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Ein Schnupfen bleibt selten allein.
 
Immunologie 20. November 2015

Schnupfen & Co

Virale Infekte der oberen Atemwege haben die Tendenz, sich auszubreiten ...

Der Schnupfen bleibt selten allein: Häufig zieht sich der Infekt auch in die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen und diese damit in Mitleidenschaft. Das ist doppelt unangenehm.

Zu den typischen Begleiterscheinungen viraler Infekte der oberen Atemwege gehört neben Husten und/oder Halsschmerzen Schnupfen mit einer entzündlichen Veränderung der Schleimhaut in der Nase. Von dort können die beteiligten Erkältungsviren jederzeit auch auf die Nasennebenhöhlen übergreifen. Weil die Übergänge „fließend“ sind, werden die beiden Erkrankungen unter dem Begriff „Rhinosinusitis“ zusammengefasst. Für die Selbstmedikation einer akuten, unkomplizierten Nasennebenhöhlenentzündung stehen manche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Greifen Influenza-, Parainfluenza- oder Rhinoviren auf die Schleimhaut der Nebenhöhlen über, entzündet sich diese. In Folge wird mehr Sekret produziert; auch dessen Beschaffenheit verändert sich. Darüber hinaus schwillt die Schleimhaut an, was zum Verschluss der Ostien zwischen Nasen- und Nebenhöhlen führt. Überschüssiges Sekret fließt nicht mehr richtig ab und staut sich. Es entstehen Beschwerden wie verstopfte Nase, verfärbtes Sekret, Druckschmerzen in Kopf-, Stirn- und Wangenbereich sowie Nachlassen oder Verlust des Geruchssinns. Laut Definition in den Leitlinien „Rhinosinusitis“ der Deutschen Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie und des „European position paper on rhinosinusitis and nasal polyps“ (EOPS) aus dem Jahr 2012 kann eine akute Rhinosinusitis bis zu zwölf Wochen andauern, die chronische hält mehr als zwölf Wochen an, ohne dass die Symptome vollständig abklingen.

Bakterien. Selten (< 2 %) lösen Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae nach vorangegangenem viralen Infekt eine akute Rhinosinusitis aus. Für eine bakterielle Ursache sprechen Fieber über 38,3 Grad Celsius sowie starker, einseitiger Gesichtsschmerz. Auch wenn sich die Symptome nach fünf Tagen verschlechtern (biphasischer Verlauf), können Bakterien beteiligt sein, und der Kunde gehört an einen Arzt verwiesen.

Sowohl akuter Schnupfen als auch akute Nasennebenhöhlenentzündung sind viral bedingt, weshalb Antibiotika nicht viel ausrichten können. Unterschiedliche Wirkstoffe aus dem chemisch-synthetischen und dem pflanzlichen Produktsegment stehen zur Symptomlinderung zur Verfügung.

Wirkstoff-ABC

Wichtigstes Therapieziel bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung ist die Entzündungshemmung und Schleimlösung.

Analgetika. Gegen die das Geschehen begleitenden Druckschmerzen im Kopf-, Stirn- und Wangenbereich können in der Selbstmedikation ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol empfohlen werden. ASS, Diclofenac und Ibuprofen besitzen darüber hinaus antiphlogistische Effekte.

Dekongestiva. Die klinische Erfahrung zeigt, dass abschwellend wirkende topische alpha-Sympathomimetika wie Oxymetazolin, Tramazolin oder Xylometazolin in Tropfen- oder Sprayform die Nasenatmung und damit auch den Abfluss von Sekret verbessern. Um Schleimhautschäden zu vermeiden, sollten sie maximal sieben bis zehn Tage verwendet werden und am besten keine Konservierungsmittel enthalten.

Zur Verfügung stehen zudem orale alpha-Sympathomimetika wie Phenylephrin oder Pseudoephedrin, oft in Fixkombination mit ASS, Ibuprofen oder Paracetamol. Sie sollen auch eine Wirksamkeit auf die Ostien haben und die Belüftung der Nasennebenhöhlen gewährleisten. Zu beachten ist allerdings, dass lokale und systemische Dekongestiva bei Menschen mit nicht behandelter Hypertonie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund ihrer vasokonstriktorischen Wirkung mit Vorsicht einzusetzen sind. Zur Verfügung stehen ferner hypertone/hypotone Salzlösungen mit und ohne Zusatz von ätherischen Ölen.

Phytopharmaka.Einige zeigen in placebokontrollierten Studien eine siginfikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Sie verflüssigen den Schleim und aktivieren den Selbstreinigungsmechanismus der mukoziliären Clearance. Auch zeigen sie antiphlogistische Eigenschaften. Dazu gehören zum Beispiel Cineol, eine standardisierte 5er-Fixkombination aus Schlüsselblumenblüten, Enzian-, Ampfer- und Eisenkraut sowie Holunderblüten. Auch Pelargonium-sidoides-Extrakt (off-label) und dem Ananasenzym Bromelain werden additive therapeutische Effekte bei akuten Nasennebenhöhlenentzündungen bescheinigt. Ebenso wie eine Fixkombination aus Kapuzinerkressenkraut und Meerettichwurzel können sie eine Alternative zu Antibiotika darstellen. Vor allem die in der Fixkombination enthaltenen Senföle führen Studien zufolge selbst bei Langzeitbehandlung nicht zu Resistenzen.

Sonstiges. Homöopathisch lässt sich eine akute Nasennebenhöhlenentzündung behandeln mit Cinnabaris, Hepar sulfuris, Kalium bichromicum und Luffa operculata (jew. D6). Der Arzt kann darüber hinaus zur Entzündungshemmung topische Steroide wie Betamethason, Fluticason und Mometason verordnen. Ferner kann er, wenn eine bakterielle Rhinosinusitis vorliegt, eine Antibiose einleiten.

Springer Medizin

Wichtige Fragen für das Beratungsgespräch

• Hatten/haben Sie eine Rachenentzündung oder einen Schnupfen?

• Leiden Sie unter Gesichtsschmerz und/oder Druck zwischen den Augen?

• Haben Sie Fieber (> 38,3 °C), beziehungsweise sind Ihre Beschwerden in den letzten Tagen stärker geworden (besser zum Arzt)?

• Leiden Sie unter Grunderkrankungen, müssen Sie immunsupprimierende Medikamente einnehmen (besser zum Arzt)?

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