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Infektiologie 1. Oktober 2008

Die Malaria im Römischen Kaiserreich: eine bemerkenswerte Textstelle in den Digesten

Die Bedeutung der Malaria für den Niedergang und den letztendlichen Zerfall des Weströmischen Kaiserreiches wird kontrovers bewertet. Wahrscheinlich ist, dass Festlandeuropa zum Ende der letzten Vereisung Malaria-frei war, und unbestritten ist, dass um 600 n. Chr. die Apenninenhalbinsel ein substantiell entvölkertes, endemisches Malariagebiet war. Die Einwanderung dreier der vier humanpathogenen Plasmodienarten fand höchstwahrscheinlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf die antiken Gesellschaften statt. Eine Textstelle aus den Digesten Justinians (D 21, 1,1,8), vom spätklassischen Juristen Ulpian (ca. 170–223 n. Chr.) verfasst, beleuchtet punktuell in Raum und Zeit die Malariasituation der sozialen Unterschichten in Rom und rund um die Millionenstadt. Das Zitat besagt verkürzt, dass "eine alte Quartana, um die man sich nicht mehr kümmern muss, kein Rechtsgrund ist, um eine Mangelgewährleistung für am Markt gekaufte Sklaven zu erlangen". Daraus lässt sich ableiten, dass zur Wende vom zweiten zum dritten nachchristlichen Jahrhundert Quartana-Rekrudeszenzen den medizinischen Normalzustand von Menschen aus der sozialen Unterschicht Roms und der Umgebung darstellten. Während also Plasmodium malariae zu jener Zeit zum festen Bestandteil der humanen Parasitenfauna in Latium gehörte, entfalteten die Malaria tropica und die Malaria tertiana zumindest noch keine derartig entvölkernden, ökonomisch und sozial verheerende Wirkungen wie wenige Jahrhunderte später, obgleich das Vorkommen zumindest eines effektiven Vektors gesichert ist.

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