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In Kuba wurde vor Kurzem ein rekombinantes HIV gefunden, bei dem Patienten erheblich schneller an AIDS erkranken.
 
Infektiologie 24. Februar 2015

Von AIDS überrumpelt

Forscher haben in Kuba eine aggressive Form von HIV aufgespürt.

Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit mehreren Partnern ist das Risiko erhöht, sich mit mehreren Stämmen von HIV anzustecken. Einmal in einem Wirt, können diese Stämme zu einer neuen Variante des Virus rekombinieren. Bei Patienten in Kuba wurde eine solche rekombinante Variante beobachtet, die viel aggressiver als andere bekannte Formen von HIV zu sein scheint. AIDS brach innerhalb von drei Jahren nach der Infektion aus – so schnell, dass ihnen die Infektion noch nicht aufgefallen sein könnte.

Bevor HIV in menschliche Zellen eindringen kann, muss sich das Virus zuerst an diesen verankern. Dies geschieht über Ankerpunkte oder Co-Rezeptoren, also über Proteine an der Zellmembran. In einer normalen Infektion verwendet das Virus zuerst den Ankerpunkt CCR5. Bei vielen Patienten wechselt das Virus nach ein paar gesunden Jahren zum Ankerpunkt CXCR4. Dieser Co-Rezeptor-Schalter erklärt eine schnellere Progression zu AIDS.

Forscher des KU Leuven’s Laboratory for Clinical and Epidemiological Virology berichteten vor Kurzem in einem Artikel in EBioMedicine über eine rekombinante Form von HIV – CRF19_cpx. Bei Patienten in Kuba wurde ein viel schnellerer Übergang zu AIDS beobachtet. Das Virus zielt früh nach der Infektion auf den Ankerpunkt CXCR4, verkürzt dadurch die gesunde Phase drastisch und löst eine schnelle Progression zu AIDS aus.

Prof. Dr. Anne-Mieke Vandamme und ein internationales Team von Forschern untersuchten das Blut von 73 kürzlich infizierten Patienten. Bei 52 wurde bereits AIDS diagnostiziert. Die Ergebnisse wurden mit denen von 22 Patienten verglichen, die zuvor eine normale gesunde Periode mit HIV durchlebt hatten.

Ungewöhnlich hohe Dosen

Bei den mit dem rekombinanten HIV infizierten Patienten beobachteten die Forscher ungewöhnlich hohe Konzentration des Virus und des Verteidigungsmolekül RANTES. Dieses Molekül ist ein Teil der natürlichen Immunantwort und wirkt durch die Bindung an CCR5, an das die meisten Formen von HIV vor Eintritt in die Zelle binden. Die hohe Konzentration von RANTES legt nahe, dass die meisten CCR5-Proteine für HIV nicht mehr als Ankerpunkte verfügbar waren. Dies kann dazu geführt haben, dass das rekombinante HIV diesen Ankerpunkt umgeht und sich direkt an CXCR4 bindet. Die Beobachtung, dass alle Studienpatienten, die mit der rekombinanten HIV-Variante infiziert waren innerhalb von drei Jahren AIDS entwickelten, unterstützt diese Theorie.

Der Übergang vom Ankerpunkt CCR5 auf CXCR4 ist in der Regel sehr schwierig. Die Forscher vermuten, dass der in diesem rekombinanten HIV beobachtete schnelle Übergang das Ergebnis einer Kombination von Fragmenten aus verschiedenen HIV-Subtypen ist. Eines dieser Fragmente codiert eine Protease, die sehr effizient wirkt. Diese Proteasen spalten Proteine, die in neue Viruspartikeln verwendet werden. Diese Protease ist sehr „fit“ – sie ermöglicht es dem Virus, sich in größerer Zahl zu replizieren, und erleichtert so den Übergang zu einer CXCR4-Verankerung. Das unerwartet rasche Fortschreiten dieser HIV-Variante erhöht das Risiko, dass die Patienten sehr krank werden, ehe sie überhaupt realisieren, dass sie infiziert sind.

Originalpublikation: Dr. Vivian Kouri et al. „CRF19_cpx is an Evolutionary fit HIV-1 Variant Strongly Associated With Rapid Progression to AIDS in Cuba.“ EBioMedicine 2015; online DOI 10.1016/j.ebiom.2015.01.015

PK/KU Leuven, Ärzte Woche 9/2015

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