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Infektiologie 1. März 2007

Molekulare Epidemiologie der Tuberkulose: Spielzeug oder Werkzeug? Literaturübersicht und Beispiele

Genotypisierung (Synonym: DNA-Fingerprinting) von Erregern ist zu einem für die Mikrobiologie und Epidemiologie unverzichtbaren Instrument geworden. Eines der ersten Ziele war Mycobacterium tuberculosis. In den letzten 15 Jahren haben rund 900 einschlägige Publikationen den Stellenwert der Genotypisierung bei Tuberkulose gefestigt. Sie brachten neue Einblicke in den natürlichen Verlauf der Tuberkuloseinfektion, insbesondere zur Häufigkeit von Reaktivierung, Reinfektion und Mehrfachinfektion, und führten zur Weiterentwicklung pathophysiologischer Konzepte. Weiterhin stellen die Einschätzung frischer Infektionsübertragungen in einer Population und die Analyse von Ausbrüchen und Laborkontaminationen den Haupteinsatzbereich des DNA-Fingerprintings dar. So kann das Aufdecken eines Ausbruchs (Clusters) Hinweise auf weitere, unerkannte Fälle liefern. Die Identifikation von Laborkontaminationen (falsch positive Kulturen) verhindert unnötige Therapierisiken und -kosten und kann Schwachstellen im Labor aufzeigen. Einige europäische Staaten nutzen DNA-Fingerprinting prospektiv auf nationaler Ebene. So kann der Anteil der Tuberkulosefälle, für die Public Health Fachkräfte einen epidemiologischen Zusammenhang dokumentieren können, nach Einbezug der Fingerprinting-ergebnisse deutlich gesteigert werden. Weltweit gesehen sind Stammfamilien identifiziert, charakterisiert und ihre Ausbreitung kartiert worden. Der Import von multiresistenten M. tuberculosis des Beijing-Genotyps nach Mitteleuropa wird hier beispielhaft diskutiert. Ziel der weiteren Entwicklung ist letztlich eine rasche molekularepidemiologische Analyse gleichzeitig und in einem Schritt mit der Bestimmung von Spezies, Resistenz und Pathogenitätsfaktoren.

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