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Nicht nur der beste Freund des Menschen, auch MRSA lieben ihn.
 
Infektiologie 2. September 2014

Speziesübergreifende resistente Staphylokokken

Der Hund, der beste Freund des Killerkeims und häufiger Überträger des EMRSA-15-Stammes.

Menschen teilen mit ihren Haustieren nicht nur Freud und Leid, sondern auch multiresistente Staphylokokken. Deshalb birgt der übermäßige Antibiotikaeinsatz bei Tieren – beispielsweise in Tierfabriken – die Gefahr, solche pathogenen Keime hervorzubringen und auf Menschen zu übertragen.

Staphylokokken sind nicht besonders wählerisch, was ihre Wirte angeht: Ob Hund, Katze, Vogel oder Mensch – egal, Hauptsache, das Blut ist warm. Wenn der Mensch mit allerlei Antibiotika versucht, die lästigen Keime loszuwerden, bleibt diesen oft noch die Flucht ins Haustier. Von dort können sie natürlich eines Tages wieder zurückkommen.

So ähnlich muss man sich nach aktuellen Daten wohl den Austausch von Staphylococcus aureus zwischen Mensch und Tier vorstellen. Dieser Austausch ist alles andere als harmlos, wenn es sich um die Methicillin-resistenten Formen (MRSA) der kugelförmigen Bakterien handelt.

Genau solche Formen haben Tierärzte, Humanmediziner und Genetiker jetzt genauer unter die Lupe genommen. Das Team um Dr. Ewan Harrison von der Universität in Cambridge analysierte dazu das Genom von MRSA aus Haustieren. Sie konzentrierten sich dabei auf den in Großbritannien bei Mensch und Tier zirkulierenden EMRSA-15. Dieser lässt sich in Großbritannien bei etwa ein bis zwei Prozent aller Hunde und Katzen nachweisen. Unklar war jedoch, ob es im Mensch- und Tierreich getrennte Populationen gibt. Dies wäre der Fall, wenn der Erreger irgendwann vom Menschen aufs Haustier übergesprungen ist und sich dann unabhängig vom Menschen in der neuen Spezies weiterverbreitet hätte. Dann würden sich rasch genetische Unterschiede zwischen den jeweiligen Populationen ausbilden, und die Gefahr wäre relativ gering, sich bei seinem Haustier anzustecken.

Gibt es dagegen einen permanenten Erregeraustausch zwischen Mensch und Haustier, müssten sich genetisch weitgehend identische Erreger in beiden Spezies nachweisen lassen. Das wäre dann auch bei MRSA der Fall. Genau darauf deutet nun die aktuelle Studie hin.

Harrison et al. haben insgesamt 42 Proben von Hunden und vier von Katzen analysiert, bei denen zuvor eine MRSA-Infektion nachgewiesen worden war. Die Proben stammten aus verschiedenen Geweben: Haut, Weichteilen, Wunden, Liquor, Gelenken, Herzklappen, Blut und Urin. Nachdem das Genom der Erreger sequenziert worden war, verglichen es die Forscher mit dem EMRSA-15-Stamm aus mehreren hundert, aus verschiedenen Ländern stammenden Menschen.

Riskanter Antibiotikaeinsatz bei Tieren

Im zuerst genannten Szenario – einer getrennten Ausbreitung von MRSA unter Haustieren – hätten die MRSA-Proben bei einer Spezies stärker miteinander verwandt sein müssen als mit MRSA einer anderen Spezies. Es hätte also einen oder mehrere Hunde-MRSA-Stammbäume geben müssen. Dies war aber nicht der Fall. Stattdessen waren die Hunde-MRSA einer Tierklinik näher mit einer menschlichen MRSA-Probe verwandt als mit den Hunde-MRSA aus anderen Kliniken. Wenig überraschend waren die nächsten Verwandten von MRSA aus britischen Hunden in der Regel MRSA aus britischen Menschen, die in derselben Region wie die Hunde lebten. Die Stammbaumanalyse deutet darauf hin, dass sich die Hunde bei solchen Menschen infiziert hatten.

Tierproben waren positiv

Für einen regen Austausch von MRSA zwischen Mensch und Tier spricht auch, dass sich keine wirtsspezifischen Resistenzfaktoren oder genetischen Veränderungen aufspüren ließen: Alle Genvarianten von menschlichen MRSA wurden auch bei Tierproben gefunden und umgekehrt – die Erreger zeigten also keine speziellen Anpassungen an ihren Wirt, unterschiedlich war lediglich die Häufigkeit von bestimmten Resistenzgenen. Diese Differenz lässt sich wohl am ehesten mit einem anderen Antibiotikaspektrum in der Tier- und Humanmedizin erklären.

Ein weiteres interessantes Ergebnis: MRSA unterschiedlicher Tiere aus einer bestimmten Tierklinik waren alle direkt miteinander verwandt, was darauf deutet, dass die Ausbreitungsmechanismen in solchen Kliniken ähnlich sind wie in den Krankenhäusern.

Welche Bedeutung haben nun die Erkenntnisse? Wenn MRSA oder andere Keime mühelos zwischen Säugetieren hin- und herpendeln, bilden Haustiere ein Reservoir für multiresistente Keime. Umgekehrt besteht die Gefahr, dass ein maßloser Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin und der Tiermast multiresistente Keime heranzüchtet, die dann auch für Menschen gefährlich werden.

 

Originalpublikation:

Harrison EM et al.: A Shared Population of Epidemic Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus 15 Circulates in Humans and Companion Animals; mBio 2014; 5 (3)

PK/springermedizin.de, Ärzte Woche 36/2014

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