumps und Röteln: Diese drei Viruserkrankungen sind laut Fachleuten keinesfalls "harmlose Kinderkrankheiten". Mit MMR-Vakzinen können sie zuverlässig verhütet werden. Die Masern könnten bei einem Durchimpfungsgrad von 95 Prozent der Bevölkerung mit zwei Teilimpfungen ausgerottet werden. Doch Österreich und Europa sind bisher daran gescheitert.

Masern: Es handelt sich um eine hochinfektiöse, virale Infektionskrankheit. Die Masernviren werden direkt oder durch Tröpfcheninfektion übertragen und führen nach einer Inkubationszeit von acht bis zwölf Tagen zu ersten Symptomen (Fieber, Rhinitis, Bindehautentzündungen etc.), danach zum Auftreten eines typischen Hautausschlages. In 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung oder Pneumonie. Bei ein bis zwei pro tausend Fällen kommt es zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). 25 Prozent der Betroffenen sterben daran, ein Drittel der Überlebenden haben bleibende Schäden. Auch in Österreich sind immer wieder Fälle der tödlich verlaufenden und unbehandelbaren subakut sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE - langsam fortschreitende Entzündung des gesamten Gehirns; statistisch bei einem von 5.000 bis 10.000 Masernfällen) aufgetreten.

Weltweit starben 2008 noch immer 164.000 Kinder durch Masern. Im Jahr 1990 waren es noch 870.000 gewesen. Das stellten österreichische Experten vor kurzem in einem unabhängigen Statement zur Sicherheit der Impfungen fest.

In Österreich Situation nicht optimal

Die Situation in Österreich ist in diesem Zusammenhang längst nicht optimal. Laut der österreichischen Impfstatistik liegt die Durchimpfungsrate bei den zweijährigen Kindern in Abhängigkeit vom Geburtenjahrgang (1998 bis 2009) zwischen 84 und 100 Prozent für die Impfung mit einer Dosis des MMR-Impfstoffs (MMR1) und zwischen 63 und 81 Prozent für die zwei erforderlichen Dosen (MMR2). Damit ist eine für die Ausrottung der Erkrankung erforderliche Durchimpfungsrate von 95 Prozent für die beiden Impfungen bei weitem nicht erreicht.

Auf der anderen Seite hat das Auftreten von Masern in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2010 wurde ein Masernvirusstamm von England nach Hamburg (273 Fälle) und dann über eine einzige infizierte Person nach Bulgarien verschleppt und führte dort zu einer Epidemie mit mehr als 23.500 Erkrankungen und 24 Todesfällen. Dieser Virusstamm zirkulierte mehr als 27 Monate in Europa und führte zu mehr als 25.000 Fällen bzw. Ausbrüchen in zwölf Ländern. Auch Österreich war davon betroffen. Im Jahr 2011 wurden in Europa sogar mehr als 35.700 Masernfälle (acht Todesfälle und 27 Enzephalitis-Fälle) registriert. Damit stieg die Zahl der Masernfälle in Europa in den vergangenen beiden Jahren im Vergleich zu den Jahren 2007 bis 2009 um das Drei- bis Fünffache an.

Röteln-Infektionen bei Schwangeren können zu Missbildungen führen

Auch Mumps ist keine zu vernachlässigende Kinderkrankheit. Genauso wie bei Masern drohen schwere Komplikationen. Es handelt sich um eine hochinfektiöse Viruserkrankung, die meist über Tröpfchen übertragen wird. In 70 Prozent der Fälle tritt als charakteristisches Symptom eine Schwellung der Ohrspeicheldrüsen am Hals auf. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 18 Tage.

Die Komplikationen nehmen mit dem Lebensalter des Erkrankten zu. In fünf bis zehn Prozent der Fälle ist das Zentralnervensystem (Gehirn, Rückenmark) ebenfalls betroffen. Davon entfallen 90 Prozent auf eine Gehirnhautentzündung (mit Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen), zehn Prozent auf eine Gehirnentzündung. Bis zu vier Prozent der Patienten entwickeln eine Entzündung des Hörnervs, die als Spätfolge zur Taubheit führen kann. Vor der Einführung des Mumpsimpfstoffes war Mumps eine der häufigsten Ursachen von Taubheit.

Während und nach der Pubertät kommt es bei Burschen zu zehn bis 30 Prozent zu einer Hodenentzündung mit zum Teil bleibender Unfruchtbarkeit. Im Jahr 2006 sind in Österreich 214 Fälle von Mumps - vorwiegend in der Altersgruppe von 15 bis 30 Jahren - aufgetreten. Dabei wurden in 36 Fällen Komplikationen wie Meningitis, Hodenentzündung und/oder Bauchspeicheldrüsenentzündung beobachtet. Vor allem bei den 15- bis 30-Jährigen sollte der Impfschutz überprüft werden.

Röteln: Bei den Röteln handelt es sich ebenfalls um eine hochansteckende Virusinfektion, die gleichermaßen durch Tröpfchen übertragen wird. Tückisch: Die Krankheit verläuft bei der Hälfte der Kinder ohne Symptome, ebenso bei 30 Prozent der Erwachsenen. Trotzdem können diese Personen Überträger sein. Die Inkubationszeit beträgt 14 bis 21 Tage. Die größte Gefahr: Bei Rötelninfektionen bis zur 17. Schwangerschaftswoche kann es zu schweren Schäden beim Embryo kommen (mit Taubheit, Katarakt, Herzfehlern und anderen Organdefekten). Früher wurden daher 13-jährige Mädchen gegen Röteln geimpft. Durch die Rötelnimpfung beider Geschlechter als Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) soll die Zirkulation des Rötelnvirus weiter zurückgedrängt werden, um das Fehlbildungsrisiko auch bei Kindern von nicht immunen Frauen weiter zu reduzieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wollte in ihrer Region Europa mit 52 Mitgliedsstaaten die Röteln schon bis zum Jahr 2010 ausrotten. In Österreich glaubte man sich bis zum Jahr 2009 auf Grund der damals äußerst geringen Fallzahl der vergangenen Jahre diesem Ziel bereits sehr nah. 2009 jedoch kam es mit 365 Infektionen zu einem starken Anstieg der Rötelnfälle, von denen 355 auf einen Rötelnausbruch (vor allem in der Steiermark und im Burgenland) zurückzuführen waren. Von diesem Ausbruch war mit 44 Prozent die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen am meisten betroffen. Das zeigt deutlich, dass die Durchimpfungsrate in dieser Altersgruppe viel zu gering ist.

Nachimpfung im Fall von Lücken.

Die Schutzimpfung ist die einzige Möglichkeit, die potenziell gefährlichen Viruserkrankungen Masern, Mumps und Röteln zu verhindern. Die MMR-Vakzine sind weltweit bereits hunderte Millionen Mal verwendet worden, hoch wirksam und sicher.

Hier die wichtigsten Informationen:

Die Dreifach-Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) ist in Österreich im Gratiskinderimpfprogramm enthalten. Es wird die Gabe von zwei Dosen MMR-Impfstoff ab dem 11. Lebensmonat empfohlen. Die zweite Teilimpfung sollte möglichst bald, frühestens jedoch vier Wochen nach der ersten Teilimpfung erfolgen. Fehlende MMR-Impfungen können in jedem Lebensalter nachgeholt werden.

Bei Erwachsenen sollte eine fehlende Immunität (Bluttest auf Antikörper) oder eine nicht vorhandene Dokumentation der MMR-Impfung (Impfpass, App) zum Nachholen der Immunisierung führen - wie bei Kindern mit zwei Dosen der Vakzine. Das gilt auch für Jugendliche. Derzeit ist diese Impfung in Österreich auf Grund der starken Masernvirusaktivität in Europa bis zu einem Alter von 45 Jahren über die Gesundheitsbehörden kostenfrei erhältlich.

Besonders wichtig ist die MMR-Impfung bei Frauen im gebärfähigen Alter - vor einer geplanten Schwangerschaft soll der Immunstatus überprüft werden. Allerdings sollten Frauen im gebärfähigen Alter ein Monat vor bis ein Monat nach der Impfung nicht schwanger werden. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Tritt der Fall einer Schwangerschaft kurz nach erfolgter Impfung ein, ist das kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.

Die Masernausbrüche (2008/2009) sowie die Mumps- (2006) und Rötelnausbrüche (2009) in Österreich haben gezeigt, dass speziell der Impfschutz bei den 15- bis 30-Jährigen oft nicht gegeben ist. Daher sollte bei Schuleintritt im 13. Lebensjahr noch einmal eine Impfstatus-Kontrolle - und eventuell eine Nachimpfung - erfolgen. Nachgeimpft wird immer mit dem MMR-Impfstoff, auch wenn bei einer ersten Immunisierung ursprünglich "nur" gegen Masern und Mumps geimpft worden ist.

Die Impfreaktionen bzw. Nebenwirkungen sind in den allermeisten Fällen gering: Der MMR-Impfstoff gut verträglich. Es können aber in den Tagen nach der Impfung gelegentlich Reaktionen auftreten, wie z.B. eine Rötung an der Impfstelle. In der Vermehrungsphase des Impfvirus (bis siebenter Tag nach Verabreichung) kann es manchmal zu Abgeschlagenheit, erhöhter Temperatur, seltener zu Fieber kommen. Selten sind Durchfall, Erbrechen, Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, Hautausschläge oder "Impfmasern" (ein bis drei Prozent der Immunisierten) ohne weitere Komplikationen.

Nicht geimpft werden dürfen:

  •  Personen mit geschwächtem Immunsystem
  • Schwangere (ein Monat Mo vor und nach Impfung sollte eine Schwangerschaft vermieden werden)
  • Menschen mit über 38 Grad Fieber
  • Personen mit Allergien auf Impfstoffbestandteile. Das gilt aber für alle Impfungen.

Die MMR-Impfung kann bei den Masern erfolgreich auch noch binnen 72 Stunden nach Kontakt mit einem Erkrankten zur Prophylaxe eingesetzt werden. Bei Krankheitsausbrüchen werden im Umfeld der Erkrankten Impfungen zur "Abriegelung" empfohlen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.

Immer wieder auftauchende Gerüchte über einen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus oder anderen Entwicklungsstörungen konnten niemals nachgewiesen werden, schrieben vor kurzem unabhängige österreichische Impfexperten in einem gemeinsamen Statement zum Thema Sicherheit von Impfungen als Ergänzung zum österreichischen Impfplan.

Eine Studie aus dem Jahr 1998, die davon sprach, wurde von The Lancet wieder zurückgezogen. Allerdings kam es in durch die Verunsicherung der Bevölkerung zu einem Rückgang der MMR-Durchimpfungsrate in einigen Ländern, z.B. in Großbritannien von 92 Prozent (1995/1996) auf 80 Prozent (2004). Die österreichischen Fachleute: "Im weiteren Verlauf konnte eine ganze Reihe akribisch genauer und groß angelegter Studien keinen Zusammenhang zwischen Autismus und MMR-Impfung finden. Obwohl mittlerweile gezeigt wurde, dass die besagte Studie eine vorsätzliche Fälschung war, wird der damals vermutete Zusammenhang immer noch zitiert."

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben