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Händehygiene ist verbesserungs- fähig.
 
Infektiologie 14. Dezember 2015

Baby stirbt an resistentem Krankenhauskeim

Kinderklinik in Linz ist mehrere Wochen unter Quarantäne.

Acinetobacter zeichnet sich durch hohe Antibiotikaresistenz aus. Eine aktuelle Prävalenzstudie zeigt, dass 5,3 Prozent der Patienten sich im Krankenhaus eine Infektion zuziehen. Antibiotika-Einsatz nimmt langsam ab.

Für gesunde Menschen ist Acinetobacter nicht gefährlich, aber für Kranke schon, weshalb die betroffene Linzer Landesfrauen- und Kinderklinik abgeriegelt worden ist und alle Abteilungen desinfiziert werden. Das gestorbene Baby hatte ein geschwächtes Immunsystem, weil es wegen einer Darmfehlbildung schon mehrere Male operiert worden war, berichtet das Ö1-Morgenjournal am vergangenen Freitag. Das nur wenige Wochen alte Mädchen sei auf der Intensivstation gestorben, nachdem es eine Blutvergiftung erlitten hatte. Der hochresistente Keim Acinetobacter wurde im Blut des Mädchens nachgewiesen.

Acinetobacter sei ein Problemkeim auf allen Intensivstationen, sagte Prim. Dr. Gabriele Wiesinger-Eidenberger von der Neonatologie in Linz gegenüber dem Radiosender. Er zeichne sich durch hohe Antibiotikaresistenz aus. Der Keim dürfte von einem anderen Säugling, einem ebenfalls nur wenige Wochen alten Baby stammen, das wegen einer Herzoperation aus Sarajewo nach Linz überstellt worden war.

Laut Hochrechnungen der ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) erkranken rund drei Millionen Patienten jährlich an mindestens einer der „health care associated infection“ (HAI) in einer Krankenanstalt. Damit bekommen rund 6 Prozent der Patienten eine nosokomiale Infektion. In der nun vorliegenden Prävalenzstudie für Österreich hatten von 13.814 Patienten insgesamt 727 eine HAI, das sind 5,3 Prozent. Im Vergleich zur bisher letzten derartigen Untersuchung im Jahr 2012 ist das eine leichte Verbesserung – damals lag die Prävalenzrate bei 6,2 Prozent (allerdings bei nur neun involvierten Krankenanstalten). „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Elisabeth Presterl, Leiterin der Universitätsklinik für Krankenhaushygiene der Med Uni Wien.

„Ganz wichtig bei Krankenhausinfektionen ist der rationale Gebrauch von Antibiotika“, sagt Presterl. Ziel ist eine maßgeschneiderte Antibiotika-Therapie. Denn immer mehr der Krankenhauskeime sind multiresistent. Das Ergebnis: 26 Prozent der Patienten bekommt Antibiotika, laut der MedUni Wien-Expertin ein „ansehnlicher Wert“ – und leicht verbessert gegenüber 2012 (33 %).

Erfreulich wurde der geringe Einsatz (in 5 % aller Fälle) von Carbapenemen, einem Wirkstoff aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, bewertet.

Gestiegen ist der Einsatz von Händedesinfektionsmitteln und damit die Händehygiene an sich: „Wir kommen bei 28 Milliliter Händedesinfektionsmittel auf neun Patientenkontakte pro Tag mit korrekter Händedesinfektion“, erklärt Presterl. „Es ist sicher noch Spielraum nach oben möglich, aber es ist besser als 2012 und definitiv besser als in der EU mit 23,9 Milliliter.“

Ö1/MedUni Wien, Ärzte Woche 51/52/2015

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