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Infektiologie 1. Oktober 2010

Eingeweidewürmer in Galens Schriften

Galen war einer der bedeutendsten Ärzte der Antike. Er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das in zahlreichen Ausgaben vorliegt, wobei die umfassendste sicher die von Karl Gottlob Kühn ist, die zwischen 1821–33 erschien. Dieses Werk bildet neben neueren Editionen von Teilen der Galenschen Schriften die wichtigste Quelle dieser Arbeit. Galen beschäftigt sich in seinen Werken mit allen Gebieten der Medizin und mit Philosophie. Die Passagen über Eingeweidewürmer sind über das gesamte Werk verstreut und geben Einblick in Galens Verständnis der damals bekannten Wurmparasitosen. Eingeweidewürmer "vermes intestinales" werden im Text auch als "Lumbrici" zusammengefasst. Es werden drei Arten unterschieden: "lati", "teretes" und "ascarides". Galen übernimmt dabei auch Beschreibungen aus dem Corpus Hippocraticum, worauf er einmal direkt verweist. Bei den "teretes" oder auch "Lumbrici rotundi", also den runden Eingeweidewürmern, ist sehr eindeutig der Spulwurm, heute Ascaris lumbricoides genannt, beschrieben. Weniger eindeutig sind die Beschreibungen der anderen "kleineren" Würmer, den "ascarides". Aus den einzelnen Symptomen lässt sich jedoch eindeutig der Madenwurm Enterobius vermicularis, der "besonders Kinder befällt", erkennen. In wieweit Galen noch weitere "kleine" Arten unterschieden hat, lässt sich aus den vorliegenden Textstellen nicht klären. Die "Lumbrici lati", also die rezent als Bandwürmer bezeichneten Tiere, werden gesondert beschrieben, und auch über die Hungerzustände, die sie hervorrufen, wird berichtet. Mit den Erklärungsmodellen über die Herkunft der Würmer schafft Galen die Verbindung zur Philosophie und der damals die Medizin bestimmenden Vier-Säfte-Lehre: Eingeweidewürmer entstehen aus "Fäulnis und Wärme" und stehen so den Lebewesen gegenüber, die aus einem Samen entstehen. Sie treten vermehrt bei Kindern auf, denen die Eigenschaften "Feuchtigkeit und Wärme" zugeschrieben werden. Auf die Beschreibung der einzelnen Arten folgt immer eine ganze Reihe von Ratschlägen wie, und mit welchen Mitteln, gegen die Parasiten vorgegangen werden kann. Zu Ihrer Vertreibung werden nach der Vier-Säfte-Lehre Substanzen verwendet, deren Eigenschaften "kühl" oder/und "trocken" sind: die beschriebenen Mittel wie u.a. Minze, Kardamon und Myrrhe sind auch heute noch verwendete Arzneien.

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