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Infektiologie 6. August 2015

Erster Erfolg mit Ebola-Impfstoff

Im Kampf gegen Ebola ist ein entscheidender Schritt gelungen.

Ein Impfstoff erwies sich in einer Feldstudie als wirksam. Wie gut die Vakzine schützt, lässt sich aber noch nicht beurteilen.

16:0. Auf diese Zahlen lassen sich die ersten Ergebnisse eines Impfstofftests in Guinea reduzieren. 16 nicht geimpfte Personen in der Kontrollgruppe sind an Ebola erkrankt, dagegen entwickelte kein einziger Geimpfter das tödliche Fieber. Allein aus diesen Zahlen wird klar, dass von einer 100-prozentigen Wirksamkeit des Impfstoffs, wie sie jetzt häufig kolportiert wird, nicht ausgegangen werden darf. 16 Menschen sind keine statistische Größe, aus der sich irgendetwas ableiten lässt. Aber immerhin: Diese vorläufigen Ergebnisse der Studie „Ebola ça suffit" (Ebola, es reicht!) sind ermutigend. Vielleicht hat die Menschheit nun tatsächlich eine wirksame Waffe gegen das Virus gefunden. Das wird sich aber erst in den nächsten Monaten zeigen.

Cluster von Kontaktpersonen geimpft

Dass die Wissenschaftler um Ana Maria Henao-Restrepo von der WHO überhaupt schon einen Erfolg vorweisen können, ist bemerkenswert, schließlich ist die Ebola-Epidemie längst am Abklingen. Wenn sich aber kaum noch jemand infiziert, lässt sich nur schwer feststellen, ob der Impfstoff wirkt. Diese Schwierigkeit haben die Forscher mit gezielten Ringimpfungen ausgebügelt. Sie immunisierten nur die Kontaktpersonen von Ebolakranken sowie die Kontakte der Kontaktpersonen. Auf diese Weise erreichten sie Cluster von Menschen mit einem besonders hohen Risiko für eine Infektion.

Die Impfungen erfolgten in den Ebolagebieten in Guinea über eine einmalige Injektion der Vakzine rVSV-ZEBOV. Der Lebendimpfstoff stammt ursprünglich aus einem kanadischen Forschungsprogramm und basiert auf einem veränderten Vesikulären Stomatitis-Virus (rVSV), das Ebola-Glykoproteine enthält.

Um den Erfolg der Impfung zu prüfen, wiesen die Forscher die Cluster nach dem Zufallsprinzip einer sofortigen oder einer verzögerten Impfung zu. Die Cluster mit verzögerter Impfung (Kontrollgruppe) erhielten die Vakzine erst nach der maximalen Inkubationszeit von 21 Tagen nach dem Kontakt. Hatten sich also einzelne Personen des Clusters angesteckt, sollte die Krankheit in dieser Zeit bei ihnen ausbrechen.

Keine Neuinfektionen mehr nach sechs Tagen

Insgesamt haben die Forscher zwischen dem 1. April und 20. Juli 90 Cluster mit über 7600 Personen in die Studie aufgenommen. 48 Cluster erhielten die sofortige, 42 die verzögerte Impfung. In den Clustern mit sofortiger Impfung erkrankte keiner der Geimpften ab dem zehnten Tag nach der Immunisierung – von da an wird von einer Schutzwirkung ausgegangen. Dagegen brach das Fieber zwischen Tag 10 und 21 bei 16 Personen in den Clustern mit verzögerter Impfung aus. Vor der Zehntagesfrist kam es jedoch auch in den Clustern mit sofortiger Impfung noch zu neun Ebolafällen bei den Geimpften, allerdings nur bis Tag sechs nach der Impfung. In den Clustern mit verzögerter Impfung erkrankte sechs Tage nach der Impfung ebenfalls niemand mehr.

Acht weitere Ebolafälle wurden bei Menschen in den Clustern mit sofortiger Impfung beobachtet, alle acht waren jedoch nicht geimpft worden, entweder weil sie sich der Impfung entzogen hatten oder die Ausschlusskriterien erfüllten (Minderjährige, schwangere und stillende Frauen). Dies ist indirekt ebenfalls ein Hinweis auf den Nutzen des Impfstoffs.

Nach den Berechnungen der Forscher darf mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,6 Prozent davon ausgegangen werden, dass der Impfstoff tatsächlich eine gewisse Schutzwirkung hat und das Ergebnis nicht reiner Zufall ist (p=0,0036). „Die Zwischenresultate der Studie lassen darauf schließen, dass die Schutzwirkung hoch ist und schnell eintritt", so das Fazit der Autoren.

Thomas Müller/springermedizin.de, springermedizin.at

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