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Infektiologie 19. Oktober 2015

Versteckspiel

Ebola-Virus überlebt länger im Körper als angenommen. Es gibt viele „Verstecke“.

Das Ebola-Virus kann deutlich länger in Sperma überleben als bislang bekannt – laut einer Studie bis zu neun Monate lang. Überlebende müssten länger medizinisch betreut werden.

Laut des Verantwortlichen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Kampf gegen Ebola, Dr. Bruce Aylward, kommen die Ergebnisse über die Langlebigkeit von Ebola-Viren im Sperma in einem entscheidenden Moment. „Die Ergebnisse erinnern uns daran, dass, obgleich die Ebola-Fälle zurückgehen, die Überlebenden und ihre Familien weiter mit den Auswirkungen der Krankheit zu kämpfen haben.“

Die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie zeige, dass Überlebende noch sechs bis zwölf Monate nach ihrer Erkrankung medizinisch betreut werden müssten, damit sicher gestellt werde, dass sich ihre Partner nicht ansteckten, sagte Aylward. Im März hatten Forscher den Fall einer liberianischen Frau beschrieben, die sich durch Sex mit einem Ebola-Überlebenden ansteckte. Der Mann war sechs Monate zuvor positiv auf Ebola getestet worden. Bis dahin war die längste bekannte Überlebensdauer des Ebola-Virus in Sperma 82 Tage gewesen.

An der nun veröffentlichten Studie nahmen 93 Männer aus Sierra Leone teil, das neben den Nachbarländern Guinea und Liberia am stärksten von der Ende 2013 begonnenen Ebola-Epidemie mit rund 11.300 Toten betroffen war. Die Teilnehmer der Studie wurden zwischen zwei und zehn Monate nach ihrer Erkrankung getestet.

Die Männer, die in den ersten drei Monaten nach ihrer Erkrankung getestet wurden, hatten ohne Ausnahme noch das Ebola-Virus im Sperma. Von den Männern, die vier bis sechs Monate nach der Diagnose getestet wurden, waren noch 65 Prozent positiv. Und immer noch 26 Prozent der Männer, die zwischen sieben und neun Monate nach der Erkrankung getestet wurden, hatten noch das Virus im Sperma. Die Forscher konnten nicht sagen, ob die nachgewiesenen Virus-Spuren im Sperma noch eine Ansteckungsgefahr für die Partner bedeuteten. Bislang gilt ein Ebola-Patient als geheilt, wenn das Virus nicht mehr im Blut nachgewiesen wird.

Gemäß Dr. Daniel Bausch, Virologe bei der WHO in Genf, überlebt das Virus nach der Heilung in bestimmten Teilen des Organismus länger, weil das Immunsystem länger brauche, „um diese Stellen zu reinigen“. Dazu zählten die Hoden, das Gehirn, das Rückenmark und der Augapfel. Prof. Dr. Ilhem Messaoudi von der Universität von Kalifornien in Riverside sagte, selbst wenn das Virus nicht im Blut sei, könne es sich an diesen Stellen verstecken. „Wir müssen das wissen, denn das bildet die Grundlage für mögliche neue Ausbrüche.“ Die Studie wurde gemeinsam vom Gesundheitsministerium Sierra Leones, der WHO und den US-Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention durchgeführt.

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